Kultur

Dokumentation über Chancen und Geldnot der Kultur

Stardirigent Kent Nagano bringt es gleich zu Beginn der Doku „Kultur – Koste es, was es wolle!“ auf den Punkt: „Wir verlieren schlicht und einfach die Essenz der Menschlichkeit, wenn wir auf Kultur verzichten.“ Darauf folgt ein Querschnitt durch die Theater-, Kunst- und Musikindustrie in europäischen Städten. Künstler und Kulturexperten sprechen über Chancen, aber auch über die Geldnot.

Die französische Stadt Nantes hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein neues Standbein geschaffen: Kunst und Tourismus. In den 80er-Jahren fielen mit der Werftenkrise viele Arbeitsplätze weg. Ein neues Image musste her. Der Kulturmanager der Stadt, Jean Blaise, sagt: „Unsere Idee war, große internationale Künstler hierher kommen zu lassen. Sie kreieren dann ihre Werke hier. Somit geben sie diesen Orten einen Sinn oder ziehen einen Sinn aus diesen für ihr Werk.“ Den Wert von Kunst beschreibt Blaise so: „Kunst ist wie Gymnastik am Morgen. Die Gymnastik macht den Körper elastisch, und Kunst macht den Geist elastisch.“ An vielen Orten in der Stadt sind Objekte im Freien zu sehen, bunte Leuchtröhrenkreise an einer Brücke oder ein Riesentierskelett.

Ein Amsterdamer Tanztheater muss einschneidend sparen, seitdem Förderungen in Millionenhöhe weggefallen sind. Dutzende verloren ihre Jobs. Das Theater entschloss sich, das Gebäude zu verkaufen. Jetzt lebt es von diesem Geld – noch. Tänzer und Theaterleitung berichten, wie sie mit diesen Unwägbarkeiten zurechtkommen. Die rund 50 Minuten lange Dokumentation von Reinhild Dettmer-Finke beleuchtet zahlreiche Aspekte der Kulturindustrie. Der Mann, der am Anfang zu Wort kam, setzt auch den Schlusspunkt. Nagano stellt fest: „Was hält denn unsere Gesellschaft zusammen, wenn nicht ein gemeinsames Wertesystem? Wenn wir das nicht haben, was hält dann unsere Gesellschaft zusammen? Sicher nicht die Welt der Finanzen.“

Arte, Mi um 21,50 Uhr