Kultur

Zerstörung, Brandschatzung, Verwüstung

Heinz Helle beweist: Nach der Apokalypse wird das Leben auch nicht besser

„Wenn es zu kalt ist zum Hinlegen, abends, bleiben wir stehen. Wir stehen eng beieinander, Rücken an Rücken, Seite an Bauch. Wir drehen uns langsam weiter im Verlauf der Nacht, jeder darf einmal in der Mitte stehen, jeder muss ab und zu an den Rand.“ Auch früher haben die fünf Freunde so dicht beieinander gestanden, „früher, in der U-Bahn, im Feierabendverkehr“. Doch das war in einer anderen Zeit.

Jetzt brauchen sie die gegenseitige Wärme zum Überleben, denn auf der Welt haben sie nur noch sich. Es ist eine finstere Welt, in die sich die Männer plötzlich hineingeworfen sehen, eine Welt der Zerstörung, Brandschatzung und Verwüstung. Warum und wieso, das wird nirgendwo erklärt. Irgendetwas Schreckliches muss passiert sein, während sie für ein entspanntes Wochenende auf einer Berghütte weilten.

Als die Freunde den Berg wieder verlassen, stoßen sie auf erste düstere Vorboten, dann auf ein abgebranntes Dorf: „Auch hier sind alle Fenster verrammelt, die Türen verschlossen, wir treffen keinen Menschen und finden keinen Hinweis auf den Verbleib der Bewohner.“

Heinz Helles zweites Buch „Eigentlich müssten wir tanzen“, das auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, gehört zu den postapokalyptischen Romanen im Stil von Cormac McCarthy („Die Straße“) und Thomas Glavinic („Die Arbeit der Nacht“).

Die Freunde erinnern sich an ihr früheres Leben. Sie arbeiteten als Architekten, Piloten oder Mikrobiologen, sie gingen schon zusammen zur Schule, feierten Partys und klauten im Jugendzentrum Feuerlöscher. Diese wilden Zeiten sind lange vorbei, „so lustig wie früher würde es ja eh nicht werden“, stellt der Icherzähler schon auf der Hinreise fest.

Jetzt kämpfen sie gemeinsam ums nackte Überleben, diese Gemeinsamkeit gibt ihnen allein noch so etwas wie Sinn. Die Reduzierung des Lebens auf ein bloßes „Noch-da-Sein“ führt zu unerwarteten Verhaltensweisen: Die Männer vergewaltigen nacheinander eine Frau, ein noch lebendes kleines Kind, das sie neben seinen erschlagenen Eltern auffinden, lassen sie ohne Mitgefühl liegen. Als sich später einer der Freunde auf dem Marsch einen Fuß bricht, fügt man sich ins Unvermeidliche: Der Verletzte wird stillschweigend am Wege liegen gelassen. Immerhin darf er mit dem Blick auf die Berge sterben.