Kultur

Bayreuth: Petrenko triumphiert und Castorf provoziert

Frank Castorf kostet die Reaktionen des Publikums auf seinen Opern-Vierteiler „Der Ring des Nibelungen“ in Bayreuth regelrecht aus. Buhrufe und Applaus schallen gleichermaßen durchs Festspielhaus, im Fußball wäre das ein klassisches Unentschieden. Castorf steht am Sonnabendabend nach der „Götterdämmerung“ mit seinem Regieteam minutenlang vor dem Vorhang. Eine Hand hat er lässig in die Sakkotasche gesteckt. Er kennt ja mittlerweile die emotionalen Wallungen, sein „Ring“ ist zum dritten Mal zu sehen. Anfangs waren die Reaktionen noch viel heftiger. Uneingeschränkten Jubel dagegen gibt es für den Dirigenten Kirill Petrenko, dem das Publikum einen denkwürdigen „Ring“ verdankt.

Die Regisseurin der Eröffnungspremiere eine Woche zuvor dagegen war nur kurz vor den Vorhang gehuscht: Dabei hatte Katharina Wagner gar keine Buhrufe zu fürchten. Ihre Inszenierung von „Tristan und Isolde“ stieß auf Zustimmung. Unnatürlich groß sei der Druck gewesen, hatte die Festspielchefin zuvor gesagt. Nach der Premierenwoche dürfte ihr also eine große Last von den Schultern gefallen sein. Es lief weitgehend rund – nicht nur dank ihrer düsteren „Tristan“-Deutung, auch auf den „Lohengrin“ von Hans Neuenfels mit dem Chor in Rattenkostümen war wieder Verlass. 2016 allerdings muss Bayreuth ohne die Kult-Inszenierung schlechthin der vergangenen Jahre auskommen. Ein Trostpflaster: Lohengrin-Sänger Klaus Florian Vogt, der das Publikum zu ungeahnten Jubelstürmen hinriss, singt im kommenden Jahr im neuen „Parsifal“ die Titelpartie.

Umso schwerer dürfte der Abschied von Petrenko fallen. Wie er bereits angekündigt hat, will er sich künftig auf seine Aufgabe als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München konzentrieren, ehe er dann 2018 Chef der Berliner Philharmoniker wird. In Bayreuth wird Marek Janowski seinen Part übernehmen. Wie er sich im Castorf’schen Chaos zurechtfindet und seinen Weg geht, das dürfte eine der spannenden Fragen 2016 auf dem Grünen Hügel werden.