Kultur

Ist das hier das Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad?Kopftuchstreit im KlassenzimmerKopftuchstreit im KlassenzimmerKopftuchstreit im Klassenzimmer

Das ZDF-Drama „Die Neue“ erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas ZDF-Drama „Die Neue“ erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas ZDF-Drama „Die Neue“ erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas ZDF-Drama „Die Neue“ erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der ToleranzDas sehenswerte ZDF-Drama „Die Neue“ von Buket Alakus erzählt von Religionsfreiheit und den Grenzen der Toleranz

Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich. Die neue Schülerin trägt ein Kopftuch. Sie weigert sich, das Pult mit einem Mitschüler zu teilen. Sportunterricht boykottiert sie, weil sie sich nicht in kurzer Hose und Hemdchen zeigen will. Mit Svedas Auftreten weicht der Schulfrieden an dem gutbürgerlichen Gymnasium nach wenigem Tagen einem wilden Gefühlsdurcheinander. Aus träge-gelangweilten Schülern, die sich durch den „Faust“ quälen, werden rebellierende junge Menschen auf der Suche nach Identität und Gerechtigkeit.

Sevda (Ava Celik) begegnen sie anfangs mit lauter Verachtung („Wo kommt die denn her? Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad“?) oder leisem Naserümpfen. Nur Deutschlehrerin Eva Arendt, gespielt von Iris Berben, versucht, die junge Frau und ihre Wut auf die Gesellschaft ernst zu nehmen. Was ihr alles andere als leicht fällt, schließlich ist sie überzeugte Fürsprecherin der Schule als säkularer Raum. Anders gesagt: Religion ist für sie Privatsache; Bibeln und Kopftücher haben nach ihrer Überzeugung im Klassenzimmer nichts verloren.

Das Drama „Die Neue“ der deutsch-türkischen Regisseurin Buket Alakus – aufgewachsen in Hamburg, ausgebildet im Filmstudiengang bei Hark Bohm – setzt sich mit Religionsfreiheit und Toleranzgrenzen auseinander. In die aktuelle Diskussion um Integration und Willkommenkultur fügt sich der Film passender als manch Politiker-Kommentar. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wie kommen wir trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung gemeinsam klar? Mit diesen großen Fragen beschäftigt sich Regisseurin Alakus von Beginn an in ihren Filmen. In „Eine andere Liga“ erzählte sie von einem jungen Mädchen, das an Brustkrebs erkrankt und dennoch ihren Traum von einer Fußballkarriere verwirklichen will. In der Kinokomödie „Einmal Hans mit scharfer Soße“ war eine Hochzeit Anlass für die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Immer sind es so genannte starke Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Frauen also, die für ihre Selbstverwirklichung kämpfen und sich nicht von Traditionen und Vorschriften erdrücken lassen.

Das gilt auch für Schülerin und Lehrerin in „Die Neue“. Sevda besteht darauf, als Muslima in der Schule ihre Religion ausüben zu dürfen. Sie möchte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wie sie ist. Lehrerin Arendt dagegen ist stolz auf die demokratische Streitkultur, die sie ihren Schülern predigt. Bei Sevda stößt sie an ihre Grenzen. Ihre Maxime „Verstehen statt verbieten“ läuft ins Leere. Es vergeht nur kurze Zeit, bis andere Schülerinnen verschleiert im Unterricht erscheinen.

„Das Kopftuch ist ja nicht einfach nur eine beliebige Kopfbedeckung. Es symbolisiert einerseits die Unterdrückung der Frau und erzählt insgesamt viel über Frausein, Emanzipation und Selbstverständnis“, sagt Regisseurin Alakus. Und weiter: „Ich bin selbst ein Einwanderkind, habe aber niemals ein Kopftuch getragen. In einer Kultur aufzuwachsen, in der traditionell eine Burka getragen wird, wäre für mich schrecklich gewesen. Ich verbinde damit etwas Beängstigendes; es hat so wenig mit Menschsein zu tun.“

