Kultur

Die Maillingers und der ganz normale Familienirrsinn

Rainer Kaufmanns Komödie „Das beste aller Leben“ im ZDF

Weihnachten ist nicht nur das vielzitierte Fest der Liebe, es ist auch ein Fest für Freudianer. Wenn sich die Mitglieder einer Kernfamilie wieder treffen, werden gleich die alten Muster aktiv: die sich benachteiligt wähnende Tochter, der besserwisserische Bruder, der unzuverlässige Vater, die sorgenvolle Mutter. Oft kommen noch Schwäger und Schwägerinnen dazu, die von den einen geliebt und von den anderen heimlich grauenhaft gefunden werden. So oder ähnlich, sicher ist: Die Neurosen wuchern. Es gibt kein Entkommen.

Im Fernsehen konnte man das vor zwei Jahren anhand der Familie Maillinger besichtigen, „Beste Bescherung“ hieß die Folge. Schon seit 2009 gehört das großbürgerliche Ensemble rund um den Schraubenfabrikanten Karl Maillinger (Friedrich von Thun) zu den regelmäßig wiederkehrenden Bekannten auf den Bildschirmen. „Beste Bescherung“ spielte tatsächlich in der Weihnachtszeit und exerzierte lustvoll alle Konflikte durch, die sich aus dieser Situation ergeben – die noch dadurch verschärft wurde, dass der Patriarch wegen eines Steuervergehens hinter Gitter musste.

Die diesjährige Folge heißt nun „Das beste aller Leben“, womit der bei den Maillingers fast naturgemäße Superlativ nach „Das Beste kommt erst“ (2008), „In den besten Familien“ (2012) und eben „Beste Bescherung“ erneut aufgegriffen wird. Diesmal steht kein Weihnachtsfest im Zentrum, sondern eine Taufe, aber das ist für das Experimentierfeld des Familienkonflikts ganz einerlei. Karl Maillinger kommt nach zwei Jahren aus dem Gefängnis frei und ist guten Mutes: Er will die Geschäfte wieder übernehmen. Das entspricht nicht ganz den Absprachen mit seiner Tochter Anna (Sophie von Kessel), die es sich an der Spitze des Unternehmens ganz gut eingerichtet hat. In den ersten Szenen des Films kauft sie dem Alten einen Schaukelstuhl, um ihm die neue Rolle des Ruheständlers auch symbolisch zuzuweisen. Der reagiert in etwa so euphorisch, als hätte sie ihm eine dicke Spinne überreicht.

Regisseur Rainer Kaufmann, der auch für die bisherigen Folgen verantwortlich war, rückt von der ersten Minute an den Konflikt zwischen Tochter und Vater ins Zentrum seines Films. Dieser ergibt sich allerdings nicht nur aus der Konkurrenz um geschäftliche Aufgaben. Denn Karl Maillinger hat jemanden mitgebracht: seinen gut aussehenden, junge Knastkumpel Edward (Christoph Letkowski). Mit dem versteht er sich ganz ausgezeichnet: Die beiden stimmen andauernd gemeinsam Lieder an (was etwas aufgesetzt wirkt), lachen über dieselben Witze und gehen gemeinsam zum Angeln. Klar, dass so viel Zuneigung und Einverständnis beim Rest der Familie auf wenig Gegenliebe stößt.

„Das beste aller Leben“ ist ein unterhaltsamer Film über Familienkonflikte, der allerdings nicht die Stärke des Vorgängers erreicht – auch wenn die Schauspieler mit Spaß bei der Sache sind.

„Das beste aller Leben“.
ZDF, Dienstag, 20.15 Uhr.