Rechtsstreit

Gehört „Happy Birthday“ wirklich Warner Music?

Warner Music verdient prächtig an „Happy Birthday“. In Deutschland ist aber bald Schluss - und in den USA entscheidet ein Gericht.

Schon im "Every Day Songbook“ fand sich das berühmteste aller Geburtstagslieder

Schon im "Every Day Songbook“ fand sich das berühmteste aller Geburtstagslieder

Foto: Wolf Haldenstein / dpa

Irgendwo auf der Welt singt gerade jemand „Happy Birthday“ – auf Englisch, Arabisch, Japanisch oder Deutsch. Aber egal, wie weit es verbreitet ist, es befindet sich im Privatbesitz des US-Labels Warner Music Group.

Zwar darf man „Happy Birthday“ bei der Geburtstagsfeier zu Hause kostenlos singen. Aber sowie das öffentlich oder zu kommerziellen Zwecken geschieht, gilt das Urheberrecht. Da muss gezahlt werden – an Warner. Die Firma nimmt jedes Jahr rund zwei Millionen Dollar an Lizenzgebühren ein.

Mit 5000 Dollar am Tag gilt „Happy Birthday“ als eines der lukrativsten Lieder der Welt. Spielzeughersteller, Klingeltonprogrammierer und Restaurantketten haben zwischen 500 und Zehntausende Dollar für die Lizenz gezahlt. Wegen der hohen Kosten vermeiden viele Filmemacher und Theaterleute das Lied lieber.

„Das war schon immer so ein Witz“, sagt Jennifer Nelson. „Da warnt dich dein Chef: Nimm das Geburtstagslied nicht auf, sonst musst du dafür zahlen!“ Die in New York ansässige Regisseurin drehte gerade eine Dokumentation über die Herkunft von „Happy Birthday to You“ – und hatte 1500 Dollar für die Nutzerlizenz gezahlt, als sie einen Artikel des Rechtswissenschaftlers Robert Brauneis fand, der das Urheberrecht für ungültig befand.

Bereits in Liederbuch von 1922 abgedruckt

2013 entschied sie sich, mit zwei anderen Künstlern vor Gericht zu ziehen: einer Musikerin, die eine Lizenz brauchte, um „Happy Birthday“ auf einem Livealbum aufzunehmen, und ein Regisseur, der nach einem Film von einer Rechnung über 3000 Dollar überrascht wurde.

Das Künstlertrio behauptet, dass „Happy Birthday to You“ der ganzen Welt gehört, nicht einer Firma. Zunächst argumentierten sie, dass eine 1963 vorgenommene Erneuerung des Urheberrechts von 1935 ungültig war.

Dann fanden sie vor einem Monat den möglicherweise schlagenden Beweis: In einem Liederbuch von 1922 war „Happy Birthday to You“ ohne urheberrechtlichen Schutz veröffentlicht worden. Nach US-Recht sind damit alle späteren Ansprüche ungültig.

In Deutschland noch bis Ende 2016 geschützt

Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur hat Warner bisher nicht reagiert. Doch schon in der Vergangenheit betonte die Firma immer wieder, das vor Jahrzehnten erworbene Urheberrecht sei gültig.

In den USA galt der Schutz geistigen Eigentums damals aber nur für 70 Jahre. Werke aus den 20er-Jahren sind daher jedem frei zugänglich.

Jennifer Nelson hofft auf eine Entscheidung des US-Gerichts bis Jahresende. In Deutschland hat sich die Sache bald ohnehin erledigt. Laut Verwertungsgesellschaft Gema ist „Happy Birthday“ hier nur noch bis Ende 2016 geschützt.