Kultur

Mit Würde trägt er schlecht sitzende Anzughosen

Schauspieler Michael Cera ist auch ein komischer Sänger

Michael Cera ist kein Filmstar, der den Beau in glamourösen Produktionen gibt, sondern entweder Nerds oder Freaks mimt. Die Festlegung auf solcherlei Rollen hat etwas mit Ceras Gesichtsform zu tun, der ohne sein Zutun eine fast schon magische Komik inneliegt. Er ist ein ewiger 16-Jähriger, ein Junge mit hinreisend treuem Hundeblick und dünn sprießendem Bart, seine Frisur ist immer irgendwie verschnitten, die Arme sind ein bisschen zu lang, der Kopf etwas zu groß. Der Blueprint des Geeks, einer Spezies, die es nur in amerikanischen High-Schools gibt, wo sie gestreifte Pullunder tragen, ihre Freizeit im Naturwissenschaftsclub verbringen und von Footballspielern gemobbt werden. Cera spielte den einfühlsamen Nerd, der seine Klassenkameradin schwängert und dabei konsequent ein gelbes Frottestirnband und Pulswärmer trug („Juno“), den Streber („Superbad“) und einen durchgeknallten Drogenfuzzi („The Crystal Fairy“). Doch seine beste Rolle war die erste – als George Michael Bluth in „Arrested Development“. Man muss George Michael einfach lieben, für die schlecht sitzenden und doch mit großer Würde getragenen Anzughosen und den miesen, in ebenjene Hosen gestopften Hemden und seinen aufrichtig hilflosen Witz.

Doch Michael Cera spielt eben nicht nur Nerds, sondern auch Gitarre. Sein erstes Album „True That“ kann man sich auf der Internetplattform Bandcamp anhören. Lupenreiner Lo-Fi, nicht editiert oder produziert. Rauschende ­Instrumentals, Herumgeklimper, das man mit gutem Willen als experimentell beschreiben könnte und folkige Balladen, aufgenommen in Wohnzimmern oder Wandschränken, wer weiß das schon so genau.

Im Privatclub tritt Cera als Teil eines Duos auf, teilt sich die Showtime mit Freund und Partner Alden Penner. Penner und Cera sind gewissermaßen das Gegenteil voneinander, Letzterer ist still und ernst, der Schauspieler eher genauso ulkig und verschroben wie seine Rollen. Penner feierte seine ersten Erfolge mit einer Band namens The Unicorns, deren bestes Album (zwei haben sie aufgenommen) einen Titel trägt, der eine so existenzialistisch wie kosmetische Frage stellt: „Who Will Cut Our Hair When We’re Gone?“. Die Band liegt mittlerweile auf Eis, die neuen Solostücke hat er unter dem Titel „Canada in Space“ zusammengefasst. Um schwarze Löcher oder Vulkanismus geht es in den Songs allerdings nicht, sie handeln von Gott, Todessehnsucht und – zugegebenermaßen vielleicht doch etwas spacigen – Jenseitsfantasien.

„Ich mach mich auf die Socken“, grüßt Cera das Berliner Publikum auf Deutsch. Er war als Bassist angekündigt, aber eigentlich spielt jeder einmal alle Instrumente, nur die Trompete bleibt Penner vorbehalten. Cera bringt lieber Langsameres. Wenn er mit brüchig hoher Stimme sein Liebeslied „Oh Nadine (You Where In My Dream)“ singt, dann passen die bierseligen Gespräche, die sich durch den Raum ziehen, perfekt zu dieser schmalzig-romantischen Mischung aus Schwäche und Zerbrechlichkeit, die keiner ernsthafter als Michael Cera vortragen könnte. Dass der Schauspieler die Moldy Peaches verehrt, ist nicht von der Hand zu weisen: „Anyone Else But You“ hat er schon bei Juno gecovert. Bei „Meditate“ regieren psychedelische Gitarren, die in der heiß-stickigen Luft des Privatclubs eine besonders hypnotische Note bekommen. Ceras Musik ist gut, Penners Songs sind besser, fast so schön, wie die der Unicorns waren.

Im Privatclub stehen eine Menge Leute, wahrscheinlich mehr als gekommen wären, wenn Alden Penner alleine aufgetreten wäre. Zum Schluss bekommen die beiden Protagonisten und ihre zwei Mitmusiker viel Applaus und geben zwei Zugaben. Im Internet gibt es einen Blog, auf den Leute Bilder hochladen, die zeigen wie Michael Cera in der New Yorker U-Bahn sitzt. Auf diesen Handyfotos sieht man, wie Cera versucht, so zu tun, als merke er nicht, dass er gerade fotografiert wird. So schlimm ist es heute Abend nicht.