Musik

Barenboim bestätigt Konzertpläne in Teheran

Daniel Barenboim will mit der Berliner Staatskapelle zum Konzert nach Teheran reisen - und dabei wohl politische Verwerfungen in Kauf nehmen.

Foto: Rainer Jensen/Archiv

Berlin. Der israelisch-argentinische Dirigent und Pianist Daniel Barenboim plant mit der Berliner Staatskapelle ein Konzert in Teheran. Das Orchester spreche derzeit mit dem Iran über einen möglichen Auftritt, teilte die Berliner Staatsoper am Donnerstag mit.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werde Schirmherr des Konzerts sein. Sobald die Gespräche abgeschlossen seien, werde es nähere Informationen geben. Barenboim (72) ist Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper.

Nach dem Atomkompromiss mit dem Iran will Steinmeier Mitte Oktober nach Teheran reisen. Ob ihn dabei auch die Staatskapelle mit Barenboim begleiten wird, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Bereits vor Bestätigung der Gespräche mit Iran hatte Israel am Mittwoch Protest gegen die Konzertpläne angekündigt. Kulturministerin Miri Regev erklärte, dass sie deswegen einen Protestbrief an die Bundesregierung schreiben wolle. Barenboim verfolge eine anti-israelische Linie und schwärze Israel bei jeder Gelegenheit an. Er missbrauche dabei die Kultur zur Durchsetzung seiner politischen Ansichten, hatte sie auf Facebook erklärt.

Regev, die der rechtsorientierten Regierungspartei Likud angehört, war in der Vergangenheit immer wieder angeeckt. Sie hatte unter anderem mit Kürzungen der Budgets von Kultureinrichtungen gedroht, die Israel negativ darstellen. Afrikanische Flüchtlinge in Israel bezeichnete sie als "Krebsgeschwür", entschuldigte sich jedoch später dafür und sagte, ihre Äußerungen seien falsch dargestellt worden.

Das iranische Kultusministerium hatte Anfang der Woche mitgeteilt, es verhandele mit den Berliner und Wiener Philharmonikern über Konzerte in Teheran. Solche Verhandlungen wurden jedoch von beiden Orchestern dementiert.

Barenboim hat immer wieder die israelische Siedlungspolitik und die Haltung der verschiedenen Regierungen gegenüber den Palästinensern kritisiert. Die Besetzung sei moralisch falsch und stelle auch die Existenzgrundlagen Israels in Frage.

Als Zeichen der Versöhnung gründete er mit dem gestorbenen palästinensisch-amerikanischen Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra mit jungen arabischen und israelischen Musikern. 2011 reiste er mit Musikern von europäischen Orchestern zu einem "Friedenskonzert" nach Gaza.

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