Kultur

Sorge um Zukunft des Filmfestivals in Saarbrücken

Österreichisches Jugenddrama gewinnt Max Ophüls Preis

Das österreichische Jugenddrama „Einer von uns“ des Regisseurs Stephan Richter hat den Max Ophüls Preis (MOP) 2016 in Saarbrücken gewonnen. Nach Feiern war aber niemandem so recht zumute. Bei der Gala zur Preisverleihung des 37. MOP gab es am Sonnabend tosenden Applaus für die scheidende künstlerische Leiterin Gabriella Bandel. Die zu Tränen gerührte 57-Jährige bedankte sich bei Jungfilmern, Publikum und Stadt. Dagegen erntete Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) Buhrufe und Pfiffe. Kinofreunde sorgen sich um die Zukunft des Filmfests für den deutschsprachigen Nachwuchs, das seit 1980 stattfindet.

Hintergrund sind die weitgehend im Dunkeln liegenden Gründe für den Abschied Bandels nach 17 Jahren, die Suche nach einem Nachfolger und die Geldsorgen der Festivalmacher. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz hatte Alt-Regisseur Hans W. Geißendörfer am Freitag betont, das MOP sei nicht nur ein Saarbrücker, sondern „ein deutsches Ereignis“. Mit dem früheren MOP-Leiter Boris Penth forderte er, die Stadt solle sich in einem Fachbeirat beraten lassen und die Stelle öffentlich ausschreiben. Die „Freunde des MOP“ fürchten politische Kungelei. Ob eine Ausschreibung überhaupt noch möglich wäre, ist fraglich. Die Stadt will spätestens bis Ende Februar einen Nachfolger für Bandel präsentieren. Kulturdezernent Thomas Brück verwies Befürchtungen, das MOP könne für ein Jahr ausgesetzt werden, ins Reich der Spekulationen.

Unter den Nachwuchsfilmern im Saal gab es bei der Gala viele fragende Gesichter: „Wir hatten gar nichts von den politischen Querelen mitgekriegt“, sagte die Berliner Regieassistentin Susanne Braun, die zum ersten Mal auf einem Festival war. Für den Kinonachwuchs ist das MOP eine Art Familientreff, Produzenten halten Ausschau nach neuen Talenten. Zum Karrieresprungbrett wurde das Festival etwa schon für Doris Dörrie und Til Schweiger.