Kultur

Thielemann ist Musikdirektor der Wagner-Festspiele

Der Dirigent bekommt damit in Bayreuth mehr Einfluss

Der Berliner Dirigent Christian Thielemann darf sich nun Musikdirektor der Bayreuther Festspiele nennen. Die Gesellschafter der Festspiele hätten Thielemann kürzlich mit einem entsprechenden Vertrag ausgestattet, sagte Festivalsprecher Peter Emmerich am Montag. Welche Aufgaben mit dem neuen Titel konkret verbunden sind, werde man auf einer Pressekonferenz zum Festspielstart erläutern. Bislang war der 56-Jährige musikalischer Berater der Festspielleitung. Als Musikdirektor dürfte er einen deutlich erweiterten Verantwortungsbereich haben.

Der Chef der Dresdner Staatskapelle wird am 25. Juli zur Festspieleröffnung die Richard-Wagner-Oper „Tristan und Isolde“ in der Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner dirigieren. Hier kam es erst vor wenigen Tagen zu einer überraschenden Umbesetzung: Anja Kampe gab ihre Rolle als Isolde zurück, Evelyn Herlitzius springt ein. Der Wechsel in der Titelpartie wenige Wochen vor der Premiere wurde von heftigen Spekulationen begleitet, da die Festspiele keine Gründe für die Umbesetzung genannt haben. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Emmerich. Kampe wird aber dennoch bei den diesjährigen Festspielen auftreten, sie singt die Sieglinde in „Die Walküre“. Herlitzius debütierte 2002 in Bayreuth als Brünnhilde.

Durchstanden sind in Bayreuth unterdessen die Kontroversen über ein angebliches Hügelverbot für Eva Wagner-Pasquier, 70, die zum Ende der diesjährigen Festspiele aus der Festivalleitung ausscheidet. Anfang des Monats hatte es Berichte gegeben, wonach sie aufgefordert worden sein soll, in der finalen Probenphase nicht anwesend zu sein.

Eva Wagner-Pasquier sei im Festspielhaus präsent und erledige ihre Arbeit – „und das bis Ende August“, sagte Emmerich. Dann läuft ihre Amtszeit aus. Die erfahrene Opernmanagerin und ihre Halbschwester Katharina Wagner, 37, hatten 2008 die Festivalleitung übernommen. Dieses Doppelmodell hatte noch ihr Vater Wolfgang Wagner auf die Wege gebracht, weil zu diesem Zeitpunkt eine Weitergabe an die junge Regisseurin Katharina Wagner kulturpolitisch nicht vermittelbar war. Von diesem Herbst an ist sie nun allein Chefin – mit Musikdirektor Christian Thielemann an ihrer Seite. Die Modell war lange angestrebt worden.