Mercedes-Benz-Arena

Nena holt beim Berlin-Konzert 99 Fans auf die Bühne

Nach ihren SO36-Auftritt spielte Nena nun auf großer Bühne - in der Mercedes-Benz-Arena mit einem 99-köpfigen Lichterchor.

Nena spielt - und alle Fans sind glücklich

Nena spielt - und alle Fans sind glücklich

Foto: Britta Pedersen / dpa

Ein bisschen seltsam ist das schon. Popsängerin Nena, die Anfang des Jahres mit einem furiosen Konzert im Kreuzberger Club SO36 überraschte, hat sich für ihren neuerlichen Berlin-Auftritt, diesmal auf großer Bühne, einen „Lichterchor“ auf die Bühne geholt. Auf ihrer Facebook-Seite hatte sie ihre Fans zuvor aufgerufen, sich zu bewerben, um in Berlin das ganze Konzert über mit ihr auf der Bühne zu stehen, mitzusingen, zu tanzen - und mit kleinen Lämpchen zu leuchten.

Das tun sie am Freitagabend denn auch. Zwei Stunden lang stehen 99 Nena-Fans wie der Gefangenenchor aus „Nabucco“ als lebendes Bühnenbild auf einem Podest im Hintergrund. Ein Spiegelbild der Besucher im Saal sozusagen. Ein Wimmelbild im Dämmerlicht einer besonders vor der Bühne prächtig gefüllten, aber längst nicht ausverkauften Mercedes-Benz-Arena.

Nena versteht es durchaus, auch eine große Halle mit Leben zu füllen, wenn auch so manche Fans weiter hinten etwas verstört wirken bei dieser treibenden Mixtur aus Rock, Pop, New-Wave und mächtig wummernden Dancegrooves, die ihnen da lautstark in breitflächigem Sound entgegenkommt. Das Publikum ist bunt gemischt wie selten. Längst angegraute Fans der frühen Jahre sind ebenso darunter wie neugierige Twentysomethings und jede Menge Familien mit Kindern. Sie alle wollen Nena sehen. Und, na klar, „99 Luftballons“ hören, diesen Welthit, der Nena als Frolleinwunder der Neuen Deutschen Welle zum Star gemacht hat.

Treue Fangemeinde

Es wird ein langer Abend. Das Elektro-Pop-Duo Adameva, zu dem Nenas Tochter Larissa gehört, heizt zunächst im Vorprogramm an, gefolgt von einem Auftritt von Frida Gold um Sängerin Alina Süggeler. Es ist 20.50 Uhr, als Nena allein auf die Bühne kommt und sich an einen Flügel setzt. Der Applaus klingt wie ausverkauft. Im gedämpften Licht beginnt sie den Abend mit der Ballade „Du kennst die Liebe nicht“ vom 85er-Album „Feuer und Flamme“. Dann setzt langsam die Band mit ein.

Schon jetzt singt alles mit. Und das wird sich den ganzen Abend lang fortsetzen. Nur wirklich wenige haben eine solch treue Fangemeinde wie die 55-jährige Sängerin. Da braucht es eigentlich nicht noch einen 99-köpfigen Lichterchor auf der Bühne. Aber egal. Sie findet’s ganz toll. „Das sind 99 Leute aus ganz Deutschland“, verkündet sie stolz. „Schön, dass ihr da seid“, ruft sie ins Publikum. Und Dinge wie: „Ich hab euch lieb!“

Die Kinder spielen mit

Sie steckt voller Energie. Sie hat sich auf der Bühne den schnodderigen Charme der frühen Jahre erhalten. Sie versprüht auf geradezu unheimliche Weise Jugendlichkeit und Lebensfreude. „Haus der drei Sonnen“, ebenfalls von 1985, geht als zweites Stück durch die Halle, bevor „Nur geträumt“ auch die Besucher auf den Sitzplätzen in Bewegung bringt. „Nur geträumt“ wurde 1982 nach dem berühmten Auftritt im roten Minirock im TV-„Musikladen“ zum ersten Hit von Nena und der Band, die ihren Namen trug.

Versierte Musiker hat sie um sich geschart, zu denen auch drei ihrer Kinder gehören: Sohn Simeon an den Keyboards, die Zwillinge Larissa und Sakias im Chor. Sakias, der auch gern mal für eine Rap-Einlage an die Rampe tritt, wird später mit „Wegbereiter“ noch seinen eigenen Auftritt haben. Viel Neues gehört zum Programm, doch auch da erweist sich die Halle als textsicher.

Die Musik ist die Show

„Leute, ich könnte euch alle umarmen“, entfährt es íhr. Das neue Stück „Oldschool“ singt sie gemeinsam mit Tochter Larissa, deren Adameva-Partnerin Marie Suberg und Alina Süggeler von Frida Gold. Bei „What I Did For Love“ tauchen als Gäste ihre einstigen „Voice of Germany“-Jurykollegen Alec Völkel und Sascha Vollmer alias The Boss Hoss auf. Und im Hintergrund immer dabei: der „Lichterchor“, der mit funzeligen Lämpchen im Takt wedelt.

Die älteren Songs sind zeitgemäß aufgefrischt, die neueren ohnehin von pumpender Basslastigkeit und zeitgemäßer, poppig-eingängiger Melodieführung. Die Bühne, die in dieser riesigen Mehrzweckhalle geradezu klein wirkt, ist mitunter etwas dunkel ausgeleuchtet, dann zucken wieder grelle Spots durch den Raum. Auch im Zuschauerraum hängt eine gewaltige Lichttraverse, die immer wieder mal das Publikum illuminiert. Eine große Leinwand illustriert im Hintergrund einige der Songs. Mehr Show ist nicht. Die Musik ist die Show.

Und die Fans sind glücklich. „Fragezeichen“ gibt es und „Leuchtturm“, „Wunder geschehn“ und nach zwei satten Stunden Programm als Finale den All-Time-Hit von den „99 Luftballons“. Der Jubel ist frenetisch. Es ist schon nach 23 Uhr, als Nena und ihre Band für Zugaben zurückkehren. Dann gibt es auch noch „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Ein bisschen mehr Nähe hätte dem Konzert gut getan. Vielleicht ist die nüchterne Mercedes-Arena eben doch einen Tick zu groß. Nena nimmt die Halle dennoch im Sturm. Respekt.