Kultur

Der Kintopp, die spanische Grippe und der brodelnde Vulkan

Die Welt geht allerorten zugrunde. Während sich der Rest Europas auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegsverheert, verdunkelt im fernen Island der Vulkan Katla bedrohlich den Himmel, wie ein Menetekel für Kommendes. Und dann landet ein Schiff aus Dänemark und bringt die Spanische Grippe ins Land, das die Bevölkerung Reykjavíks dezimiert. Inmitten dieses historischen Romans: ein junger Mann namens Máni, der keine Eltern und keine Arbeit hat, der sein Taschengeld mit ein bisschen männlicher Prostitution aufhübscht und seine Rettung vor allem in dem noch jungen Kintopp sucht. Und in der schönen Sóla, die dem Star aus einer Vampirfilmreihe frappierend ähnlich sieht, aber für ihn genauso unnahbar ist. Bis er einem Arzt während der Grippewelle helfen muss – und Sóla sich als beider Chauffeurin entpuppt.

Der isländische Dichter Sjón, mit vollen Namen Sigurjón Birgir Sigurðsson, wurde bei uns bekannt durch Liedtexte für seine Landsmännin Björk, insbesondere für Lars von Triers Film „Dancer in the Dark“. Seit seinem 16. Lebensjahr veröffentlicht Sjón Gedichtbände, für seinen Romanerstling „Schattenfuchs“ erhielt er 2005 den Literaturpreis des Nordischen Rates. Sein jüngster Roman ist erneut ein eher schmales Bändchen, das sich durch eine sehr verknappte, lyrische Sprache auszeichnet. Sein Roman setzt mitten in die Unabhängigkeitsfeiern von Island anno 1918 einen so finsteren wie ironischen Kontrapunkt.