Kultur

Wir müssen den Boden schätzen, den wir mit Füßen treten

Sie werden das Lieblingstier der Berliner Promi-Köchin Sarah Wiener nicht kennen. Aber überrascht sein, wenn sie es verrät. „Der Regenwurm. Ohne Regenwurm stünden wir dumm da. Denn sie sorgen unermüdlich dafür, dass unser Boden fruchtbar bleibt.“ Und Sarah Wiener aus ihm die gesunden natürlichen Rohstoffe zieht, die sie für ihr Hobby braucht. Und da zu einem guten Essen ein guter Wein gehört, sei mit erwähnt, dass die Güte eines edlen Tropfens auch von der Güte des Bodens abhängt.

„Von ganz unten“ ist das Buch überschrieben, das für mehr Achtung, Respekt und pfleglichen Umgang gegenüber unserem Boden wirbt, den wir alle täglich mit Füßen treten. Und der uns alle ernährt. Zum Ende des von den UN ausgerufenen Internationalen Jahres des Bodens mit der Absicht, Boden und Bodenschutz stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, ruft der Berliner TU-Professor Gerd Wessolek zusammen mit 25 Autoren aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zur Vereidigung und Rettung des Bodens auf. Von seiner Qualität hängen immerhin 99,7 Prozent unserer Lebensmittel ab.

Die Bodengeschichten, viele wissenschaftlich fundiert, alle locker und verständlich geschrieben, blicken hinter die Kulissen unserer bodengefräßigen Gesellschaft und warnen vor den Risiken der weltweiten Urbanisierung bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Ländlichen als Quelle menschlicher Ernährung, Lebensraum für Tiere und wichtiger Faktor unseres Klimas. Und die Autoren spannen den Bogen noch viel weiter. Ihre Geschichten sind in vier Themenbereiche gegliedert: „Unser aller Boden“, in dem Markus Dröge, Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, den Schutz des Bodens der Bewahrung der Schöpfung gleichsetzt; „Boden genießen“, der neben Essen und Trinken auf die heilende Wirkung des Moors verweist; „Die Kunst des Bodens“ mit Beispielen, wie sich Kunst aus dem Boden als kulturhistorisches und mineralogisches Archiv entwickeln lässt. Und „Religion und Kultur des Bodens“, in dem auch die islamische Sicht zu Wort kommt.

Wir alle leben von und mit dem Boden. Der prägt auch unsere Landschaft. Und beides wird immer knapper. Nicht nur die westlichen Industrienationen bauen ihre Zukunft angesichts wachsender Verstädterung und neuer Eisen- und Autobahnen auf Landfraß. Dazu gesellt sich die Verschandelung der Landschaft durch Windräder und Monokulturen wie die „Vermaisung“. All das macht deutlich, warum der Boden mehr ist als Dreck. Und warum er es verdient, dass man besser mit ihm umgeht. Die Lektüre „Von ganz unten“ ist eine dringliche Empfehlung dazu.