Kultur

Psychiatrische Experimente und Koffer voll Geld

Ulrich Wickert schreibt seinen sechsten Roman

Untersuchungsrichter Jacques Ricou hat schon so einiges mitgemacht. Er musste in der Wüste und auf Karibikinseln ermitteln, bekam es mit Drogenbanden zu tun, musste das komplizierte Geflecht der Korruption entwirren, legte sich mit Ölkonzernen an. Derart in Bedrängnis geraten wie in seinem aktuellen Fall „Das Schloss in der Normandie“ aber ist der Pariser Richter noch nie.

Dabei fängt alles recht harmlos an in Ulrich Wickerts sechstem Roman mit Jacques Ricou. Eine Nichtregierungsorganisation strebt eine Klage gegen den Staatspräsidenten von Äquatorialguinea an. Es geht um Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Richter Ricou, kompromissloser Kämpfer für Gerechtigkeit, nimmt die Klage an. Und tritt damit eine politische Lawine los, unter der er droht begraben zu werden.

Kurz bevor der Richter die Klage zugelassen hat sind zwei Frauen aus einer psychiatrischen Anstalt geflohen. Dort, hinter den dicken Mauern eines Schlosses in der Normandie, herrschen menschenunwürdige Bedingungen. Ein hoch angesehener Professor betreibt psychiatrische Experimente in der Grauzone der medizinischen Forschung. Die kanadische Polizistin Tracy und eine Prostituierte aus Togo, beide aus fadenscheinigen Gründen in der Klinik untergebracht, waren Opfer dieser Experimente. Bis ihnen die Flucht gelang.

Ein schillernder, ungemein plastisch erzählter Kriminalroman

Als sich herumspricht, dass Richter Ricou die Klage angenommen hat, scharen sie sich zusammen, die Frauenhändler, politischen Zöglinge, geldgeilen Anwälte. Ihre Schar ist groß und einflussreich, wie Ricou feststellen muss. Die Fäden, die gesponnen werden, reichen bis in den französischen Präsidentenpalast und ins Justizministerium. Das Unterfangen verfolgt nur ein Ziel: Ricou aus dem Weg zu räumen.

Als die geflohene Afrikanerin ermordet aufgefunden wird, gerät der wackere Ricou in Bedrängnis. Erst als seine Freundin, die Journalistin Margaux, einen Plan entwickelt, scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Doch Margaux’ Plan hat einen Haken: Er gefährdet ihr eigenes Leben stärker als sie denkt.

Ulrich Wickert erweist sich erneut als aufklärerischer Autor: Koffer voll Geld haben sich Politiker jeglicher Couleur bei Despoten vom Schwarzen Kontinent geholt. Das führt zu fatalen gegenseitigen Abhängigkeiten. Ein schillernder Stoff für einen Kriminalroman. Ulrich Wickert hat ihm ungemein plastisch Gestalt verliehen.

Ulrich Wickert: Das Schloss in der Normandie. Ein Fall für Jacques Ricou. Hoffmann und Campe, 320 S., 22 Euro