Kultur

Georg-Kolbe-Museum erweitert seine Räumlichkeiten

Auf dem Dach war sein „Freiluftatelier“, so soll es Georg Kolbe selbst genannt haben. Einer gesicherten Gerüchtelage zufolge wurde oben an der frischen Luft auch nackt Modell gestanden. Von außen ist es nicht einsehbar, dafür hat der Bildhauer, der den Bau in den Jahren 1928/29 offensiv und nicht immer zu Freude des Architekten Ernst Rentsch begleitete, gesorgt. Seitdem das Haus im Westend nun Museum ist, also seit 1950, ist das Dach nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, nur an Tagen der offenen Tür konnten die Besucher mit ein wenig Schwung über die kniehohe Mauer nach oben gelangen.

Ab April oder Mai 2016 soll das Dach nun der Besucher regulär betreten. Derzeit laufen die Sanierungsmaßnahmen, die aus keinem sonderlich spektakulären Grund anstehen. Die Bausubstanz sei in die Jahre gekommen, erzählt Julia Wallner, Direktorin des Hauses bei der Baustellenbegehung an diesem Donnerstag. Sonderlich heruntergekommen sieht Kolbes früheres Atelierhaus, in dem er arbeitete und wohnte, nicht aus, aber die Handwerker müssten an Fenster, Abdichtungen, Böden und Leitungen ran. Eine Grundsanierung habe es seit der Errichtung des Hauses nicht gegeben, sagt Julia Wallner, das Haus habe jahrelang improvisieren müssen. Im Untergeschoss werde ein Shop eröffnet, in dem bislang ein Büro war.

Geholfen hat bei der Sanierung, wie so oft in der Stadt, die Lotto-Stiftung, die 1,2 Millionen Euro bereitstellt. Hilfreich war wohl auch, dass mit André Schmitz, dem langjährigen Kulturstaatssekretär, jemand den Vorsitz der Georg-Kolbe-Stiftung übernommen hat, der weiß, wie man an öffentliche Fördermittel herankommt.

Zwischen 20.000 und 40.000 Besucher kommen pro Jahr in das Museum. Der Schwung, den das Museum durch die schöne Hans-Arp-Schau im Herbst bekam, ist erstmal verebbt. Verzögerungen beim Bau erwartet Julia Wallner nicht, schließlich habe sie eine Auguste-Rodin-Ausstellung fest für Sommer 2016 eingeplant.