Film-Premiere

Barbara Broccoli - die wahre Moneypenny

Nichte, Mutti, beste Freundin: Barbara Broccoli ist die Frau hinter dem Geheimagenten James Bond.

Produzentin Barbara Broccoli verteilt Autogramme auf der Vorpremiere des neuen James Bond 007 Streifens  "Spectre" in Berlin

Produzentin Barbara Broccoli verteilt Autogramme auf der Vorpremiere des neuen James Bond 007 Streifens "Spectre" in Berlin

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Das Faszinierende an James Bond ist, dass jeder meint, eine ganz persönliche Geschichte mit dem Agenten zu haben. Auf niemanden aber trifft das so zu wie auf Barbara Broccoli. Sie ist nicht nur Bond-Produzentin seit „GoldenEye“, sie ist auch mit James Bond aufgewachsen. War Nichte, Mutti, große Schwester – in dieser Reihenfolge. Wer glaubt, die Frau hinter Bond wäre Moneypenny oder (bis „Skyfall“) M, der irrt. Die Frau hinter Bond ist Barbara Broccoli.

Sie war gerade mal ein halbes Jahr alt, als ihr Vater, Albert R. Broccoli, mit Harry Saltzman die Produktionsfirma Eon gründete, die bis heute alle Bond-Filme produziert. Sie hat dann lange geglaubt, James Bond gäbe es wirklich und sei ein Onkel.

Onkel Bond und seine kleine Nichte

„Das ist ein bisschen peinlich. Aber am Tisch oder auch sonstwo wurde immer gesagt: Bond würde diesen Wein bevorzugen, er würde dies oder das tun. Wie ein Verwandter, der nur weit weg wohnt und nie vorbeikommt. Nicht mal zu den Feiertagen.“ Sie glaubte an Bond wie andere an den Weihnachtsmann.

Die Wahrheit musste sie erkennen, als sie so sieben, acht Jahre alt war und bei den Dreharbeiten von „Man lebt nur zweimal“ mit Sean Connery dabei sein durfte. „Da habe ich’s dann kapiert“, gesteht die 55-Jährige lachend, „dass Sean, der für mich natürlich Onkel Sean war, ihn nur spielte. Da gab es so einen Klappstuhl mit seinem Namen drauf.“

Sie war also keine Nichte. Aber den familiären Vorteil hatte sie dennoch. Sie durfte in den Filmkulissen spielen. Mit den Gadgets von Q. „Das war natürlich viel spannender, als zur Schule zu gehen“, gibt sie zu. Mit dem Papa durfte sie von klein auf um die Welt reisen. Und ist mit all den Stars vor und hinter der Kamera aufgewachsen. Und mit deren Kindern. „Das war wirklich eine riesige Familie für mich.“

„Hier habt ihr ein Huhn, das goldene Eier legt. Vermasselt es nicht.“

Eigentlich, gesteht sie, wollte sie immer nur ihrem Vater so nahe sein wie möglich. Und so viel Zeit mit ihm verbringen wie möglich. Und so sei das gewachsen: „So einfach ist das. Und was mein Vater liebte: Ganz früh morgens als Erster zu einer Location zu fahren. Wenn nichts da ist. Zu erleben, wie die Trucks kommen, die Scheinwerfer aufgestellt werden, die Schauspieler dazukommen – der ganze Zirkus. Mein Vater wollte das wieder und wieder erleben. Und ich auch. Das ist eine ganz eigene Magie.“

Dieser Zauber hat sie angesteckt. Und bald war ihr klar, dass James Bond auch ihre Zukunft ist. Bei dem 13. 007-Film „Octopussy“ hat sie dann erstmals mitgearbeitet, da war sie 23. Fortan war sie in diversen Funktionen beteiligt, hat das Business von der Pike auf gelernt, als Regie- und Produktionsassistentin.

Ein Jahr vor seinem Tod, in der Vorbereitung zu „GoldenEye“, als er schon sehr krank war, hat der Vater dann ihr und ihrem Halbbruder Michael G. Wilson die Geschäfte übergeben. Mit den Worten: „Hier habt ihr ein Huhn, das goldene Eier legt. Vermasselt es nicht.“

War das nicht ein immenser Druck? „Natürlich“, gibt sie zu. „Aber das ist doch bei allen Familienunternehmen gleich, ob sie Brötchen backen oder Schuhe verkaufen.“ Kein Zufall, dass mit ihrem ersten selbstproduzierten Bond „GoldenEye“ der Chef M eine Chefin wurde. Fortan war Frau Broccoli die Mutti.

Daniel Craig als Agent 007 - erst belächelt, dann gefeiert

Und es war ihre Idee, mit dem Reboot der Serie Daniel Craig zu beauftragen. Auch wenn alle sich erst mal über den „blonden Bond“ lustig machten, bevor sie auch nur eine einzige Szene gesehen hatten. Das hat Barbara Broccoli nie verstanden.

Sie hat ja als Erste erleben können, wie großartig Craig beim Dreh war, wie er physisch an seine Grenzen ging. Und war nicht auch Roger Moore blond? „,Casino Royale’ war der erste Bond, der mit dem ganzen Internet/Social-Media-Zeugs zusammentraf“, bilanziert sie heute im Nachhinein den Shitstorm von einst.

Es sollte ganz anders kommen. Schon bei „Casino“ wurde Craig als würdiger Nachfolger des ewigen Vorbildes Sean Connery gefeiert. Nach dem letzten „Skyfall“ wird er sogar von manchen schon als der beste Bond aller Zeiten bezeichnet.

Er ist der Richtige, er ist Bond

Und dann der neuerliche Shitstorm. Diesmal aber hausgemacht. Der Star hat keine Lust mehr auf Bond. Und klagt darüber nicht etwa im stillen Kämmerlein, sondern in einem Interview vor aller Welt. Der Super-Gau einer jeden Produzentin.

Aber da ist kein Groll zu hören von Barbara Broccoli. Daniel ist ein enger Freund, und sie steht treu zu ihm. „Er sollte besser noch einen Bond machen“, meint sie. „Er ist Bond. Der nächste ist ohnehin der 25., das wird ein besonderes Jubiläum (nach dem 50-Jährigen bei „Skyfall“).

Ich werde alles tun, um ihn zu überzeugen, noch einen zu drehen. Er ist der Richtige, er ist Bond. Er hat ihn so zeitgemäß gemacht. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, ihn eines Tages durch jemand anderen zu ersetzen.“

Dabei brodelt die Gerüchteküche längst über an Spekulationen, wer künftig den Martini bestellen soll. Daran will sich Frau Broccoli aber in keiner Weise beteiligen. „Eine verheiratete Frau fragt schließlich auch niemand, wer der nächste Mann sein soll.“