Interessant wird das Duell der Hauptfiguren vor allem dadurch, dass die beiden Frauen nicht so verschieden sind, wie sie glauben. Auch Eva Arendt lotet ihr seelisches Gleichgewicht aus. Sie hat ihre Mutter verloren, ihren Vater niemals kennengelernt. Mit dem Direktor des Gymnasiums (Hans-Jochen Wagner), verheirateter Familienvater, hat sie eine leidenschaftliche Affäre ohne Aussicht auf Zukunft. Sevda wiederum stammt aus einer bestens integrierten Vorzeigefamilie; ihre Mutter schämt sich für die offensive Religiosität ihrer Tochter. Sevda und Eva sind Einzelkämpferinnen. Das unbequeme In-Frage-Stellen der eigenen Existenz und Herkunft macht sie einsam.

Wenn man so will, ist „Die Neue“ das ernste Gegenstück zur Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“. Was dort in schrillen Scheingefechten auf Pointe erzählt wird, verhandelt das ZDF-Drama mit kritischer Haltung. Ist die Toleranzgrenze beim klamaukigen „Fack ju Göhte“ eher eine geschmackliche, bestimmt die Verschiebung des Toleranzbegriffs den gesamten Inhalt von „Die Neue“. „Toleranz sollte mehr sein als nur eine vorübergehende Gesinnung“, bringt es Eva Arendt einmal auf den Punkt. Iris Berben ist auch wegen ihres differenzierten Ausdrucks der widersprüchlichsten Gefühle eine so gute Wahl für diese Rolle. Die junge Ava Celik überzeugt als Rebellin mit ernstem Blick und einer stolzen Körperhaltung, die keinen Widerspruch duldet.

Auf die Frage, welche Spielregeln fürs Zusammenleben eingehalten werden müssen, findet der Film keine eindeutigen, pauschal gültigen Antworten. Aber dass es Spielregeln geben muss, daran lassen die Macher keinen Zweifel. Das Ende des 90-Minüters mag dem Gebot nach einer heiler Fernsehwelt huldigen, aber die Botschaft, dass Menschen es gemeinsam schaffen können, ist ja keine ausgestellte Kulturromantik. Sondern gelebtes Leben. Regisseurin Alakus fasst die Aussage des Films so zusammen: „Lasst es uns zusammen anpacken! Nur so können wir es schaffen!“ Karolin Jacequemain

„Die Neue“, heute, 20.15 Uhr, ZDF

Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich. Die neue Schülerin trägt ein Kopftuch. Sie weigert sich, das Pult mit einem Mitschüler zu teilen. Sportunterricht boykottiert sie, weil sie sich nicht in kurzer Hose und Hemdchen zeigen will. Mit Svedas Auftreten weicht der Schulfrieden an dem gutbürgerlichen Gymnasium nach wenigem Tagen einem wilden Gefühlsdurcheinander. Aus träge-gelangweilten Schülern, die sich durch den „Faust“ quälen, werden rebellierende junge Menschen auf der Suche nach Identität und Gerechtigkeit.

Sevda (Ava Celik) begegnen sie anfangs mit lauter Verachtung („Wo kommt die denn her? Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad“?) oder leisem Naserümpfen. Nur Deutschlehrerin Eva Arendt, gespielt von Iris Berben, versucht, die junge Frau und ihre Wut auf die Gesellschaft ernst zu nehmen. Was ihr alles andere als leicht fällt, schließlich ist sie überzeugte Fürsprecherin der Schule als säkularer Raum. Anders gesagt: Religion ist für sie Privatsache; Bibeln und Kopftücher haben nach ihrer Überzeugung im Klassenzimmer nichts verloren.

Das Drama „Die Neue“ der deutsch-türkischen Regisseurin Buket Alakus setzt sich mit Religionsfreiheit und Toleranzgrenzen auseinander. In die Diskussion um Integration und Willkommenkultur fügt sich der Film passender als manch Politiker-Kommentar. Wer sind wir? Und wie kommen wir trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung gemeinsam klar? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Regisseurin Alakus von Beginn an in ihren Filmen. In „Eine andere Liga“ erzählte sie von einem jungen Mädchen, das an Brustkrebs erkrankt und dennoch ihren Traum von einer Fußballkarriere verwirklichen will. In der Kinokomödie „Einmal Hans mit scharfer Soße“ war eine Hochzeit Anlass für die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Immer sind es sogenannte starke Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Frauen also, die für ihre Selbstverwirklichung kämpfen und sich nicht von Traditionen und Vorschriften erdrücken lassen.

