Kultur

Lebende Legende: Theatermacher Dieter Dorn wird 80

Eine ganze Epoche des Münchner Theaterlebens trägt die Handschrift Dieter Dorns. 35 Jahre lang wirkte der Regisseur an den Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel und brachte die Klassiker ebenso auf die Bühne wie zeitgenössische Werke. Sein konservativer Regiestil ist legendär. Für die einen bedeute er Konsequenz, für die anderen Stagnation, konstatierte der Bayerische Rundfunk anlässlich Dorns Abschied vom Residenztheater im Jahr 2011. Am heutigen Sonnabend wird der Regisseur 80 – und bereitet sich gerade auf seine „La Traviata“-Premiere an der Staatsoper Berlin vor.

Die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Theaterlandschaft betrachtet Dorn mit Skepsis: Es gehe immer mehr in Richtung Eventtheater. Zudem ziele das Theater heute vor allem auf die jungen Leute ab. „Das Theater ist aber nicht unterzukriegen, es wird sich immer wieder aufrappeln“, sagte er. Den Grundstein für seine Karriere hatte Dorn in der DDR gelegt: In seiner Geburtsstadt Leipzig studierte er Theaterwissenschaft, ehe er 1956 das Land aus politischen Gründen verließ.

Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der Max-Reinhardt-Schule in West-Berlin. 1958 begann in Hannover Dorns langes Theaterleben als Dramaturg, Schauspieler und Regisseur. 1983 wurde er Intendant der städtischen Münchner Kammerspiele, 2001 wechselte er zum Bayerischen Staatsschauspiel. Mit seinem Abschied vom Residenztheater mit Kleists „Käthchen von Heilbronn“ 2011 endete Dorns große Ära als Theaterzauberer in München. Eine Ära, über die die „Süddeutsche“ schrieb: „Dorns Theater hatte immer etwas von einer Kirche, in der man den Schmutz der Welt fernhielt und tatsächlich noch an das Gute glaubte.“