Kultur

Arno Schmidt: Ordnung bringen in den Zettelkasten

Akademie der Künste eröffnet „Arno Schmidt. Eine Ausstellung in 100 Stationen“

Seine Literatur und sein Leben sind wie „ein Tablett voll glitzernder Snapshots“, wie Schriftsteller Arno Schmidt einmal sagte. Er suchte in seinen Werken nach einer eigenen Sprache, erfand eine neue Rechtschreibung und erfreute sich an Neologismen. Die Akademie der Künste zeigt nun die Schau „Arno Schmidt. Eine Ausstellung in 100 Stationen“, die am heutigen Mittwoch eröffnet.

In den Vitrinen werden Exponate aus seinem Nachlass ausgestellt, da sind Einmachgläser, eine grüne Lederjacke, Bleistifte und jede Menge Medikamente in Vitrinen vorzufinden. Das klingt recht trivial, soll aber so sein – die Gegenstände werden verbunden mit Zitaten aus seinen Werken und Gewohnheiten seines Lebens. „Uns war ganz klar, was wir nicht machen wollen. Denn wenn man einfach nur seine Socken ausstellt, dann hält sich das Erschaudern der Besucher ja in Grenzen“, sagt Jan Philipp Reemtsma von der Arno Schmidt Stiftung.

Schmidt hatte als gelernter Buchhalter einen Faible für Genauigkeit. Zur Recherche für sein Buch „Das steinerne Herz“ nutzte er Katasterkarten, in die er sogar Straßenlaternen eintrug. Alles sollte möglichst real und detailgenau beschrieben werden. Gleichzeitig hatte er eine Passion für Schlaftabletten und Alkohol. Sie sollten Fantasie und Poesie anregen. Was sich eigentlich ausschließt, wird in den Vitrinen vereint: Eine Lupe neben einem Fass Branntwein, Bücher von James Joyce neben Karl May, Markenware neben Selbstgeschnitztem.

Der Ausstellungsraum ist schwarz gestrichen, dicker Teppich dämpft jeden Schritt, 100 beleuchtete Kästen mit den gegensätzlichen Exponaten aus Schmidts Nachlass scheinen im Raum zu schweben. Sie sind verknüpft mit Zitaten aus seinen Büchern und Erklärungen über sein Leben. Das Herz des Raumes ist ein rundes Leinwandband. Es leuchtet über ausgestellten Manuskripten zu seinen Büchern und den berühmten Zettelkästen zu „Zettel’s Traum“, seinem berüchtigtesten Werk. Das Original von 1970 ist dreispaltig, wiegt 17 Pfund und ist über 1300 DIN-A3-Seiten lang – im Grunde nicht zu veröffentlichen.

Die Leinwand ist mit einem Computer verbunden, der 100 Schlagwörter anzeigt. Klickt man eines an, laufen dazu passende Schmidt-Zitate über die Leinwand. So folgt auf „Schnaps“ die Erkenntnis „Besser ein Kirchturm fiele um als ein Glas Schnaps“. Ein virtueller Zettelkasten also, der seinen Blick auf die Welt zeigt.

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. „Arno Schmidt. Eine Ausstellung in 100 Stationen“ bis 10. Januar 2016. Dienstag – Sonntag, 11 – 19 Uhr.

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