Das gilt auch für Schülerin und Lehrerin in „Die Neue“. Sevda besteht darauf, als Muslima in der Schule ihre Religion ausüben zu dürfen. Sie möchte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wie sie ist. Lehrerin Arendt dagegen ist stolz auf die demokratische Streitkultur, die sie ihren Schülern predigt. Bei Sevda stößt sie an ihre Grenzen. Ihre Maxime „Verstehen statt verbieten“ läuft ins Leere. Es vergeht nur kurze Zeit, bis andere Schülerinnen verschleiert im Unterricht erscheinen.

„Das Kopftuch ist ja nicht einfach nur eine beliebige Kopfbedeckung. Es symbolisiert einerseits die Unterdrückung der Frau und erzählt insgesamt viel über Frausein, Emanzipation und Selbstverständnis“, sagt Regisseurin Alakus. Und weiter: „Ich bin selbst ein Einwandererkind, habe aber niemals ein Kopftuch getragen. In einer Kultur aufzuwachsen, in der traditionell eine Burka getragen wird, wäre für mich schrecklich gewesen.“

Interessant wird das Duell der Hauptfiguren vor allem dadurch, dass die beiden Frauen nicht so verschieden sind, wie sie glauben. Auch Eva Arendt lotet ihr seelisches Gleichgewicht aus. Sie hat ihre Mutter verloren, ihren Vater niemals kennengelernt. Mit dem Direktor des Gymnasiums (Hans-Jochen Wagner), verheirateter Familienvater, hat sie eine leidenschaftliche Affäre ohne Aussicht auf Zukunft. Sevda wiederum stammt aus einer bestens integrierten Vorzeigefamilie, ihre Mutter schämt sich für die offensive Religiosität ihrer Tochter. Sevda und Eva sind Einzelkämpferinnen. Wenn man so will, ist „Die Neue“ das ernste Gegenstück zur Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“. Was dort in schrillen Scheingefechten auf Pointe erzählt wird, verhandelt das ZDF-Drama mit kritischer Haltung.

„Die Neue“, heute, 20.15 Uhr, ZDF

Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich. Die neue Schülerin trägt ein Kopftuch. Sie weigert sich, das Pult mit einem Mitschüler zu teilen. Sportunterricht boykottiert sie, weil sie sich nicht in kurzer Hose und Hemdchen zeigen will. Mit Svedas Auftreten weicht der Schulfrieden an dem gutbürgerlichen Gymnasium nach wenigem Tagen einem wilden Gefühlsdurcheinander. Aus träge-gelangweilten Schülern, die sich durch den „Faust“ quälen, werden rebellierende junge Menschen auf der Suche nach Identität und Gerechtigkeit.

Sevda (Ava Celik) begegnen sie anfangs mit lauter Verachtung („Wo kommt die denn her? Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad“?) oder leisem Naserümpfen. Nur Deutschlehrerin Eva Arendt, gespielt von Iris Berben, versucht, die junge Frau und ihre Wut auf die Gesellschaft ernst zu nehmen. Was ihr alles andere als leicht fällt, schließlich ist sie überzeugte Fürsprecherin der Schule als säkularer Raum. Anders gesagt: Religion ist für sie Privatsache; Bibeln und Kopftücher haben nach ihrer Überzeugung im Klassenzimmer nichts verloren.

