Kultur

Bietergefechte und Wertsteigerungen

Die geheimnisvolle Sammlung Rohde-Hinze wurde in der Villa Grisebach versteigert

Mit großer Spannung war der Versteigerung der Alten Meister aus der Sammlung Rohde-Hinze entgegengefiebert worden. Trotz der Hitze hatten sich viele Kunstliebhaber in der Villa Grisebach eingefunden, etliche Interessenten aus aller Welt beteiligten sich mit Geboten an den Telefonen. Schon im Vorfeld hatte es viel Aufsehen um diese Auktion gegeben, denn die lange verschollen geglaubte Sammlung war eine der letzten aus der großen Zeit des Berliner Kunsthandels in den Goldenen Zwanzigern. Sie wurde über den Zweiten Weltkrieg gerettet.

Stefan Körner, Experte der Orangerie-Abteilung, kam aus dem Staunen nicht heraus, als er, eingewickelt in eine Seite des Berliner Tagesblatts von 1925, die schöne Paradieslandschaft von Jan Brueghel d. J. und Frans Wouters aus dem Jahr 1634/35 entdeckte. Mit einem Schätzwert von 300.000-500.000 Euro war sie das Spitzenlos der drei Versteigerungen der Sammlung Rohde-Hinze: Am Freitagabend gingen knapp 100 Gemälde Alter Meister unter den Hammer und in zwei Auktionen am Samstag dann etwa 300 Werke der angewandten Kunst, darunter historische Möbelstücke, seltene Porzellane und wertvolle Asiatika. Die Paradieslandschaft erfüllte die Erwartungen der Villa Grisebach zwar nicht. Mit 180.000 Euro (alles Hammerpreise) wechselte sie weit unter dem unteren Schätzwert den Besitzer, was im Saal ein großes Geraune auslöste. Aber mit rund vier Millionen Euro lag der Erlös am Ende des Abends weit über dem mittleren Schätzwert bei 2,8 Millionen Euro. Weit über diesem lagen mit 170.000 Euro der sinnierende Jüngling (1581) von Lavinia Fontana de Zappis sowie mit 270.000 Euro die Dorfkirmes (um 1634) von Sebastian Vrancx. Zum unverhofften Spitzenlos des Abends entwickelte sich in einer fulminanten Bieterschlacht Jacob Isaacksz van Ruisdaels Wasserfall, den ein bayrischer Privatsammler zu einem Preis von 650.000 Euro ersteigerte.

Am Samstag ging es weiter. Zwei Buddhafiguren aus der Ming-Dynastie, die mit einem Anfangspreis von 30.000 Euro angeboten wurden, gingen nach heftigen Gefechten zwischen chinesischen Bietern für 531.250 Euro an einen neuen Besitzer. Am Ende des Tages blickte die Villa Grisebach mit einem Ergebnis von 6.750.000 Euro auf die bislang erfolgreichste Auktion der Sparte „Orangerie. Ausgewählte Objekte“ zurück. „Die Auktion ist phänomenal gelaufen“, freute sich Bernd Schultz, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Villa Grisebach schon am Sonnabendvormittag. „In London und New York hätte man nicht mehr dafür erzielen können.“