Fernsehen

Felicitas Woll: "Berlin ist für mich die besonderste Stadt"

Schauspielerin Felicitas Woll muss im neuen Taunuskrimi einen Pädophilenring auffliegen lassen. Die Geschichte berührt sie auch privat.

 Die Schauspielerin Felicitas Woll (35) mag Berlin, will aber lieber nicht hier wohnen. Es ist ihr zu laut und zu voll

Die Schauspielerin Felicitas Woll (35) mag Berlin, will aber lieber nicht hier wohnen. Es ist ihr zu laut und zu voll

Foto: Joerg Krauthoefer

Vor dreizehn Jahren wurde sie als sympathisch-chaotische „Lolle“ in „Berlin, Berlin“ berühmt. Im Taunuskrimi spielt Felicitas Woll nun Hauptkommissarin Pia Kirchhoff, die es im neuen ZDF-Zweiteiler „Böser Wolf (Ausstrahlung vom ersten Teil am 11.1. um 20.15 Uhr) nicht leicht hat, denn sie muss einen Pädophilenring auffliegen lassen. Ein Gespräch mit der Mutter einer zehnjährigen Tochter über die dunkle Seite der Menschen, ihre Liebe zu Berlin und ihre neue Gesangsapp „Smule“.

Berliner Morgenpost: Der neue Zweiteiler „Böser Wolf“ ist harter Tobak. Neigen Sie dazu schrecklichen Szenen nach dem Dreh mit Nachhause zu nehmen?

Felicitas Woll: Nein, eigentlich nicht. Ich versuche das am Drehort zu lassen.

Gibt es einen Trick, den Sie dafür anwenden?

Tatsächlich gibt es einen. Ich gehe morgens in die Garderobe und ziehe mir in Gedanken einen Taucheranzug an, mache den Reißverschluss von unten bis ganz oben zu und habe nur einen kleinen Schlitz, durch den ich gucken kann und das schützt mich. Abends ziehe ich den dann wieder aus und lege ihn ab.

Das ist also eine Geste, die sie wirklich morgens und abends machen?

Wenn ich weiß, dass sind Themen, die mich sehr beschäftigen können, mache ich das. Das war bei der „Ungehorsamen“ so und bei dem Fall auch. Auf der anderen Seite mag ich es auch, wenn ich etwas ins Hotelzimmer mitnehmen, weil ich das An- und Ausschalten schwierig finde und mich beim Arbeiten sehr tief in die Rolle einfühle.

Gab es beim Taunuskrimi eine besonders schlimme Szene?

Die Szenen mit der sechsjährigen Bella Bading. Natürlich hatten wir ihr nicht genau erzählt, was ihrer Filmfigur passiert ist. Sie wusste nur, dass sie verletzt wurde, traurig ist und nun versucht sich zu schützen. Ich wusste aber, dass sie vergewaltigt wurde und dass war für mich nicht leicht. Das hat mich die ganzen Dreharbeiten begleitet.

Hat das etwas verändert? Sie haben schließlich eine zehnjährige Tochter?

Das Thema hat mich immer schon beschäftigt – noch bevor ich ein Kind hatte. Mich hat es immer berührt, dass es Kindern auf dem Globus schlecht geht. Mit meiner Tochter versuche ich zu sprechen, dass sie weiß, dass sie sich selber schützen kann und dass sie auf ihr Bauchgefühl hören soll. Aber ich selbst muss auch wieder loslassen und darauf vertrauen, dass alles gut geht.

Hat es beim Dreh für Sie auch eine neue Erkenntnis gegeben?

Dass es Kindesmissbrauch nicht nur in schwierigen Verhältnissen gibt, sondern in allen sozialen Schichten, auch bei gebildeten und sogar reichen Menschen. Und dass damit so viel Geld verdient wird, dass es nicht nur einzelne Fälle sind, sondern oftmals organisiertes Verbrechen. Wir müssen uns nur bewusst machen, wie wir Menschen sind. Letztendlich gibt es tausende von erschreckenden Dingen, die wir tun. Die wir ins uns haben, die perfide und abartig sind. So sind wir Menschen – natürlich nicht alle. Viele versuchen makellos durch die Welt zu gehen, aber leider nicht alle.

Sie spielen eine Hauptkommisarin – nehmen Sie etwas mit von der Figur mit?

Natürlich. Ich bin ein Mensch, der unheimlich viel nachdenkt. Ich denke immer! Das ist erschöpfend, aber es passiert auch viel in mir. Die Weltsituation sieht hoffungslos aus, aber man muss hoffnungsvoll bleiben. Zwischen diesen Polen fliege ich in meinen Gedanken hin und her und das ist etwas, das mich sehr lebendig macht. Die Kunst ist, sich dessen bewusst zu sein und dennoch ein glückliches Leben zu führen.

Sie wurden mit „Berlin, Berlin“ berühmt. Wie ist es wieder in der Hauptstadt zu sein?

Ich wohne im Nordhessen, aber jedes Mal wenn ich herkomme, denke ich: Ich komme Nachhause. Meine Großmutter ist hier geboren und aufgewachen, daher bin ich wirklich verwurzelt mit der Stadt. Berlin wird für mich immer die besonderste Stadt bleiben.

Sie sind jetzt 35 Jahre alt. Wie haben Sie sich seit „Lolle“ entwickelt?

„Erwachsener“ ist immer so ein komisches Wort, denn eigentlich bin ich ja froh, dass ich durch den Beruf das Kind in mir bewahren konnte und immer die kleine Chaotin „Lolle“ bleiben kann. Aber ich bin reifer und ruhiger geworden und habe nicht mehr das Gefühl, etwas zu verpassen. Es gibt nicht mehr so viel, das mich wegzieht, sondern eher zu dem Punkt führt, wo ich zur Ruhe kommen.

Viele Ihrer Schauspielkollegen ziehen nach Berlin, war das für Sie auch eine Überlegung?

Ich habe das damals schon immer wieder mal überlegt, aber ich bin nicht der Großstadtmensch. Ich bin zu sensibel für die Schnelligkeit, die Lautstärke und die vielen Menschen. Das ist mir ein bisschen zu viel. Ich mache beim Arbeiten so sehr meine Seele auf, dass ich dann auch meine Ruhe brauche.

Sie spielen Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Ist Musik noch ein Teil Ihres Lebens?

Ich habe gerade eine Klavier gekauft, weil ich die Musik im Haus vermisst habe. Durch das ganze Downloaden hat man gar keinen Bezug mehr zu Musik. Ich habe früher im Plattenladen gearbeitet, mir Cover angeguckt und mit Freunden Musik gehört, das gibt’s alles nicht mehr. Das vermisse ich und frische gerade wieder mein Klavierspiel auf. Für ist was wie Meditation, andere mache Yoga und ich mache Musik oder singe.

Sie singen?

Ich habe aber diese super App „Smule“ auf der singe ich die ganze Zeit. Da hat man das Gefühl, man steht auf einer Bühen und singt vor tausenden Fans. Dazu kann man sich mit Menschen auf der ganzen Welt verbinden und Duette von Afrika über Amerika bis Neuseeland singen. Nicht jeder singt perfekt, aber man singt einfach. Und das mache ich nun in jeder freien Minute (lacht).