Das Drama „Die Neue“ der deutsch-türkischen Regisseurin Buket Alakus – aufgewachsen in Hamburg, ausgebildet im Filmstudiengang bei Hark Bohm – setzt sich mit Religionsfreiheit und Toleranzgrenzen auseinander. In die aktuelle Diskussion um Integration und Willkommenkultur fügt sich der Film passender als manch Politiker-Kommentar. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wie kommen wir trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung gemeinsam klar? Mit diesen großen Fragen beschäftigt sich Regisseurin Alakus von Beginn an in ihren Filmen. In „Eine andere Liga“ erzählte sie von einem jungen Mädchen, das an Brustkrebs erkrankt und dennoch ihren Traum von einer Fußballkarriere verwirklichen will. In der Kinokomödie „Einmal Hans mit scharfer Soße“ war eine Hochzeit Anlass für die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Immer sind es so genannte starke Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Frauen also, die für ihre Selbstverwirklichung kämpfen und sich nicht von Traditionen und Vorschriften erdrücken lassen.

Das gilt auch für Schülerin und Lehrerin in „Die Neue“. Sevda besteht darauf, als Muslima in der Schule ihre Religion ausüben zu dürfen. Sie möchte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wie sie ist. Lehrerin Arendt dagegen ist stolz auf die demokratische Streitkultur, die sie ihren Schülern predigt. Bei Sevda stößt sie an ihre Grenzen. Ihre Maxime „Verstehen statt verbieten“ läuft ins Leere. Es vergeht nur kurze Zeit, bis andere Schülerinnen verschleiert im Unterricht erscheinen.

„Das Kopftuch ist ja nicht einfach nur eine beliebige Kopfbedeckung. Es symbolisiert einerseits die Unterdrückung der Frau und erzählt insgesamt viel über Frausein, Emanzipation und Selbstverständnis“, sagt Regisseurin Alakus. Und weiter: „Ich bin selbst ein Einwanderkind, habe aber niemals ein Kopftuch getragen. In einer Kultur aufzuwachsen, in der traditionell eine Burka getragen wird, wäre für mich schrecklich gewesen. Ich verbinde damit etwas Beängstigendes; es hat so wenig mit Menschsein zu tun.“

Interessant wird das Duell der Hauptfiguren vor allem dadurch, dass die beiden Frauen nicht so verschieden sind, wie sie glauben. Auch Eva Arendt lotet ihr seelisches Gleichgewicht aus. Sie hat ihre Mutter verloren, ihren Vater niemals kennengelernt. Mit dem Direktor des Gymnasiums (Hans-Jochen Wagner), verheirateter Familienvater, hat sie eine leidenschaftliche Affäre ohne Aussicht auf Zukunft. Sevda wiederum stammt aus einer bestens integrierten Vorzeigefamilie; ihre Mutter schämt sich für die offensive Religiosität ihrer Tochter. Sevda und Eva sind Einzelkämpferinnen. Das unbequeme In-Frage-Stellen der eigenen Existenz und Herkunft macht sie einsam.

Wenn man so will, ist „Die Neue“ das ernste Gegenstück zur Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“. Was dort in schrillen Scheingefechten auf Pointe erzählt wird, verhandelt das ZDF-Drama mit kritischer Haltung. Ist die Toleranzgrenze beim klamaukigen „Fack ju Göhte“ eher eine geschmackliche, bestimmt die Verschiebung des Toleranzbegriffs den gesamten Inhalt von „Die Neue“. „Toleranz sollte mehr sein als nur eine vorübergehende Gesinnung“, bringt es Eva Arendt einmal auf den Punkt. Iris Berben ist auch wegen ihres differenzierten Ausdrucks der widersprüchlichsten Gefühle eine so gute Wahl für diese Rolle. Die junge Ava Celik überzeugt als Rebellin mit ernstem Blick und einer stolzen Körperhaltung, die keinen Widerspruch duldet.

