Max-Schmeling-Halle

Ellie Goulding nimmt man in Berlin den Spaß nicht recht ab

Spätestens „Love me like you do“ machte Ellie Goulding in Deutschland zum Star - aber nicht zum Superstar. Live wirkt sie unterkühlt.

Ellie Goulding bei ihrem Tourauftakt in der Barclaycard Arena in Hamburg

Ellie Goulding bei ihrem Tourauftakt in der Barclaycard Arena in Hamburg

Foto: Lukas Schulze / dpa

„I hope you don’t mind, I hope you don’t mind that I put down in words, how wonderful life is now you’re in the world“. Auch wenn die Seite AZ-lyrics diese Zeilen unter ihrem Namen listet: „Your Song“ ist gar nicht von Ellie Goulding. Immerhin hat sie diesen Elton John Song auf der Hochzeit von Herzogin Kate und Prinz William gesungen.

Obwohl Ellie Goulding in UK und den USA bereits als Top-Star gilt, ist die Sängerin, die für die royale Hochzeit quasi bereits per Dekret geadelt wurde, in Deutschland noch kein Superstar. Die Max-Schmeling-Halle ist voll, aber nicht ausverkauft. Auf den Rängen gibt es noch Platz.

Goulding ist das neue blonde Pop-Gift, mit einer Nachfolge auf Britney Spears, Christina Aguliera oder Lady Gaga hat ihre Performance allerdings nichts zu tun. Exzentrik, Drogenexzesse oder ein sexy Schlammwrestling-Image sind von der Engländerin nämlich nicht zu erwarten.

Goulding ist mit ihrer ungiftig, netten Art die Königin der Normalos. Und zwar im besten Herzogin-Kate-Sinne. Ihre unproblematische Person schafft perfekte Voraussetzungen sowohl für den Buckingham Palace als auch die USA. Beiderorts liebt man vorgeblich wilden, tatsächlich aber zuckrig-unschuldigen Pfarrerstochter-Pop a la Mandy Moore.

An der Uni schrieb sie traurige Singer-Songwriter-Lyrik

Beim Auftritt wird klar, Goulding schürzt gern die prallen Lippen und trägt aufgeplüschte Felljacken mit nichts drunter. Kunstfelljacken natürlich, Goulding ist Vegetarierin.

„Macht die nicht so Gitarren-Folk?“, fragt eine Mutter, die ihre Tochter begleitet in der Schlange. Musiktechnisch hat Goulding eine fast wilde Vergangenheit. Mit 14 sei sie eine aufmüpfige Gothik-Verehrerin gewesen, an der Uni schrieb sie traurige Singer-Songwriter-Lyrik. Ihre Liaison mit Skrillex öffnete sie für Elektro. Jetzt macht sie Pop. Passend dazu hat sie ihr aktuelles Album Delirium („Rausch“) genannt. Dabei sei ihr jetzt, mit 29 Jahren endlich alles klar.

Tänzer erinnern an Krieger aus Game of Thrones

Auf Kunstnebel zum Warm-Up wird in der Max-Schmeling-Halle verzichtet. Dafür hören wir ein ätherisches Intro. Ansonsten deutet nichts auf ein mögliches Delirium hin. Aus einem von der Bühne hängenden Goldvorhang wird Goulding ausgewickelt. Eine Plattform hebt sie in die Mitte der Bühne. Sie trägt kurze Mini-Hotpants und eine schwarze Jacke. Vor ihr tanzen zwei Männer, die an Krieger aus Game of Thrones erinnern. Goulding singt dazu „I know there’s nothing that I can do to make you stay“.

Goulding ist stolz darauf, eine besonders wenig kontroverse Figur im Musikbusiness zu sein. Wenn sie ihre Hits singt, zeigt sich, dass das auch für ihre Musik gilt. Untermalt von dröhnenden Beats legt sich eine weiche Wolke der Einfachheit über das Publikum. „Love me like you do“ findet man auf dem Soundtrack zum ungezogenen Lack und Leder-Schinken „Fifty Shades Of Grey“. Goulding hat ihr Felljäckchen aus, und ein sündiges Lack-Dings übergestreift. Abgesehen davon hat „Love me like you do“ keine ungezogenen Komponenten. Lo-lo-lo-lo-looove kann nämlich ganz einfach sein, wenn man das gegenüber einfach mal machen lässt. Ob im Mondlicht und auf dunklen Wegen (damit meint Goulding sicher nicht die schlechte Ausleuchtung), einfach machen lassen und liiiieben.

Publikumskontakt ist nicht Gouldings ihre Sache

Ansagen und Publikumskontakt sind nicht Gouldings Sache. Das Programm läuft durch, die Beats knallen aus den Boxen, lassen keine Zeit zum schnacken. Klar, die Frau ist ein Profi, den Spaß mag man ihr aber nicht so recht abnehmen.

Roboterhaft war schon ihr Auftritt bei „The Voice“ , wo sie mit einer Kandidatin im Duett singen sollte. Selten klang ein „Sie ist wunderbar“ deutlicher nach einer einstudierten Hülse. Da half auch die ständige Wiederholung nichts.

„Es ist zu leise“ erklärt Goulding, als sich das Publikum einen Song wünschen soll. Sie zieht eine Schnute, dann fängt sie sich. Die Show muss weitergehen, der folgende Titel war ohnehin bereits festgelegt.

Unter goldenem Konfettiregen verschwindet die unterkühlte Goulding hinter der Bühne. Es ist noch vor zehn, zum Dschungelcamp, dem TV-Hort des Deliriums kann man es jetzt noch schaffen.