Kultur

Stimmwunder Peter Schreier wird 80 Jahre alt

"Ich habe in der ganzen Welt gesungen, dafür bin ich dankbar", sagt Peter Schreier. Als gefeierter Tenor und Dirigent blickt er auf eine Weltkarriere zurück. Das Timbre aus Jugend und Weisheit war sein Markenzeichen. Am Mittwoch wird er 80 Jahre alt.

Unvergessen bleibt er als Evangelist in der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Seine Stimme konnte so schlank und zart sein – wenn er etwa vom Leiden und Sterben Jesu sang – dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können.

Blickt er heute auf seine Karriere zurück, fällt ihm sofort auch der Name Herbert von Karajan (1908-1989) ein. Den berühmten österreichischen Dirigenten nennt er seinen Mentor.

Erstmals auf der Opernbühne stand Schreier 1959 in Dresden zum Studienabschluss als "1. Gefangener" in Beethovens "Fidelio". Den Durchbruch schaffte er 1962 mit Mozarts "Die Entführung aus dem Serail". Danach begeisterte der "Exportschlager" aus der DDR auf allen großen Bühnen der Welt.

Der gebürtige Meißner wuchs im nahe gelegenen Dorf Gauernitz auf. In seinem Elternhaus wurde zweimal in der Woche musiziert. Sein Vater war Kantor und Lehrer. Schreier studierte von 1956 bis 1959 Gesang und Dirigieren in Dresden, wo er heute noch lebt. Einen Namen machte sich der inzwischen mehrfache Großvater auch als Liedinterpret. Er gilt als hervorragender Schubert- und Schumann-Sänger. Mit 70 Jahren verabschiedete sich der Tenor von seinem Publikum – 2005 in Prag. Dort war er ein letztes Mal im Weihnachtsoratorium von Bach live zu hören.

Auch mit 80 Jahren kann Schreier noch überraschen. Im September dirigiert ein Benefizkonzert in Dresden. Es soll Geld für eine neue Orgel im Kulturpalast zusammenkommen. "Manchmal muss man über seinen Schatten springen", sagt er. Er sei gefragt worden und stehe zu seiner Zusage.

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