Auf die Frage, welche Spielregeln fürs Zusammenleben eingehalten werden müssen, findet der Film keine eindeutigen, pauschal gültigen Antworten. Aber dass es Spielregeln geben muss, daran lassen die Macher keinen Zweifel. Das Ende des 90-Minüters mag dem Gebot nach einer heiler Fernsehwelt huldigen, aber die Botschaft, dass Menschen es gemeinsam schaffen können, ist ja keine ausgestellte Kulturromantik. Sondern gelebtes Leben. Regisseurin Alakus fasst die Aussage des Films so zusammen: „Lasst es uns zusammen anpacken! Nur so können wir es schaffen!“

„Die Neue“ heute, 20.15 Uhr, ZDF

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Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich. Die neue Schülerin trägt ein Kopftuch. Sie weigert sich, das Pult mit einem Mitschüler zu teilen. Sportunterricht boykottiert sie, weil sie sich nicht in kurzer Hose und Hemdchen zeigen will. Mit Svedas Auftreten weicht der Schulfrieden an dem gutbürgerlichen Gymnasium nach wenigem Tagen einem wilden Gefühlsdurcheinander. Aus träge-gelangweilten Schülern, die sich durch den „Faust“ quälen, werden rebellierende junge Menschen auf der Suche nach Identität und Gerechtigkeit.

Sevda (Ava Celik) begegnen sie anfangs mit lauter Verachtung („Wo kommt die denn her? Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad“?) oder leisem Naserümpfen. Nur Deutschlehrerin Eva Arendt, gespielt von Iris Berben, versucht, die junge Frau und ihre Wut auf die Gesellschaft ernst zu nehmen. Was ihr alles andere als leicht fällt, schließlich ist sie überzeugte Fürsprecherin der Schule als säkularer Raum. Anders gesagt: Religion ist für sie Privatsache; Bibeln und Kopftücher haben nach ihrer Überzeugung im Klassenzimmer nichts verloren.

Das Drama „Die Neue“ der deutsch-türkischen Regisseurin Buket Alakus – aufgewachsen in Hamburg, ausgebildet im Filmstudiengang bei Hark Bohm – setzt sich mit Religionsfreiheit und Toleranzgrenzen auseinander. In die aktuelle Diskussion um Integration und Willkommenkultur fügt sich der Film passender als manch Politiker-Kommentar. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wie kommen wir trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung gemeinsam klar? Mit diesen großen Fragen beschäftigt sich Regisseurin Alakus von Beginn an in ihren Filmen. In „Eine andere Liga“ erzählte sie von einem jungen Mädchen, das an Brustkrebs erkrankt und dennoch ihren Traum von einer Fußballkarriere verwirklichen will. In der Kinokomödie „Einmal Hans mit scharfer Soße“ war eine Hochzeit Anlass für die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Immer sind es so genannte starke Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Frauen also, die für ihre Selbstverwirklichung kämpfen und sich nicht von Traditionen und Vorschriften erdrücken lassen.

Das gilt auch für Schülerin und Lehrerin in „Die Neue“. Sevda besteht darauf, als Muslima in der Schule ihre Religion ausüben zu dürfen. Sie möchte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wie sie ist. Lehrerin Arendt dagegen ist stolz auf die demokratische Streitkultur, die sie ihren Schülern predigt. Bei Sevda stößt sie an ihre Grenzen. Ihre Maxime „Verstehen statt verbieten“ läuft ins Leere. Es vergeht nur kurze Zeit, bis andere Schülerinnen verschleiert im Unterricht erscheinen.

„Das Kopftuch ist ja nicht einfach nur eine beliebige Kopfbedeckung. Es symbolisiert einerseits die Unterdrückung der Frau und erzählt insgesamt viel über Frausein, Emanzipation und Selbstverständnis“, sagt Regisseurin Alakus. Und weiter: „Ich bin selbst ein Einwanderkind, habe aber niemals ein Kopftuch getragen. In einer Kultur aufzuwachsen, in der traditionell eine Burka getragen wird, wäre für mich schrecklich gewesen. Ich verbinde damit etwas Beängstigendes; es hat so wenig mit Menschsein zu tun.“

Interessant wird das Duell der Hauptfiguren vor allem dadurch, dass die beiden Frauen nicht so verschieden sind, wie sie glauben. Auch Eva Arendt lotet ihr seelisches Gleichgewicht aus. Sie hat ihre Mutter verloren, ihren Vater niemals kennengelernt. Mit dem Direktor des Gymnasiums (Hans-Jochen Wagner), verheirateter Familienvater, hat sie eine leidenschaftliche Affäre ohne Aussicht auf Zukunft. Sevda wiederum stammt aus einer bestens integrierten Vorzeigefamilie; ihre Mutter schämt sich für die offensive Religiosität ihrer Tochter. Sevda und Eva sind Einzelkämpferinnen. Das unbequeme In-Frage-Stellen der eigenen Existenz und Herkunft macht sie einsam.

