Kultur

Vier Comedians suchen nach dem Humor der Jugend

Dieter Nuhr verspricht sogar eine Sendung für Abgedrehte

Jugendliche in Deutschland sind politisiert, sie halten Freunde und Familie für wichtig, sie engagieren sich in Bürger­initiativen. Das hat uns die 17. Shell­Jugendstudie gelehrt, die gerade vorgestellt wurde, und in einem Moment mütterlicher Rührung erklärte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), man könne „stolz sein auf diese Generation“. Aber worüber lachen sie, die Jugendlichen in Deutschland? Dazu schweigt die Studie, und das ist eine Forschungslücke. Denn es ist ja einiges los hierzulande, findet Comedian Dieter Nuhr: „Was es nicht alles gibt da draußen, Poetry-Slammer, Stand-up-Comedians, Videofilmer. Alles Leute, die Komik auf ihre ganz eigene Art und Weise erzeugen, da sind Bekloppte dabei, Durchgeknallte, aber auch Abgedrehte und Verrückte.“

Die besten von ihnen hat er in seine neue Show „Nuhr ab 18“ eingeladen, und vor Schreck darüber haben die Verantwortlichen sie auf dem Sendeplatz am Donnerstag um 23.30 Uhr versteckt. In den jeweils 30-minütigen Folgen, aufgezeichnet im Berliner Gretchen, dürfen vier junge Comedians auftreten, die das Zeug haben, einmal der neue Nuhr zu werden. Wie erstrebenswert das auch immer sein mag. Die erste Folge geht schon schwer jugendlich los. „Seid ihr alle da, alles klar“, rappen die Berliner Hip-Hopper Onkel Berni vor einer graffiti-verzierten Wand. Sie werden jeden Comedian mit kurzen Jingles vorstellen.

Dieter Nuhr fällt in dieser Sendung die Rolle des Aufwärmers zu, und er füllt sie mit Koketterie über sein eigenes, schon etwas fortgeschrittenes Lebensalter. Das Geburtsdatum in seinem Ausweis sei für ihn nicht entscheidend, sagt er, er könne es ja ohne Lesebrille gar nicht mehr erfassen. Und außerdem habe er es vergessen. Er habe jedenfalls eine „unglaubliche Scouting-Aktion“ hinter sich, erzählt der Alt-Comedian, und alles „zusammengesammelt, was entweder gaga ist oder nicht ganz dicht“. Dann geht es schnell los, und es ist ein bisschen atemlos, weil ja alle vier an die Reihe kommen sollen und nicht mehr viel Zeit ist. Aber es ist weder gaga noch verrückt, durchgeknallt oder bekloppt. Es ist bedrückend konventionell.

Der Schweizer Alain Frei versucht es mit Witzen über die Schweizer Höflichkeit. Er erzählt die Geschichte eines Eidgenossen, der in Thailand zu spät feststellt, dass er nicht mit einer Frau, sondern mit einem Lady-Boy im Bett gelandet sei. Was er dann gemacht habe, habe Frei gefragt. Die Antwort: „Ich wollte nicht unhöflich sein.“

Hazel Brugger, Anfang 20 und ebenfalls aus der Schweiz, macht sich Gedanken über den Halbsatz „Läuft bei mir“, das letzte „Jugendwort des Jahres“ und, wie sie findet, ein Euphemismus: Denn es läuft ja nichts in der Jugend, diesem „beschissenen Wartesaal zwischen Flachbrüstigkeit und Gesieztwerden“. Ihr Geschäftsmodell ist die möglichst präzise Beschreibung pubertärer Nöte, schmerzende Kinderbrüste, Akne-Landschaften und so weiter. „In Sachen Eiter konnte ich wirklich sagen: Läuft bei mir“, sagt sie. Es klingt wie aus den „Feuchtgebieten“ von Charlotte Roche.

Christin Henkel versucht es mit einem Gesang in verschiedenen Akzenten, einem französischen (huch, erotisch), einem fränkischen (huch, unerotisch) und sächsisch (huch, entsetzlich). Das hat man alles schon mal gehört und auch schon oft genug darüber gelacht. Den einzigen Lichtblick markiert Masud Akbarzadeh, der freilich auch schon die längste Bühnenerfahrung vorzuweisen hat. Der Iraner ist „irgendwo zwischen 24 und 34“, wie er in Interviews sagt. Er lehnt sich in einem Ohrensessel zurück und liest, ein Plüscheinhorn auf dem Schoß, eine absurde Geschichte vor, die davon handelt, wie er beim Spazierengehen seine Mutter traf. Es bleiben die einzigen wirklich originellen Minuten in dieser Sendung, die noch ordentlich Luft nach oben hat. Zum Humor der Jugend in Deutschland lässt sich bis hierhin nur sagen, dass Ministerin Schwesig sicher stolz auf ihn wäre.

Nuhr ab 18 – Junge Comedy ARD, heute 23,30 Uhr