Kultur

"Gib mir doch das Sommerloch"

Für die Ausstellung der Anna Jill Lüpertz Gallery ist Martin Kippenberger Pate. Kunst soll auch Spaß machen

Das Gerede über das Sommerloch hatte sie ein wenig genervt, denn eigentlich ist der Sommer doch eine gute Zeit für die Kunst. Die Menschen sind gut gelaunt, viel offener und lassen sich gerne ablenken. Deswegen wollte Anna Jill Lüpertz ihre Galerie auf keinen Fall schließen, sondern eine Gruppenausstellung machen, mit Künstlern der Galerie und anderen, die sie kennt und schätzt. Für den Titel stand eine Anekdote über Martin Kippenberger Pate. Der exzentrische Künstler wollte unbedingt eine Ausstellung in seiner Galerie machen und erhielt zur Antwort: "Tut mir leid, das Programm ist voll." "Dann gib mir doch das Sommerloch", soll Kippenberger geantwortet haben. Wer diese Geschichte zum Aufhänger seiner Ausstellung nimmt, will sie nicht mit einem intellektuellem Konzept überfrachten. "Sie soll vor allem Spaß machen und hat auch mir selbst viel Spaß gemacht," sagt Anna Jill Lüpertz, die seit drei Jahren in der Potsdamer Straße direkt gegenüber des alten Tagesspiegel-Gebäudes in einem idyllischen Hinterhof vor allem junge Künstler vertritt.

Ein Kippenberger darf natürlich nicht fehlen, gleich im Eingangsbereich empfängt eine Radierung auf handgeschöpftem Japanpapier den Besucher, eine Kneipenszene, im Hintergrund ein Clown, das alles in kantigem Strich.

Zwei Arbeiten von Michel Würthle, dem einstigen Betreibers der legendären Paris Bar, die eine ebenfalls eine schnoddrig gezeichnete groteske Barsituation, die andere die Übermalung eines Kippenberger-Plakates, beide dokumentieren die langjährige Freundschaft der beiden Männer. Im unteren Raum der Galerie geht es ansonsten poppig zu: Eine großformatige Arbeit des bekannten schottischen Künstlers Douglas Gordon aus der Serie "Self Portrait of You + Me" zeigt einen verbrannten Print von Warhols Marilyn auf einem Spiegel, der das eigene Bild reflektiert.

Daneben hängen die comic-inspirierten Arbeiten des jungen Schotten Neal Fox, der mit Tinte und Wasserfarbe Mythen der Kunst-, Kultur- und Trivialgeschichte auf der Spur ist, die von Beuys bis zu einem amerikanischen Sänger aus den 60er-Jahren reicht, der sich für einen Messias aus dem All hielt. Wie Douglas Gordon arbeitet auch der Künstler Markus Keibel mit verbranntem Material, oftmals Büchern, hier einem Brockhaus, dessen Asche er unter die Gouache mischte, mit der er sein abstrakt anmutendes Schwarz-Weiß-Gemälde "Ultra Amnesia V" in einem komplexen manuellen Druckverfahren schuf. Neben ihm gehören drei andere in der Ausstellung präsentierte Künstler fest ins Programm der Galerie: Pola Sieverding, eine konzeptuell arbeitende Fotografin, der Schotte Robert Montgomery, der seine Gedichte in Kunstobjekte verwandelt, sowie Daniel Kannenberg, der sich in einem herrlich-rotzigen Gemälde über die Selfie-Sucht der Jugend lustig macht.

Natürlich dürfen in einer Ausstellung der Tochter von Markus Lüpertz Arbeiten vom Meister selbst nicht fehlen. So versammelt die Sommerlochausstellung humorvoll mit Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und Installation allerlei Beziehungsreiches und wird, so die Galeristin, vermutlich nicht die letzte dieser Art sein. Vielleicht sogar der Anfang einer Tradition?

Anna Jill Lüpertz Gallery, Potsdamer Stra- ße 98a, Di-Sa 10-18 Uhr. Bis 29. August.

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