Kultur

Pfeiffer hat noch immer drei f

Der Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ ist zurück. Etwas Neues erzählt wird nicht

Im Rausch kommen ja manchmal die besten Ideen. So auch bei den vier Freunden, die von einer Feuerzangenbowle angeheizt über ihre Schulzeit schwärmen. Was haben die ihre Lehrer gequält, was hatten die für einen Spaß. Nur einer kann im Stück „Die Feuerzangenbowle“ nicht so richtig mitreden. Schriftsteller Johannes Pfeiffer war nie auf einem Gymnasium. „Wenn Sie nie auf einer Penne waren, dann sind Sie kein richtiger Mensch! Da haben Sie das Schönste im Leben verpasst!“, lautet das Urteil der Freunde.

Damit das nicht so bleibt, beschließen sie, soll der Pfeiffer die Erfahrungen aufholen und noch mal die Schulbank drücken. Er wird inkognito als Oberprimaner ins Jungsgymnasium eingeschleust, das er dann so richtig aufmischt. Der Rest ist allseits bekannt, denn der Film „Die Feuerzangenbowle“ ist nicht nur dank Heinz Rühmanns Paraderolle als Pfeiffer mit drei f. Film- und Fernsehgeschichte.

Unter der Regie von Axel Schneider hält sich die gleichnamige Theaterinszenierung in Plot, Bühnenbild und Kostümierung sehr eng an die berühmte Vorlage. Am Sonntagabend hat es im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Jeder kennt einen Klassenstreber wie den kleinen Luck, jeder einen Clown wie den Rudi Knebel. Aber so einen wie den Pfeiffer, intelligent, charmant und witzig dabei, den kennt nicht jeder aus seiner Schulzeit. Wegen ihm ist „Die Feuerzangenbowle“ berühmt, er ist der Kit, der die vielen Schülerstreiche zusammenhält.

Das Stück ist untrennbar mit dem Filmoriginal von 1944 verknüpft

Im Theater wird er von Dietmar Horcicka gemimt, Rühmann prägte in der Filmvorlage die Figur des Lausbuben, der eigentlich keiner mehr ist. Horcicka ist – genau wie Rühmann zur Drehzeit – bereits über 40 Jahre alt, schlüpft aber dennoch glaubwürdig in die Schülerrolle. Wie das gesamte Ensemble spielt er kühn und routiniert. Die pubertierenden Jungs und überforderten Lehrer haben sichtlich Spaß an ihrem Spiel, das merkt man immer wieder. Zum Beispiel als Professor Schnauz („Sätzen sä sich, sä sind albern“) den Oberprimanern die Gärung erklären will. Dazu bringt er seinen selbst gemachten Wein mit und die Jungs, angestachelt von Pfeiffer, mimen nach einem Schluck Sturzbetrunkene, um den restlichen Schultag schwänzen zu dürfen. Da geraten sie in so eine Ekstase, dass Achmed Ole Bielfeldt als Schüler Ackermann seine Hose in den Deckenscheinwerfer wirft. Das macht aus dem Stück, genau wie aus dem Film, einen Familienspaß.

Pfeiffers Streiche finden sich passgenau auf der Bühne wieder, wenn auch ohne eigene Impulse. Eine gewisse Schulnostalgie ist nicht zu vermeiden, es erinnert an die eigene Zeit in der Penne. Allein die Möglichkeit der Identifikation macht einen großen Teil des Witzes aus. Der dominiert die Bühnenfassung von Wilfried Schröder – das ist die Krux des Stückes. Es wirkt auf Pfeiffers Streiche zusammengeschrumpft, sehr auf den Witz konzentriert. So sind einige der existenzielleren Dialoge weggefallen, die das Besondere des Films ausmachten. Dem Stück fehlt das zwischenmenschliche Moment, das die Streiche verbindet und aufwertet.

Vielleicht hängt das auch mit dem kleineren Ensemble zusammen, vielleicht mit den leichten Änderungen in Figurenkonstellation und Aufbau. Vielleicht ist das Stück schlicht aus der Zeit gefallen. Es ist untrennbar mit der Vorlage aus dem Jahr 1944 verknüpft. Im letzten Kriegsjahr gedreht, bot jeder Scherz die Chance zur Flucht aus der Gegenwart. Als der Film wegen seiner Lehrerparodien zensiert wurde, bat Rühmann Hermann Göring persönlich darum, den Film freizugeben.

Theater am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206. Tel.: 88591188. Nächste Termine: 17. Novemvber, 2.-4. Dezember.