Literatur

Fünf Berliner auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis

Die Longlist zum Deutschen Buchpreis steht fest. Auch fünf Berliner Autoren sind für die Auszeichnung nominiert.

Jenny Erpenbeck (links) und Clemens J. Setz (rechts) gelten als zwei der Favoriten für den Preis

Jenny Erpenbeck (links) und Clemens J. Setz (rechts) gelten als zwei der Favoriten für den Preis

Foto: Thomas Frey / dpa

Die Jury des Deutschen Buchpreises hat 20 Romane in die engere Wahl für die Preisvergabe 2015 genommen. Der Preis, der 2005 erstmals vergeben wurde, gilt inzwischen als wichtigste Auszeichnung in der Branche.

„Die diesjährige Longlist ist eine aufschlussreiche Landkarte“

„Es geht um erste und letzte Dinge“, sagt Jury-Sprecherin Claudia Kramatschek. „Die diesjährige Longlist ist eine aufschlussreiche Landkarte, sie bildet die Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit der deutschsprachigen Literatur ab“. In ihr sei auch die Welt zu Hause – die ausgewählten Werke handelten etwa von den „Seelendramen afrikanischer Flüchtlinge, den Weiten Afghanistans oder den engen Gassen eines Istanbuler Armenviertels“.

Auf der Longlist stehen unter anderem Clemens J. Setz (der mit „Die Frequenzen“ und „Indigo“ schon zweimal auf der Shortlist war), Monique Schwitter, Peter Richter, Ilija Trojanow und Feridun Zaimoglu. Auch fünf Berliner Autoren sind vertreten – Alina Bronsky, Jenny Erpenbeck, Inger-Maria Mahlke, Ulrich Peltzer und Anke Stelling.

Ralf Rothmann hat nicht mitgemacht

Nicht dabei ist der Bestseller „Im Frühling sterben“ von Ralf Rothmann, der einen der meistdiskutierten Romane des Jahres geschrieben hat. Der Autor hat trotz Jury-Aufforderung sein Drama über den Zweiten Weltkrieg nicht eingereicht.

Und was sagt die Statistik? Vier Autoren kommen aus Österreich, drei aus der Schweiz. Autorinnen und Autoren sind etwa gleich stark vertreten, ebenso junge Autoren einerseits und etablierte Stimmen andererseits. Große Verlage wie Suhrkamp, Fischer oder Kiepenheuer sind genauso dabei wie kleine Independents, etwa Droschl, der Verbrecher Verlag, Matthes & Seitz und Berenberg.

Viele Wälzer auf der Liste

Auffallend ist, dass es in diesem Jahr viele Wälzer auf der Longlist gibt. Der Roman von Clemens J. Setz bringt es auf 1000 Seiten, Feridun Zaimoglus Familiensaga „Siebentürmeviertel“, angesiedelt im Istanbul der Vorkriegszeit, ist fast ebenso dick. Jenny Erpenbecks Roman „Gehen, ging, gegangen“ ist mit 350 Seiten da vergleichsweise schmal.

Der Jury gehören neben Claudia Kramatschek an: Markus Hinterhäuser (Wiener Festwochen), Rolf Keussen (Mayersche Droste, Düsseldorf), Ursula Kloke (Botnanger Buchladen, Stuttgart), Ulrike Sárkány (Norddeutscher Rundfunk), Christopher Schmidt („Süddeutsche Zeitung“) und Bettina Schulte („Badische Zeitung“).

Die Jury sichtete in diesem Jahr insgesamt 199 Titel. Mehr als 100 Verlage aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben neue Romane zum Wettbewerb ein­gereicht.

Im nächsten Schritt wählen die Juroren aus den Titeln der Longlist sechs Titel für die Shortlist aus, die dann am 16. September veröffentlicht wird. Der Preis wird am 12. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse ver­liehen.

Diese Titel haben es auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis geschafft:

- Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe (Kiepenheuer & Witsch)

- Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua (Wallstein)

- Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (Knaus)

- Valerie Fritsch: Winters Garten (Suhrkamp)

- Heinz Helle: Eigentlich müssten wir tanzen (Suhrkamp)

- Gertraud Klemm: Aberland (Droschl)

- Steffen Kopetzky: Risiko (Klett-Cotta)

- Rolf Lappert: Über den Winter (Carl Hanser)

- Inger-Maria Mahlke: Wie Ihr wollt (Berlin Verlag)

- Ulrich Peltzer: Das bessere Leben (S. Fischer)

- Peter Richter: 89/90 (Luchterhand)

- Monique Schwitter: Eins im Andern (Droschl)

- Clemens J. Setz: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (Suhrkamp)

- Anke Stelling: Bodentiefe Fenster (Verbrecher Verlag)

- Ilija Trojanow: Macht und Widerstand (S. Fischer)

- Vladimir Vertlib: Lucia Binar und die russische Seele (Paul Zsolnay)

- Kai Weyand: Applaus für Bronikowski (Wallstein)

- Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Matthes & Seitz)

- Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura (Berenberg)

- Feridun Zaimoglu: Siebentürmeviertel (Kiepenheuer & Witsch)