Wenn man so will, ist „Die Neue“ das ernste Gegenstück zur Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“. Was dort in schrillen Scheingefechten auf Pointe erzählt wird, verhandelt das ZDF-Drama mit kritischer Haltung. Ist die Toleranzgrenze beim klamaukigen „Fack ju Göhte“ eher eine geschmackliche, bestimmt die Verschiebung des Toleranzbegriffs den gesamten Inhalt von „Die Neue“. „Toleranz sollte mehr sein als nur eine vorübergehende Gesinnung“, bringt es Eva Arendt einmal auf den Punkt. Iris Berben ist auch wegen ihres differenzierten Ausdrucks der widersprüchlichsten Gefühle eine so gute Wahl für diese Rolle. Die junge Ava Celik überzeugt als Rebellin mit ernstem Blick und einer stolzen Körperhaltung, die keinen Widerspruch duldet.

Auf die Frage, welche Spielregeln fürs Zusammenleben eingehalten werden müssen, findet der Film keine eindeutigen, pauschal gültigen Antworten. Aber dass es Spielregeln geben muss, daran lassen die Macher keinen Zweifel. Das Ende des 90-Minüters mag dem Gebot nach einer heiler Fernsehwelt huldigen, aber die Botschaft, dass Menschen es gemeinsam schaffen können, ist ja keine ausgestellte Kulturromantik. Sondern gelebtes Leben. Regisseurin Alakus fasst die Aussage des Films so zusammen: „Lasst es uns zusammen anpacken! Nur so können wir es schaffen!“

„Die Neue“ heute, 20.15 Uhr, ZDF

Normaler Unterricht ist nicht mehr möglich. Die neue Schülerin trägt ein Kopftuch. Sie weigert sich, das Pult mit einem Mitschüler zu teilen. Sportunterricht boykottiert sie, weil sie sich nicht in kurzer Hose und Hemdchen zeigen will. Mit Svedas Auftreten weicht der Schulfrieden an dem gutbürgerlichen Gymnasium nach wenigem Tagen einem wilden Gefühlsdurcheinander. Aus träge-gelangweilten Schülern, die sich durch den „Faust“ quälen, werden rebellierende junge Menschen auf der Suche nach Identität und Gerechtigkeit.

Sevda (Ava Celik) begegnen sie anfangs mit lauter Verachtung („Wo kommt die denn her? Osama-bin-Laden-Gymnasium in Bagdad“?) oder leisem Naserümpfen. Nur Deutschlehrerin Eva Arendt, gespielt von Iris Berben, versucht, die junge Frau und ihre Wut auf die Gesellschaft ernst zu nehmen. Was ihr alles andere als leicht fällt, schließlich ist sie überzeugte Fürsprecherin der Schule als säkularer Raum. Anders gesagt: Religion ist für sie Privatsache; Bibeln und Kopftücher haben nach ihrer Überzeugung im Klassenzimmer nichts verloren.

Das Drama „Die Neue“ der deutsch-türkischen Regisseurin Buket Alakus – aufgewachsen in Hamburg, ausgebildet im Filmstudiengang bei Hark Bohm – setzt sich mit Religionsfreiheit und Toleranzgrenzen auseinander. In die aktuelle Diskussion um Integration und Willkommenkultur fügt sich der Film passender als manch Politiker-Kommentar. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wie kommen wir trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung gemeinsam klar? Mit diesen großen Fragen beschäftigt sich Regisseurin Alakus von Beginn an in ihren Filmen. In „Eine andere Liga“ erzählte sie von einem jungen Mädchen, das an Brustkrebs erkrankt und dennoch ihren Traum von einer Fußballkarriere verwirklichen will. In der Kinokomödie „Einmal Hans mit scharfer Soße“ war eine Hochzeit Anlass für die Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Immer sind es so genannte starke Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Frauen also, die für ihre Selbstverwirklichung kämpfen und sich nicht von Traditionen und Vorschriften erdrücken lassen.

