Kultur

Eine schrecklich vorhersehbare Familiengeschichte

| Lesedauer: 2 Minuten
Felix Müller

Eine der besseren Komödien der letzten 20 Jahre hieß „Meine Braut, ihr Vater und ich“ – oder, im prägnanteren Titel des US-amerikanischen Originals: „Meet the Parents“. Ben Stiller spielt darin den geplagten Gaylord Focker, einen Krankenpfleger jüdischen Glaubens, der bei den Eltern seiner Freundin um deren Hand anhalten will. Leider entpuppt sich sein potenzieller Schwiegervater (Robert de Niro) als misstrauischer Kontrollfreak, und der Besuch gerät auf allen Ebenen zur Katastrophe.

Man muss das erwähnen, weil Dror Zahavis „Herbe Mischung“ sich so reichlich an Ideen und Motiven dieses Films bedient, dass er ohne ihn gar nicht denkbar wäre. Benni (Trystan Pütter) und Zarah (Peri Baumeister) sind, wenn ihr Kuschelverhalten nicht trügt, brutalstmöglich ineinander verliebt. Benni, dessen Familie in Tel Aviv lebt, arbeitet als Biologe und bewirbt sich gerade auf eine Stelle an einem Lehrstuhl. Seine Freundin Zarah ist Christin und hat arabische Wurzeln, ihr Vater ist Ägypter, ihre Mutter Deutsche. Ihr Nachname lautet Abdullah. Doch kulturelle Unterschiede spielen für die beiden keine Rolle, jedenfalls noch nicht. Der arabische Kitschwecker springt an mit dem Ruf des Muezzins, dann klingelt das Telefon. Es hat sich vorerst ausgekuschelt.

Bennis Großvater nämlich ist überraschend an einem Herzinfarkt verstorben. Zur Beerdigung muss er nach Tel Aviv fliegen, Zarah soll mitkommen. Völlig ungeplant steht also ihr Kennenlernbesuch bei seiner jüdischen Familie bevor, dazu noch unter dem ungünstigen Vorzeichen eines Todesfalls. Darauf könnte man aufbauen.

Man müsste nur ein paar Ideen haben. Die aber leiht man sich lieber aus. Wie in „Meet the Parents“ ist der Vater (Doval’e Glickman) ein manischer Kontrollfreak mit Technikfimmel: Der ehemalige CIA-Agent kehrt als israelischer Ex-Soldat zurück. Dass dann auch noch Zarahs Koffer weg ist und sie sich mit den sackartigen Kleidern der Mutter behelfen muss, rückt die Geschichte fast in die Nähe eines Remakes.

Das ist auch deshalb so, weil es fortan um die Vorbehalte geht, die Bennis Familie gegenüber Zarah hat. Dass sie keine Jüdin, sondern eine deutsche Christin mit arabischen Wurzeln ist, will das Paar zunächst verschweigen. So entwickelt sich ein Versteckspiel um Zarahs echte Identität. Das hätte funktionieren können, aber es bleibt langatmig und zäh. Es wird unendlich viel geredet. Dass die Schauspieler beim Dreh teils Deutsch, teils Hebräisch sprachen, dann nachsynchronisiert wurden und man das unablässig merkt, macht die Sache noch holpriger – von Motivationslücken der Figuren und fragwürdigen Wendungen einmal ganz abgesehen.

„Herbe Mischung“. ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr

( Felix Müller )