Kultur

Künstler wollen Schinkel Pavillon retten

Das trendige Ausstellungshaus braucht Geld.Eine Benefizauktion bei Grisebach soll helfen

Etwas verborgen liegt der Schinkel Pavillon in der Oberwallstraße 1, nur einige Schritte sind es von hier zur Staatsoper hinüber. Als höchst trendiger Ausstellungsort ist dieses Gebäude im Retrolook nicht mehr wegzudenken aus Berlins Kunstszene. Auch international ist er längst bekannt. Die rappelvollen Vernissagen haben sich als lässiger Kunsttreff etabliert. Auf der Terrasse genießt jeder gerne einen Drink mit tollem Blick auf Kronprinzenpalais und Fernsehturm, noch dazu wenn ein DJ auflegt. Dass das so gut funktioniert, hat vor allem mit der Künstlerin Nina Pohl zu tun, die den Kunstverein mit einigen guten Seelen und Förderern stemmt und privat finanziert. Durch ihre vielen Kontakte kamen Ausstellungen von Sylvie Fleury, Isa Genzken, Mike Kelly oder Cyprien Gaillards „Bagger-Ballett“ zustande.

Bislang bekommt der Schinkel Pavillon keine reguläre Förderung. Vor zwei Jahren überreichte Tim Renner Nina Pohl einmalig 30.000 Euro – als Preisgeld für die Auszeichnung als „künstlerischer Projektraum“. Das war schön, reicht aber nicht ewig. Und auf Pohls Rechnung steht einiges, die Miete, die an den Bund geht, laufende Kosten und Ausstellungsetat. Oder Flüge nach Los Angeles, wo sie den amerikanischen Performance-Meister Paul McCarthy besuchte, der jetzt zur Art Week Berlin bei ihr ausstellt und gleichzeitig in der Volksbühne seine nicht ganz leicht zu verdauenden Happenings zeigt. Manchmal beantragt sie Mittel aus dem Hauptstadtkulturfond, die Zuwendung reicht für ein Projekt, bei fünf bis sechs im Jahr. „Ein ganz schöner Spagat“, sagt Nina Pohl, sie ist keine Frau, die groß klagt, schließlich weiß sie um das Renommee des Pavillons, und natürlich macht ihr der Kunstbetrieb auch Spaß. Sie spricht nicht gerne über Geld, aber einige Hunderttausend Euro werden es schon sein, die sie braucht.

Damit es mit dem Schinkel Pavillon also weitergeht und eine Erweiterung der Ausstellungsfläche in der Schinkel-Klause in der unteren Etage finanziert werden kann, gibt es gleich zwei Benefizauktionen. 53 Künstler spenden Werke zum Erhalt des Ausstellungshauses. In der Villa Grisebach kommen Teile der Werke am 19. September unter den Hammer, weitere werden am 17. Oktober bei Christie’s in London versteigert. Grisebach verzichtet auf das Aufgeld. Ziemlich große Namen stehen auf der Liste: Cindy Sherman, Thomas Ruff, Katharina Grosse, Olafur Eliasson, Olaf Metzel. Viele Berliner Künstler sind dabei, internationale ebenso. Das Angebot ist breit aufgestellt: Isa Genzken hat einen ihrer „Weltempfänger“ bei Grisebach eingeliefert, der Schätzpreis liegt bei 15.000 bis 20.000 Euro. Anselm Reyles Reliefbild aus zerknautschter Glanzfolie wird auf 18.000 bis 20.000 Euro taxiert. Das teuerste Werk kommt von der Berliner Malerin Corinne Wasmuht, es sollte mit 35.000 bis 45.000 Euro versteigert werden.

In London läuft die Auktion während der Frieze, der Kunstmesse. Dort ist das Angebot hochpreisiger. Dan Colens Blumenbild auf belgischen Leinen soll für 80.000 Pfund den Besitzer wechseln. Während der Messe flanieren zahlkräftige Sammler durch die City.

Es ist gut zu sehen, wie sich die Künstler mit ihrem Engagement einbringen. Sie wissen, der Schinkel Pavillon darf nicht sterben. Und natürlich geht es auch um Solidarität der Künstlerkollegin gegenüber. In Berlin ist Art Week, auch hier sind Sammler unterwegs. Also auf zu Grisebach – und Kunst kaufen!

Villa Grisebach, Fasanenstr. 19. September, 17 Uhr. Vorbesichtigung bis Fr, 11-18 Uhr. Sa 11-16 Uhr