Kultur

Geld allein machte sie auch nicht glücklich

Die Freie Szene war trotz massiver Mittelsteigerung unzufrieden. Nun ist der Streit beigelegt

Es liegt gar nicht so lange zurück, da hatte die Freie Szene die Kommunikation mit der Politik einseitig beendet. Christophe Knoch, der Koordinator und Sprecher der Freien Szene, hatte eine E-Mail an die kulturpolitischen Sprecher der Koalition, Brigitte Lange (SPD) und Stefan Schlede (CDU), und Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) verschickt. Christophe Knoch beklagte, dass die Freie Szene auch in den kommenden Jahren zu wenig Mittel erhalte, warf den Politikern vor, sich nicht an Absprachen zu halten, und beendete sein Schreiben wie folgt: „Wir bitten Sie, davon Abstand zu nehmen, das genannte Programm und überhaupt Bestandteile des Entwurfes des Kulturhaushaltes öffentlich als ,mit der Koalition der Freien Szene abgestimmt‘ darzustellen.“

Die E-Mail, die dieser Zeitung vorliegt, stammt vom 16. November. Sie gehört nicht unbedingt zu dem „beispiellosen Dialog“ zwischen Politik und Freier Szene, von dem Michael Müller (SPD) in der Generaldebatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus sprach. Was er meinte, war die Zeit, als die Versöhnung begann. Folgerichtig saßen an diesem Tag dann die Politiker Lange, Schlede und Renner sowie Sprecher Knoch in einem Beratungszimmer der SPD des Abgeordnetenhauses und erklärten den Journalisten, warum sich jetzt alle wieder lieb haben.

Interessant ist, dass dieser Konflikt überhaupt entstanden ist, war es doch bereits im Frühsommer offensichtlich, dass die Freie Szene – also Künstler, die nicht fest für etablierte Institutionen arbeiten – einer der großen Gewinner des Kulturhaushaltes 2016/17 sein wird. Demnach bekommt sie, wie am Donnerstag beschlossen, 2016 zusätzlich zehn Millionen Euro, und 2017 werden es zwölf Millionen sein. 2,5 Millionen Euro daraus entstammen der City Tax.

Von den „Aufwüchsen“, so der Verwaltungsjargon, profitieren viele: Die Honoraruntergrenze in der Darstellenden Kunst wird erhöht, Ausstellungshonorare in der Bildenden Kunst werden eingeführt, die Arbeitsraumförderung wird ausgeweitet. Für die Neue Musik erhöht die Stadt die Förderung, so auch für das Hau-Theater und Sasha Waltz & Guests, die Tanzkompanie erhält immerhin noch einmal 435.00 Euro.

Die Verspannung zwischen Freier Szene und Politik nahm Ende 2013 den Anfang, als die Mittel aus der geplanten City Tax doch nicht, wie ursprünglich erhofft, der Kultur zugutekamen.

Der Ärger ging dann in diesem Sommer in die nächste Runde: Müller und Renner hatten ihren Plan verkündet, den Kulturetat kräftig zu erhöhen – man war, wie Renner es ausdrückt, „stolz wie Bolle“. Aber er habe lernen müssen, dass, „wenn es wirklich etwas zu verteilen gibt, die Probleme erst richtig anfangen“. Es habe „ordentlich gekracht“, die Freie Szene sei angesäuert, und die Politik habe sich nicht gerecht behandelt gefühlt. Oder wie es Lange von der SPD ausdrückt: „Es gab ein massives Kommunikationsproblem. Wir haben uns als Exekutive eingemischt.“

Augenscheinlich gab es Verteilungskonflikte in der Freien Szene, jetzt, wo plötzlich deutlich mehr Geld auf dem Tisch lag. Bei der Verteilung der zusätzlichen Mittel durch die City Tax sind die Beteiligten am Ende nach dem üblichen Motto „wenn man nicht mehr weiter weiß, gründe einen Arbeitskreis“ vorgegangen. Ab 2016 wird eine Jury aus 14 (!) Mitgliedern darüber befinden, welche Künstler und welche Projekte von den 2,5 Millionen Euro profitieren werden.