Berliner Band

Die Boten des Bluegrass – St. Beaufort in Kreuzberg

Mit Mandoline und Banjo will St. Beaufort eine Alternative zum hektischen Sound Berlins sein. Die Geschichte einer Reise.

Die Berliner Band St. Beaufort spielt Folk, Country und Bluegrass

Die Berliner Band St. Beaufort spielt Folk, Country und Bluegrass

Foto: Oliver Valente /Filmcake GmbH

Im Mai 1845 sticht John Franklin in See. Der Kapitän will durch die Nordwestpassage segeln, einen schnelleren Weg von Europa nach Asien entdecken. Eine ungewisse Reise durch das Polarmeer, nur so viel: Erreicht die Besatzung die Beaufortsee nördlich von Kanada, ist der schwierigste Teil geschafft.

Es soll Bands geben, die ihren Namen immer noch durch blindes Tippen ins Wörterbuch ermitteln. St. Beaufort aus Berlin hat die Geschichte der Franklin-Expedition zum Vorbild genommen. Denn auch ihre Musik handelt von Reisen und Natur, von Heimat und Heimweh. Und auch bei ihr stand am Anfang die Überquerung des Ozeans.

St. Beaufort spielt Folk, genauer: Bluegrass. Ein eingängiges Genre aus Nordamerika, das in Europa kaum beachtet wird. Und so standen Joe, 27, Banjo, und Derek, 26, Mandoline, zunächst allein da, als sie vor einigen Jahren aus ländlichen Regionen der USA beziehungsweise Kanadas nach Berlin zogen. Sie hatten die Musik ihrer Heimat im Gepäck, doch sie fanden keine Abnehmer.

Und da war Henric, 31, Gitarre, ein Zugezogener aus Bochum, der in verschiedenen Besetzungen zwar schon Bluegrass spielte und doch nicht zufrieden war. Über das Internet fand das transatlantische Trio zusammen.

Geht es um Banjo-Klänge, denken viele an Mumford & Sons. Doch dem progressiven Folkrock der Briten will St. Beaufort nicht nacheifern. Sicher, manches auf ihrem Debütalbum klingt austauschbar und verstaubt. Doch Stücke wie „Wolf“, das fulminante „Banjoe“ oder die Ballade „Out Of Service“ belegen Potenzial: traditioneller Bluegrass mit europäischen Einflüssen, der im Ohr bleibt.

Es soll eine Alternative sein zum modernen, hektischen Soundtrack der Hauptstadt. Bei ihren Auftritten stehen die drei Freunde meist um ein einziges Mikrofon herum, Verstärker für die Instrumente lassen sie weg. Dazu mehrstimmiger Gesang. Man will beim Zuhören ein Lagerfeuer anmachen und Marshmallows rösten.

Akustische Erholung auf Elektro-Festival

Nostalgische Hillibillies sind die drei nicht. Dass sie den Gegensatz beherrschen, bewies die Band im Sommer beim Festival „Wilde Möhre“ im Nirgendwo von Brandenburg. Wo die Besucher drei Tage nonstop zu Elektrobeats ausflippten, spielte St. Beaufort ein Set am Wegesrand. Nicht wenige blieben stehen, dankbar für die akustische Erholung.

Ihre Musik finde einen Weg, sagt St. Beaufort, in alle Altersschichten. „Besonders die älteren Leute stehen oft mit geschlossenen Augen da“, sagt Joe, der Mann mit dem Banjo. Touren in der Schweiz, Dänemark und England gab es schon. Ein Traum wären Auftritte in den USA. Die Reise über den Ozean scheiterte bislang, es fehlt ein Plattenvertrag.

Kapitän Franklin kam niemals an. Seine Reise endete im Packeis, alle Besatzungsmitglieder kamen um. Die Beau­fortsee war nicht mehr weit entfernt.

Die Reise von St. Beaufort wird weitergehen.

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