Kultur

Französische Sommernacht in Mitte

Ute Lemper begeistert mit ihrem Chanson-Abend beim Classic Open Air

In früheren Jahren musste man immer vom Regen sprechen. Der war ein ständiger Begleiter des Classic Open Air am Gendarmenmarkt, wenn er es nicht ganz verhagelt hat. Diesmal muss man von der Hitze sprechen. Mit jedem Abend heizen sich die Steinplatten auf dem Platz weiter auf. Glücklich, wer einen Fächer eingesteckt hat! Ute Lemper ist dann quasi die Katze auf dem heißen Steinplatz. Sie ist am Sonntag der Stargast der französischen Sommernacht. Und das ist ein doppelter Clou. Es gab da mal ein Zerwürfnis zwischen La Lemper und der Stadt, seither ist die Diva Weltstar in New York, findet nur ab und an nach Berlin. Und das Chanson hat sie eigentlich abgelegt. Sie singt lieber Tango und Selbstkomponiertes.

Heute aber interpretiert sie wieder einmal Chansons von Jacques Brel und Edith Piaf. Gleich mit ihrem ersten Lied hat sie den Platz auf ihrer Seite, wenn sie bei Piafs „Milord“ vom „kleinen Milord am Gendarmenmarkt“ singt und das Ende sogar jodelt. Die Lemper, die am Vorabend 52 wurde, ist immer noch hochattraktiv in ihrem schwarzen Trägertop und dem silbernen Plissérock. Ihre Stimme ist ein wenig angekratzt, das stört aber nur etwas bei ihrer Moderation. Ihren Interpretationen der Chansons gibt das etwas Verruchtes, was einen spannenden Kontrast bildet zu dem opulenten Sound der von Heinz Walter Florin dirigierten Nürnberger Symphoniker. Madame macht jedes Chanson zu etwas Ureigenem, Lemperischen. Jedes Lied ein Highlight.

Dagegen müssen einem Lisa Tjalve und Remus Alazaroae fast leid tun. Sie bestreiten den ersten Teil des Abends und müssen dabei nicht nur gegen den Weltstar ansingen. Sondern sie erweitern den Chansonabend mit klassischen Opernarien von Bizet, Gounod und Massenet. Der rumänische Tenor ist anfangs etwas steif und unsicher und vermasselt prompt die ersten Spitzentöne. Die dänische Sopranistin ist nicht nur bei weitem stimmsicherer, sie versteht das Publikum auch gleich mit kokettem Körpereinsatz und wallendem Chiffon einzuwickeln. Und den Tenor im einzigen gemeinsamen Duett aus der Reserve zu locken.

Das Publikum ist dennoch für die Lemper gekommen und fremdelt etwas mit dem Klassikteil. Ganz am Ende des Abends dräut dann doch wieder der alte Gefährte Regen. Ein Gewitter baut sich drohend über Mitte und den Gendarmenmarkt auf, traut sich aber nicht an Ute Lemper heran. Wind und Wetterleuchten treiben einige Fans voreilig in die Flucht, setzen aber dramatische Schlussakzente. Erst zum Applaus bricht das Unwetter los.