Kultur

Israel protestiert gegen angeblichen Barenboim-Auftritt

Der Stardirigent soll mit der Staatskapelle in Teheran spielen

Israels Kulturministerin Miri Regev will der deutschen Regierung einen Protestbrief wegen eines angeblich geplanten Auftritts von Daniel Barenboim in Teheran schicken. „Der Dirigent Daniel Barenboim, ein israelischer Staatsbürger, wird im Iran gemeinsam mit einem staatlichen Orchester auftreten“, schrieb Regev am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite. Ein Sprecher Regevs erklärte auf Nachfrage, die Ministerin habe in ihrem Facebook-Eintrag Barenboims Orchester, die Staatskapelle Berlin, gemeint. Von der Staatskapelle war am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme zu den angeblichen Plänen zu bekommen.

Das iranische Kultusministerium hatte Anfang der Woche mitgeteilt, es verhandele mit den Berliner und Wiener Philharmonikern über Konzerte in Teheran. Das wurde jedoch von beiden Orchestern dementiert. Bei den Berliner Philharmonikern erinnert man sich lediglich daran, dass vor der Sommerpause eine iranische Kulturdelegation zu einer Besichtigung im Haus war. Aber es gäbe keine Verhandlungen.

Die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ hatte zuvor darüber spekuliert, ob die Bundeskanzlerin selbst nach Iran fahren wolle und erwäge, Barenboim und seine Staatskapelle zu der Reise einzuladen. Es sei eine Schande, dass Angela Merkel darüber nachdenke, „einen Israel-Hasser mitzubringen, nur um noch ein paar Punkte bei den iranischen Händlern zu gewinnen“. Auf der Webseite des britischen Musikjournalisten Norman Lebrecht hieß es, die Staatsoper bemühe sich im Stillen um ein Visum für ihren Generalmusikdirektor Barenboim, der neben der israelischen auch über die spanische und palästinensische Staatsangehörigkeit verfüge.

Regev schrieb auf ihrer Facebook-Seite: „Barenboim verfolgt eine antiisraelische Linie und schwärzt Israel bei jeder Gelegenheit an.“ Er missbrauche dabei die Kultur als Instrument zur Durchsetzung seiner politischen Ansichten. „Diese Melodie muss gestoppt werden“, forderte Regev. Es handele sich um eine „falsche Entscheidung“ der Kanzlerin. Sie werde an das deutsche Auswärtige Amt und das Kultusministerium schreiben und eine Absage fordern. Sie werde betonen, dass „der Auftritt von Barenboim den israelischen Bemühungen schadet, ein Atomabkommen zu verhindern“. Außerdem trage es zur Delegitimierung des jüdischen Staates bei.

Der Iran sei ein Terrorstaat. „Ich finde, Deutschland täte gut daran, den Auftritt der Kapelle und ihres Dirigenten abzusagen“, schrieb Regev. „Die Töne aus Teheran sind schrill und gefährlich.“ Der Iran gilt als Erzfeind Israels und hat immer wieder zur Zerstörung des jüdischen Staates aufgerufen.