Kultur

Alles nur Lüge, aber ziemlich hochkarätig

Milan Peschels Fast-Solo-Show „Münchhausen“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters

Was ist Theater? Eine Behauptung, eine Täuschung, eine Hochstapelei. Das ist die Verabredung, auf die sich beide Seiten einlassen. Was längst nicht mehr heißt, dass wir als Zuschauer, wenn etwa „Münchhausen“ auf dem Spielplan steht, mit historischer Hans-Albers-Kostümierung rechnen. Aber mit einem Lügenbaron auf der Bühne rechnen wir schon. Den bekommen wir auch. Er heißt Milan Peschel und er spielt Milan Peschel, also nicht sich selbst, sondern sich als Figur, wie er uns anfangs erklärt.

Armin Petras hat Milan Peschel mit „Münchhausen“ die Selbstreflexion eines Schauspielers auf den Leib geschrieben, ein Fast-Solo, das als Uraufführung im Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen zu sehen war und jetzt in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Das DT war Produktionspartner der Inszenierung von Jan Bosse. Das Setting ist mehr als simpel: Petras schließt den Geschichtenerzähler Münchhausen kurz mit dem Geschichtenverkörperer Peschel. Als Rahmen dient die Annahme, dass Peschel auf einen Kollegen wartet, mit dem er jene „Münchhausen“-Vorstellung spielen soll, doch der Kollege kommt nicht. Also ergreift Peschel die Gunst der Stunde und erzählt uns, wie das so ist, ein Leben als Schauspieler, von der Angst und der Eitelkeit, von der allabendlichen Wiedergeburt und dem Glück, „der werden zu können von dem man immer träumte, ein nie Dagewesener“. Schnell wird klar, dieser wahrlich nicht allzu erkenntnistiefe Text, ist bei Peschel (es fielen einem nur wenig andere ein, auf die das zuträfe) bestens aufgehoben.
Er zelebriert die Lüge, die Scheinbarkeit als Produktivkraft. Ist arme Rampensau-Wurst, Animateur und Erwartungsjongleur. Hochkomisch ist das, noch viel besser aber ist, dass er den Text mit Improvisationen anreichert, dass er seine alten Rollen noch mal durchspielt, was in Berlin zu herrlicher Insider-Rätselraterei führt. Peschel bekennt sich als Spielwütiger, als einer, der am liebsten ewig weiter spielen würde. Was indes in diesem Fall keine so gute Idee wäre, denn gegen Ende zerfasert der Abend dann doch, verliert der Slapstick seine Komik.

Irgendwann aber kommt Martin Otting als Münchhausen tatsächlich auf die Bühne. Doch er wiederholt nur Peschels Worte vom Anfang, dass er, Otting, sich selber darstelle, sich als Figur, schon geht’s wieder von vorne los. Alles Lüge, alles nur gespielt. Über weite Strecken sogar ziemlich hochkarätig.

Deutsches Theater, Kammerspiele, Schumannstr. 13a, Mitte. Tel.: 28 441 225. Nächste Termine: 19.09., 16.10.