Das gilt auch für Schülerin und Lehrerin in „Die Neue“. Sevda besteht darauf, als Muslima in der Schule ihre Religion ausüben zu dürfen. Sie möchte von der Gesellschaft akzeptiert werden, wie sie ist. Lehrerin Arendt dagegen ist stolz auf die demokratische Streitkultur, die sie ihren Schülern predigt. Bei Sevda stößt sie an ihre Grenzen. Ihre Maxime „Verstehen statt verbieten“ läuft ins Leere. Es vergeht nur kurze Zeit, bis andere Schülerinnen verschleiert im Unterricht erscheinen.

„Das Kopftuch ist ja nicht einfach nur eine beliebige Kopfbedeckung. Es symbolisiert einerseits die Unterdrückung der Frau und erzählt insgesamt viel über Frausein, Emanzipation und Selbstverständnis“, sagt Regisseurin Alakus. Und weiter: „Ich bin selbst ein Einwanderkind, habe aber niemals ein Kopftuch getragen. In einer Kultur aufzuwachsen, in der traditionell eine Burka getragen wird, wäre für mich schrecklich gewesen. Ich verbinde damit etwas Beängstigendes; es hat so wenig mit Menschsein zu tun.“

Interessant wird das Duell der Hauptfiguren vor allem dadurch, dass die beiden Frauen nicht so verschieden sind, wie sie glauben. Auch Eva Arendt lotet ihr seelisches Gleichgewicht aus. Sie hat ihre Mutter verloren, ihren Vater niemals kennengelernt. Mit dem Direktor des Gymnasiums (Hans-Jochen Wagner), verheirateter Familienvater, hat sie eine leidenschaftliche Affäre ohne Aussicht auf Zukunft. Sevda wiederum stammt aus einer bestens integrierten Vorzeigefamilie; ihre Mutter schämt sich für die offensive Religiosität ihrer Tochter. Sevda und Eva sind Einzelkämpferinnen. Das unbequeme In-Frage-Stellen der eigenen Existenz und Herkunft macht sie einsam.

Wenn man so will, ist „Die Neue“ das ernste Gegenstück zur Erfolgskomödie „Fack ju Göhte“. Was dort in schrillen Scheingefechten auf Pointe erzählt wird, verhandelt das ZDF-Drama mit kritischer Haltung. Ist die Toleranzgrenze beim klamaukigen „Fack ju Göhte“ eher eine geschmackliche, bestimmt die Verschiebung des Toleranzbegriffs den gesamten Inhalt von „Die Neue“. „Toleranz sollte mehr sein als nur eine vorübergehende Gesinnung“, bringt es Eva Arendt einmal auf den Punkt. Iris Berben ist auch wegen ihres differenzierten Ausdrucks der widersprüchlichsten Gefühle eine so gute Wahl für diese Rolle. Die junge Ava Celik überzeugt als Rebellin mit ernstem Blick und einer stolzen Körperhaltung, die keinen Widerspruch duldet.

Auf die Frage, welche Spielregeln fürs Zusammenleben eingehalten werden müssen, findet der Film keine eindeutigen, pauschal gültigen Antworten. Aber dass es Spielregeln geben muss, daran lassen die Macher keinen Zweifel. Das Ende des 90-Minüters mag dem Gebot nach einer heiler Fernsehwelt huldigen, aber die Botschaft, dass Menschen es gemeinsam schaffen können, ist ja keine ausgestellte Kulturromantik. Sondern gelebtes Leben. Regisseurin Alakus fasst die Aussage des Films so zusammen: „Lasst es uns zusammen anpacken! Nur so können wir es schaffen!“

„Die Neue“ heute, 20.15 Uhr, ZDF

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