Konzert in Berlin

Mit dem Banjo auf dem Knie - „Bear’s Den“ im Kesselhaus

Noch im Juli sah man die Londoner auf der Waldbühne als Vorband von „Mumford and Sons“. Nun spielten sie im ausverkauften Kesselhaus.

„Bear’s Den“ waren bisher hauptsächlich als Vorband unterwegs

„Bear’s Den“ waren bisher hauptsächlich als Vorband unterwegs

Foto: Promo

Zwei Banjos und eine Akustikgitarre, mehr braucht es am Sonntag Abend nicht, um das Publikum im ausverkauften Kesselhaus knien zu lassen. Denn die Londoner Indie-Musiker „Bear’s Den“ mögen’s intim und spielen auch mal einen Song mitten im Saal. Mehrstimmig, unplugged und mit geschlossenen Augen. Da kniet man sich nicht nur solidarisch zur besseren Sicht bis in die letzte Reihe hin - es ist gar so leise, dass man seinen Nebenmann schnaufen hören kann.

„Bear’s Den“, die bisher hauptsächlich als Vorband zu sehen waren, spielen mit ihrem bisher eher kleinen Repertoire ein Konzert, das Spaß macht, weil es so persönlich ist. Weil sie sich nicht scheuen, mit ihren Gitarren in der Menge zu spielen. Weil sie mal eine lustige Anekdote aus dem Tourbus erzählen. Weil man ihnen wirklich anmerkt, dass sie selbst noch ganz glücklich darüber sind, nun eine Halle allein mit ihrer Musik zu füllen.

Noch im Juli sah man die drei Londoner auf der Waldbühne als Vorband von „Mumford and Sons“. Es ist wohl auch kein Zufall, dass der Sound gelegentlich sehr ähnlich klingt. Mit dem Mix aus Folk-, Pop- und Indie-Elementen versuchen die Jungs, dieses Mal ihr eigener Headliner zu sein. Das gelingt dem Trio anscheinend so gut, dass das Konzert wegen zu großer Nachfrage aus dem Lido ins Kesselhaus verlegt werden musste.

„Bear’s Den“ tun sich vor drei Jahren zusammen. Zwar nicht in der Bärenhöhle, was ihr Bandname übersetzt bedeutet, sondern in der alternativen Musikszene Londons. Schlagzeuger Kevin Jones gründet das Label „communion records“, produziert musikalisch verwandte Künstler wie Ben Howard oder Daughter, bis er sich mit der Band selbst ans Musikmachen setzt. 2013 folgt die erste EP, vor einem Jahr dann das Debütalbum „Islands“.

Lange Zugabe

Nicht nur äußerlich sind die Drei sich sehr ähnlich - alle tragen ein kleines Bäuchlein und einen Bart, der zu ihrem Markenzeichen avanciert ist -, auch musikalisch nehmen sie sich nichts: Banjos, Gitarren und Schlagzeug werden während des Konzerts getauscht, Refrains der Lieder singt nicht nur Sänger Andrew Davie, sondern alle drei, manchmal auch mehrstimmig. Das geht unter die Haut. Besonders, wenn die Trompeten der zwei Background-Musiker zu den unplugged Versionen spielen. „Bear’s Den“ beginnen eher leise und betont folkloristisch, werden aber nach und nach immer rockiger. Da wird das Banjo dann auch mal gegen den E-Bass eingetauscht.

Dem Publikum gefällt’s. Besonders bei den Songs der ersten EPs, wie dem tragenden „Sahara“ oder dem country-ähnlichen „Don’t let the sun steal you away“, setzen die Zuschauer mit ein. Davon zeigen sich die Briten berührt. Es sind diese kleinen Momente, die viel über die Band verraten. Wenn sie ihre Karo-Hemden nass schwitzen, statt Wasser mit Berliner Kindl anstoßen und sich verschwörerisch zulächeln.

Wenn sie vor Konzentration das Gesicht verreißen, wie Gitarrist Joey Haynes, dann ist das herrlich authentisch. „Bear’s Den“ hören ihre Musik einfach selbst gern, und das merkt man. Die Zugabe fällt lang aus und endet in ihrem ersten Lied „Agape“. Es handelt davon, dass man sich manchmal so an jemanden gewöhnt, dass man nicht mehr weiß, wer man ohne ist.