Museum

Die Berlinische Galerie ist immer wieder auferstanden

Am Sonntag feiert das Museum seinen 40. Geburtstag. Die Geschichte des Museums verrät einiges über Berliner Kulturpolitik.

Am kommenden Sonntag ist in der Berlinschen Galerie in Kreuzberg Tag der offenen Tür

Am kommenden Sonntag ist in der Berlinschen Galerie in Kreuzberg Tag der offenen Tür

Foto: dpa Picture-Alliance / R4200 / picture alliance /

Sieben Jahre war sie heimatlos und vom musealen Stadtplan Berlins verschwunden, all ihre Werke eingelagert in Klimakisten. Das ist Gott sei Dank vorbei, und am Sonntag darf der 40. Geburtstag ordentlich gefeiert werden. Eine mächtige Torte wird in der und für die Berlinische Galerie aufgefahren, die aussehen soll wie das Gebäude mit den leuchtend gelben Buchstabenmosaiken auf dem Vorplatz.

Hanna Roters hat sich angekündigt hat, die Witwe des Museumsgründers Eberhard Roters. 1975 wurde die Berlische Galerie unter Roters mit privatem Engagement gegründet. Ihr Sammelgebiet konzentrierte sich auf Kunst im Berliner Zusammenhang ab 1870 - von Gemälden über Skulpturen bis zu Architekturmodellen und Fotografie: Dada. Expressionismus. Russischer Avantgarde. Neue Sachlichkeit. Die erste Adresse? Nur ein winziges Büro in der Schlossstraße in Charlottenburg. Für die Ausstellungen boten etwa die Akademie der Künste und die Neue Nationalgalerie Unterschlupf. Erst 1986 kam der Einzug in die oberste Etage des Martin-Gropius-Baus.

Aktuell hat sich das Haus in ein begehbares Architekturmodell Berlins verwandelt

Heute ist die Berlinische Galerie nicht mehr wegzudenken als Bühne für junge Berliner Künstler, die Preise vergibt und gut vernetzt ist in dee Kunstszene. Dabei werden die historischen Positionen gepflegt, ihre Einflüsse etwa auf zeitgenössische Künstler deutlich gemacht. Ein Mischprogramm also, dass mehrere Zielgruppen anspricht. Die Jubiläumsschau im nächsten Monat widmet sich der Klassischen Moderne: „Max Beckmann und Berlin“ möchte zeigen, welche entscheidende Rolle diese Stadt für ihn gespielt hat.

Aktuell hat sich das Haus in ein begehbares Architekturmodell Berlins verwandelt. Mit „Radikal modern“ werden Positionen der 60er-Jahre im West- und Ostteil illustriert. Und die große Halle ist eine Art modernes Labor für Arno Brandlhubers kühne Archiv-Installation, die die geeinte Hauptstadt als „ungebaute Stadt“ erforscht. 200.000 Besucher zählt das Haus im Jahr.

Die verzweifelte Suche nach einem Standort

Vergangenes Jahr, zehn Jahre nach Eröffnung des Museums in der Alten Jakobstraße, musste Direktor Thomas Köhler überraschend sein Haus schließen, Sanierungen machten das nötig. Irgendwie erinnerte das an jene Zeit, als das Haus ohne Domizil war: 1997 musste die Berlinische Galerie aus dem Martin-Gropius-Bau ausziehen, der Bund rüstete das Gebäude als internationales Ausstellungshaus auf. Die verzweifelte Suche nach einem Standort begann – eine Odyssee, die sieben Jahre dauern sollte, weil kulturpolitische Entscheidungen auf die lange Bank geschoben wurden. 1998 kam, noch unter Kultursenator Peter Radunski, das denkmalgeschützte Postfuhramt in die Diskussion. Doch am Ende konnte der Senat die Immobilie nicht finanzieren. Damit das Museum nicht ganz aus dem Ausstellungskalender herausfiel, holte der damalige, nimmermüde, dabei kettenrauchende Direktor Jörn Merkert kurzerhand ausgewählte Exponate aus dem Depot und schickt „100 Jahre Kunst im Aufbruch“ als „Botschafter Berlins“ auf Europatournee.

Ein Jahr später, 1999, beschloss der Senat den Ankauf von Museumsräumlichkeiten auf dem Schultheiss-Areal, ein paar Schritte nur zur Bergmannstraße. Inmitten des Kiezlebens, zwischen Townhouses, jungen Start-ups und Hippie-Atmosphäre, so die Idee, sollte die Galerie als „Königin Kunst“ in den alten Eiskellern das Areal aufwerten. Aus dem schlüsselfertigen Museum wurde nichts – die Projektgesellschaft meldete Insolvenz an.

Am Schluss siegte eine pragmatische Lösung: Die Berlinische Galerie zog 2004 ins architektonisch nüchterne Glaslager ein, die Eröffnung dort kam einer Neugründung gleich. Zumal viele Neuberliner die Sammlung gar nicht kannten, im Gropius-Bau ohnehin nur Teile davon gezeigt worden waren. Allen war klar, dass weder das Gebäude ein architektonisches Juwel noch die Lage in der Alten Jakobstraße ein Traum ist.

Damals erhoffte sich Direktor Jörn Merkert Synergien mit dem Jüdischen Museum um die Ecke. Doch wer aus dem Libeskind-Bau kommt, hängt nicht noch ein zweites Museum dran. Mittlerweile hat sich aber das Viertel verändert durch die unzähligen Galerien in der Lindenstraße und das Kunst-Areal St. Agnes. Gerade an Eröffnungstagen sieht man hier einen Tross schwarzgekleideter Kunstfans durch die Gegend ziehen.

„Es nutzt nichts, Dinge auf sich zukommen zu lassen“

Thomas Köhler weiß, das er sich vor dem Hintergrund der Neuordnung der Berliner Museen in den nächsten Jahren auch mit seinem Haus neu positionieren muss. Das Bauhaus-Archiv bekommt einen Erweiterungsbau, mit dem Museum der Moderne wird sich das Kulturforum hoffentlich beleben. Und vermutlich wird Museumsmann Chris Dercon beim Antritt in der Volksbühne andere Maßstäbe setzen, was das Verhältnis Theater und bildende Kunst betrifft. „Es nutzt nichts, Dinge auf sich zukommen zu lassen“, meint Thomas Köhler, „es ist gut sich mit Häusern zu vernetzen und zu kooperieren. Das Kirchturmdenken einzelner Häuser bringt nichts.“

Das Fest: Sonntag, 10-18 Uhr. Eintritt frei. Eine Auswahl: 15 Uhr: Direktor Thomas Köhler im Gespräch mit Hanna Roters, die als Ehefrau des Museumsgründers Eberhard Roters die Berlinische Galerie seit ihren Anfängen begleitet hat. Im Anschluss Geburtstagstorte für alle Besucher.Für Kinder ist das Atelier bunter Jakob geöffnet.Blick hinter die Kulissen: Besucher schauen den Restauratoren über die Schulter und erhalten Einblicke in die Künstler- Archive oder die Ausstellungstechnik der Berlinischen Galerie (12.30-17 Uhr). Zu den Jubiläumsaktivitäten zählen auch die Kuratorenführungen „40 Jahre / 40 Werke“ 7.10., 18.30 Uhr) Informationen und Anmeldung: www.berlinischegalerie.de. Adresse: Jakobstr. 124-128, Kreuzberg.