Kultur

Kinderopernhaus Lichtenberg spielt Kaufrausch

Kaufsüchtige fallen über die Grabbeltische her. Weiße Knöpfe, Blusen und die große Liebe finden sich im Kaufhaus. Das Kinderopernhaus Lichtenberg begibt sich mit „Es liegt in der Luft“ in die bunte Welt des Konsumtempels.

Mischa Spolianskys Warenhaus-Revue stammt aus dem Jahr 1928. Damals waren Kaufhäuser noch etwas Neues und Aufregendes, und diese quirlige Stimmung trifft die Premiere in der Schiller Theater Werkstatt großartig: 50 Kinder singen, wuseln, toben.

Das Kinderopernhaus ist ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt der Caritas und der Staatsoper. Die Sozialpädagogin Regina Lux-Hahn hat es 2009 ins Leben gerufen. Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren proben für ihre jährliche Opernproduktion im Jugendfreizeitzentrum Steinhaus.

In Lichtenberg gibt es viele soziale Probleme. Die meisten jungen Darsteller haben vorher noch nie etwas mit dem Thema Oper zu tun gehabt. Im Kinderopernhaus kommen sie spielerisch mit Kultur in Berührung. Das geht mit der Oper besonders gut, weil sie Musik, Spiel und Tanz vereint. Wie gut das dem Selbstbewusstsein und der Ausstrahlung der Kinder tut, kann man bei der Aufführung sehen. Wie bei Bolle haben auch bei Spoliansky die Eltern mitten im Gewühl ihre Jüngsten vergessen. Peter und Petersilie wachsen deshalb im Warenhaus auf, erst im Fundbüro, dann in der Babyabteilung und schließlich bei der Kinderbekleidung. Sie arbeiten als „Reklamekinder“ und klären gemeinsam mit anderen Kindern einen Diebstahl auf.

Im Kinderopernhaus gibt es kein Casting. Manche können ein Rad schlagen, andere ausdruckvoll tanzen oder ein Instrument spielen. Es gibt auch Pantomimen und Geräuschemacher. Jedes Lichtenberger Kind wird nach seinen Möglichkeiten in die Produktion integriert. Erstaunlich, wie gut das gelingt. Es gibt sogar eine richtige Kinderband. Die meisten Songs begleiten Musiker aus der Staatskapelle. Adriane Queiroz mit Pelz und High Heels in der Parfümabteilung und Gyula Orendt als „Flüsternder Bariton“ sind eine Wucht. Die Mischung aus kleinen und großen Stimmen, Temperament und Spielroutine entfaltet an diesem Abend viel Charme.