Theater

Vor dem Flirt an Supermarktkassen wird gewarnt

Regisseur Wojtek Klemm bringt „3000 Euro“ auf die Bühne des Potsdamer Hans Otto Theaters. Eine expressive Inszenierung.

Foto: HL BOEHME / BM

3000 Euro schweben über Anton und Denise. Er braucht die Kohle, um eine Privatinsolvenz abzuwenden und ins Leben zurückzukommen. Sie möchte mit diesem Geld, das sie noch von einem Pornoproduzenten bekommen soll, ihren Traum verwirklichen und mit ihrer sechsjährigen Tochter nach New York reisen.

„Wenn Anton träumt in diesen Wochen, dann von den alten Zeiten, die es so nie gab. Er schläft mit den Mädchen, die er nie haben konnte, er rettet die Freunde, die nicht mehr Teil seines Lebens sind.“ Mit diesen Worten beschreibt der in Berlin lebende Autor Thomas Melle den männlichen Protagonisten seines Romans „3000 Euro“. Das Werk war im vergangenen Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert. Wojtek Klemm hat jetzt die Bühnenfassung von Fabian Gerhardt am Potsdamer Hans Otto Theater herausgebracht.

Denise fragt sich, wer sie im Porno gesehen hat

Ganze 90 Minuten braucht der Regisseur für seine expressive Inszenierung. Er verdichtet Szenen des Romans, lässt chorisch sprechen, was die Nachvollziehbarkeit für die Zuschauer erschwert, die das Buch nicht gelesen haben, und legt einen Klangteppich unter, der sich zu einem finalen Requiem steigert. Marc Eisenschink spielt live am Rande der quadratischen Bühne (Susanne Hiller), in deren Mittelpunkt ein Transportband steht.

An der Supermarktkasse entwickelt sich die Liebesgeschichte zwischen dem Pfandflaschensammler Anton und der alleinerziehenden Denise (Franziska Melzer). Sie scannt die Waren der Kunden – und die Männer, die vor ihr stehen. Fragt sich, wer von denen sie wohl im Porno gesehen hat – und sich jetzt bei ihrem Anblick daran erinnert.

Gescheiterte Lebensentwürfe

Ein rauschhafter Sommer hat Anton, der mit seinem Jurastudium auf einem guten Karriereweg war, aus der Bahn geworfen. Er erinnert bei Florian Schmidtke ein bisschen an Franz Biberkopf aus „Berlin Alexanderplatz“, der ein guter Mensch sein will, aber an die falschen Leute gerät.

Es geht um Lebensentwürfe, ums gesellschaftliche Funktionieren und Scheitern. Minutenlang bewegen sich die Darsteller wie auf eingetretenen Pfaden, wagen sie einen Ausbruchsversuch, prallen sie an einer imaginären Wand ab. Die Gesellschaft, sie ist kalt und unerbittlich.

Hans Otto Theater/Reithalle, Schiffbauergasse 16, Potsdam. Karten: 0331/98 118. Termine: 19., 22.11; 13. und 18.12.