Kultur

Preußenstiftung wehrt sich gegen Klage

Hermann Parzinger hält den Welfenschatz nicht für NS-Raubkunst

Das juristische Tauziehen um den Welfenschatz, der im Kunstgewerbemuseum zu sehen ist, geht in eine neue Runde: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wehrt sich in den USA gegen die mögliche Herausgabe der millionenschweren Goldschmiedesammlung. Sie hat beim zuständigen amerikanischen Gericht in Washington die Abweisung der Klage von Nachfahren jüdischer Kunsthändler beantragt. In den USA wird die Berliner Stiftung von der Kanzlei Wiggin und Dana vertreten.

Die Kläger, Erben des jüdischen Kunsthändlerkonsortiums, argumentieren, dass die Objekte unter dem Druck der Nationalsozialisten unter Wert verkaufen werden mussten. Darum sei das Geschäft widerrechtlich und nichtig. „Würde Deutschland etwas anderes behaupten, würde es noch 2015 Görings Plündereien ausdrücklich billigen“, heißt es in der Klage.

„Die Stiftung bekennt sich in Fällen von NS-Raubgut klar und deutlich zu fairen und gerechten Lösungen entsprechend den Washingtoner Prinzipien, das habe ich stets deutlich gemacht“, betonte Stiftungschef Hermann Parzinger am gestrigen Freitag. „Im Falle des Welfenschatzes sind wir allerdings nach intensiven Recherchen zu der Auffassung gekommen, dass es sich nicht um NS-Raubkunst handelt und eine Restitution nicht angemessen wäre.“ Daher ist er der Ansicht, dass diese Klage vor einem US-Gericht nicht begründet ist. Erstens sei das US-Gericht gar nicht zuständig. Zweitens seien die Kläger gar nicht klageberechtigt, weil sie nicht im Namen des damaligen Verkaufskonsortiums handeln könnten.

Der Welfenschatz ist legendär: Die Sammlung mittelalterlicher Goldreliquien aus dem Braunschweiger Dom wird auf einen Wert von 220 Millionen Euro geschätzt. Seit dem 17. Jahrhundert befand sie sich im Besitz der Welfenfamilie. Zu den herausragenden Exponaten gehören etwa das berühmte Welfenkreuz, der Eilbertus-Tragaltar und das Kuppelreliquiar. Der Schatz ist als national wertvolles Kulturgut eingestuft.

Nicht überrascht von der Vorgehensweise der Preußenstiftung ist der Marburger Rechtsanwalt Markus Stötzel, der deutsche Vertreter der US-Kläger. Es handele sich um eine ganz normale Klageerwiderung. „Zu bedauern ist jedoch“, sagte er gestern, „dass es sowohl die Stiftung wie auch die Bundesrepublik Deutschland bislang offensichtlich versäumt haben, auf die Klägerseite zuzugehen und nach Möglichkeiten für eine Lösung zu suchen.“

Seit sieben Jahren gibt es Streit um die aufwendigen Goldschmiedeexponate. Die von beiden Seiten angerufene „Limbach-Kommission“ hatte erst im vergangenen Jahr ihr Ergebnis vorgelegt: Es gibt keine Anhaltspunkte für einen „NS-verfolgungsbedingten Zwangsverkauf“. Der Schatz sei zu einem fairen Preis in das Eigentum des Kunstgewerbemuseums gelangt. Teilweise war die Kaufsumme mit Stücken aus Museumsbesitz beglichen worden. Doch schon 2014 lag die Vermutung nah, dass dies nicht das letzte Wort sein wird im Streit um den Welfenschatz.