Neu im Kino

Einer trage des anderen Last

Wenn der Schatten der Vergangenheit bis in die Gegenwart reicht: Die Buch-Verfilmung „Dark Places“ mit Charlize Theron und Nicholas Hoult

Nicholas Hoult als Lyle Hirth und Charlize Theron als Libby Day in einer Szene aus dem Film „Dark Places - Gefährliche Erinnerung“

Nicholas Hoult als Lyle Hirth und Charlize Theron als Libby Day in einer Szene aus dem Film „Dark Places - Gefährliche Erinnerung“

Foto: Concorde Filmverleih / dpa

Sie hat verdammt schwer zu tragen an ihrer Vergangenheit. Enddreißigerin Libby Day (Charlize Theron) lebt in Kansas City apathisch und desillusioniert in den Tag hinein, lässt sich von Waisenfonds finanzieren und von einem Buch, das man über sie und ihr Schicksal geschrieben hat. Denn Libby Day musste als Achtjährige miterleben, wie ihre Mutter und ihre beiden Schwestern auf der heimischen Farm in Kinnakee/Kansas brutal ermordet wurden.

Und sie brachte durch ihre Aussage ihren mit Satanismus kokettierenden Bruder Ben (Tye Sheridan in Rückblenden, Cory Stoll in der Gegenwart) lebenslänglich hinter Gitter. Sie kann gar nicht so viel verdrängen, wie sie vergessen will.

Der „Kill Club“ löst Kriminalfälle

Den Bruder, der seit 28 Jahren hinter Gittern sitzt, hat sie nie besucht. Sie haust in einer Müllhalde von Wohnung, ohne viele Kontakte, ohne Freunde. Doch langsam geht das Geld aus. Nur: Libby musste bisher noch nie für ihren Unterhalt arbeiten. Und hat das auch künftig nicht vor.

Da trifft es sich gut, dass sich der junge Lyle (Nicholas Hoult) bei ihr meldet, um sie für ein paar Hundert Dollar in seinen Verein einladen will. „Wir nennen es den Kill Club“, erklärt er ihr. „Ehemalige Polizisten, Privat- und Versicherungsdetektive. Wir lösen Kriminalfälle. Das ist unsere Mission.“ Besonderes Interesse hat Lyle an Libby, denn der Kill Club ist sich sicher, dass Ben unschuldig einsitzt und will herausbekommen, was wirklich in dieser Nacht geschah.

Nichts war so, wie es schien

Es ist mehr die Verlockung des Geldes als der Wille, sich erneut mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, die Libby einwilligen lässt. Doch mehr und mehr bekommt auch sie Zweifel daran, dass ihr großer Bruder die Tat begangen hat. Es kommen Dinge an den Tag, die auf bedrückende Art beweisen, das nichts so war, wie es schien.

Nach dem großen Erfolg von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“, der Verfilmung des Buch-Bestsellers von Gillian Flynn, war es nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Flynn-Roman auf die Leinwand kommt. Doch es ist nicht so einfach, die so vertrackten wie klug konstruierten Geschichten der Autorin für das Kino zu adaptieren. Fincher ist das beeindruckend gelungen.

Zwei Stunden düstere Unterhaltung

Regisseur Gilles Paquet-Brenner, der sich nun Flynns 2009 erschienenem Buch „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“ annimmt, hat merklich Schwierigkeiten, dem verzwickt-verzweigten Thriller gerecht zu werden. Er gibt seinen Figuren wenig Format. Er schiebt seltsam körnige Rückblenden ein. Er lässt kaum Sympathie aufkommen für auch nur eine seiner Figuren.

Vor allem aber lässt Paquet-Brenner seine Protagonistin wie eine Schlafwandlerin durch die kühle Szenerie wandeln. Dennoch behält „Dark Places“ seinen unheimlichen Reiz und kann zumindest über gute zwei Stunden spannend und düster unterhalten.

Thriller USA 2015 113 min., von Gilles Paquet-Brenner, mit Charlize Theron, Nicholas Hoult, Corey Stoll

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