Kino

Michael Fassbender ist eine Pappnase - Zumindest in "Frank"

In diesem eigentümlichen Musikfilm soll der Star die Hauptrolle spielen. Das sieht man aber nicht. Und es hilft dem Film auch nicht.

Frank

Frank

Foto: Weltkino / BM

Seinem Gegenüber will man in die Augen sehen. Das ist ein Grundprinzip im menschlichen Umgang. Und das möchte man auch im Kino so erleben: den Menschen durch die Augen in die Seele schauen. Daraus wird in „Frank“ nichts. Fast den gesamten Film über hat die Titelfigur hier einen Pappmaché-Kopf auf, einen riesenrunden mit großen, leeren Augen.

Nie setzt er diesen Pappkopf ab, nicht beim Essen, nicht beim Schlafen. Manche berechtigte Frage wird beantwortet, etwa die, wie der Mann sich denn ernährt: mit Flüssigbreinahrung per Strohhalm. Andere, wie es mit der Hygiene aussieht, werden zumindest gestreift. Wie oft er sich den Kopf anstößt, wird uns indes verschwiegen.

Ist es wirklich der Star?

Unter dieser Pappe soll sich Micheal Fassbender verbergen, immerhin einer der derzeit angesagtesten Schauspieler (und gerade auch mit „Slow West “ im Kino). Aber es könnte auch ein x-beliebiger Darsteller sein. An seiner Körpersprache ist Fassbenders Faszinosum hier nur schwer auszumachen. Und mit der Stimme geht bei der Synchronisation auch der letzte Rest echten Fassbenders flöten.

Frank ist der ziemlich schräge Kopf einer ziemlich schrägen Band, in die ein Junge namens Jon (Domhnall Gleeson) nur durch Zufall gerät. Weil alle anderen Bandmitglieder mindestens einen genau so großen Sprung haben wie Frank. Und der Keyboarder sich im Meer ertränken will und deshalb für das abendliche Konzert ausfällt.

Männer, die auf Masken starren

„Ich bin auch Keyboarder“, sagt Joe fast mechanisch. Wird prompt engagiert. Und findet sich alsbald in einem Blockhaus fern jeglicher Zivilisation mit dieser illustren Schar wider, die dort ein Album aufnehmen will.

Diesen Frank hat es wirklich gegeben. Frank Sidebottom war die Erfindung des britischen Comedians Chris Sievey, der vor fünf Jahren mittellos verstarb. Jon Ronson spielte eine Weile bei dessen Band mit und hat, weil er inzwischen unter die Drehbuchautoren gegangen ist („Männer, die auf Ziegen starren“), diese Phase seines Lebens in ein Script verarbeitet.

Darin guckt sein Alter Ego mit ganz naivem Blick auf die bizarre Band – und versucht sie zugleich über heimliche Bilder in den Neuen Medien ganz kalkuliert zu vermarkten.

Nur für eingefleischte Fans

Man kann das Ganze als Coming-of-Age-Geschichte sehen oder als Parodie auf Musikkaste und Diven-Gehabe. Man kann es auch einfach als Star-Film genießen, immerhin spielt auch eine Maggie Gyllenhaal mit. Aber während sich die einen vor Lachen ausschütten über diesen übergroßen Pappkopf, gibt es bei den anderen nur ein gleichgültiges Achselzucken.

Man kommt der Hauptfigur einfach nie näher, weil man fast bis zuletzt nie hinter die Maskerade blicken darf. So bleibt „Frank“ letztlich nur etwas für ganz eingefleischte Fassbender-Aficionados.

Tragikomödie GB 2015 105 min., von Lenny Abrahamson, mit Domhnall Gleeson, Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal