Kultur

Die Werke, die Bernard Frize in Berlin erschuf

Eine Ausstellung aus Anlass des Käthe-Kollwitz-Preises

Es ist nicht unbedingt die Farbe, die den nahe Paris geborenen Maler Bernard Frize interessiert, sondern die Malerei als minimalistisches Experiment. Immer malt er in Serien, immer sind diese abstrakt, immer setzt er möglichst viele Farben ein, immer dekliniert er bestimmte Formen durch, bis er den Eindruck hat, ein Werk ist abgeschlossen.

Das Ergebnis sind ganz unterschiedliche Gemälde. Mal kreuzen sich abstrakte Flächen in spitzen Winkeln, mal sind es amorphe Wolkenformen in Hell-Dunkel-Verläufen, mal gerade Linien, die im Schwarz verschwinden, mal marmorierte Farbmaserungen, als sei die Farbe auf die Leinwand geschüttet worden. Als Untergrund können Bernard Frize Leinwände dienen, aber auch Glas, das in mehreren Schichten bemalt wird. Die Farbe kann auf unterschiedlichste Weise aufgetragen werden: mit einer Farbrolle wie bei der Serie „Suite Rouleau“, die 1993 während seines DAAD-Stipendiums in Berlin entstand, mit einem oder auch mehreren zusammengebundenen Pin­seln oder mit verschütteter Farbe. Bisweilen unterstützen auch Assistenten den Malakt, der im Übrigen entscheidend ist: Im Idealfall entsteht ein Bild aus einer einzigen Geste als performativer Akt. Korrigiert wird hier nichts.

Für sein sich seit 40 Jahren entfaltendes Werk erhielt Frize am Mittwochabend den Käthe-Kollwitz-Preis, der jährlich von der Akademie der Künste verliehen wird und mit 12.000 Euro dotiert ist, eine Ausstellung und Katalog sind inbegriffen. Die Ausstellung hat der seit acht Jahren in seiner Wahlheimat Berlin lebende Künstler selbst konzipiert. Zu sehen sind vor allem Werke, die von 1981 bis 2015 in Berlin entstanden. „Mit großer Raffinesse arbeit Bernard Frize nicht nur an der Weiterentwicklung zeitgenössischer Abstraktion, sondern auch an einer Topologie malerischer Gesten und Strukturen“, heißt es im Statement der dreiköpfigen Jury.

In Montpellier studierte Frize Kunst, ohne einen Abschluss zu machen. Ihm kamen die politischen Umwälzungen im Zuge der Revolten um 1968 dazwischen. Er legte den Pinsel sogar ganz nieder, konnte sich zwischen Politik und Malerei nicht entscheiden. 1976 begann er sonntags wieder zu malen, trug einfach senkrechte Linien in verschiedenen Farben auf eine Leinwand auf. Damit hatte er seine Methode gefunden, wie er im Rückblick schrieb: „Dies waren meine ersten Bilder, bei denen die Materialien, die Technik (wie minimal diese auch gewesen sein mag) und der Inhalt (das, was gedacht wurde) sich miteinander solidarisch zeigten.“ Auf die Frage, was hinter seinen Bildern stecke, antwortet er stets: „Nichts“. Die abstrakten Kompositionen folgen auch keinem Plan, sondern dem malerischen Gestus. Mit diesem experimentiert Frize eifrig in Serien, ergründet dabei Dynamik und Rhythmus von Formen und erschafft diese ständig neu.

Käthe-Kollwitz-Preis 2015: Bernard Frize. Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten. 11. September bis 25. Oktober