Festival

JazzFest Berlin wagt den Blick nach vorn

Der englische Journalist Richard Williams ist der neue Künstlerische Leiter. Und präsentiert sein erstes Programm der Entdeckungen und Überraschungen

Kein Rückblick. Keine Hommage. Keine Eloge auf den Glanz vergangener Jahre. Richard Williams, der neue Künstlerische Leiter des JazzFest Berlin, will den Blick konsequent auf das Heute und in die Zukunft richten. Der britische Musik- und Sportjournalist, der bisher noch nie ein Festival kuratiert hat, präsentierte am Mittwoch schon früh im Jahr sein Programm, das er sich für das JazzFest 2015 ausgedacht hat.

Festspiele-Intendant Thomas Oberender hat sich mit dem Londoner Richard Williams, Jahrgang 1947, einen durchaus ungewöhnlichen Nachfolger für Jazzpublizist Bert Noglik, der die drei vorigen Jahrgänge verantwortet hat, ans Haus geholt. Williams schreibt seit den 60er-Jahren über Rock, Pop und Jazz, war Redakteur und später auch Herausgeber der Musikmagazine „Melody Maker“ und „Time Out“, schrieb lange Jahre für die „Times“ und war der erste Moderator der legendären BBC-TV-Musiksendung „The Old Grey Whistle Test“. Auch war er eine Zeit lang A&R-Manager für das Plattenlaben Island Records. Er hat Bücher veröffentlicht über Bob Dylan, Miles Davis und Phil Spector. In den 80er-Jahren wandte er sich schwerpunktmäßig dem Sportjournalismus zu.

Er habe sich bereits in den frühen 60er-Jahren in den Jazz verliebt, sagt er. „Es war eine Zeit, in der sich alles sehr schnell veränderte. Der Jazz hatte sich von New Orleans zum New Thing entwickelt, von Louis Armstrong zu Albert Ayler. Es war eine Suche nach neuen Gefühlen und neuen Möglichkeiten, sie auszudrücken.“ Diese Suche findet sich auch im Programm, das von Auftritten zweier Big Bands eingerahmt wird. Zum Festivalauftakt am 5. November trifft die 24 Musiker starke Berliner Big Band Splitter Orchester auf den Posaunisten und Komponisten George Lewis. Das Finale bestreitet am 8. November die ebenfalls in Berlin gegründete Großformation „Diwan der Kontinente“. Insgesamt sind beim JazzFest 120 Musiker und Musikerinnen in 18 Formationen vertreten. Charles Lloyd beispielsweise, der 77jährige amerikanische Saxofon-Veteran, ist dabei. Und Keith Tippett, der britische Pianist.

Ansonsten sind es mehrheitlich junge Musiker, die sich bei diesem Festival vorstellen. Erwähnt seien der US-Trompeter Ambrose Akinmure und die Sängerin Cecile McLorin Salvant. Auch die ARD-Hörfunkanstalten sowie Deutschlandradio sind wieder an Bord. Neben dem Festspiele-Haus sind der Jazzclub A-Trane, die Akademie der Künste und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche weitere Spielorte. Der Kartenvorverkauf startet am 25. September. Infos unter www.berlinerfestspiele.de/jazzfest.