O2 World

Wie die Ehrlich Brothers ihr Berliner Publikum austricksen

Die Ehrlich Brothers sind die ersten, die es geschafft haben, in Deutschland eine zeitgemäße Zaubershow auf die Bühne zu bringen. Bei ihrem Auftritt in der O2 World assistierte Comedian Mario Barth.

Foto: Frank Hoensch / Getty Images

Sie beherrschen die große Kunst der Illusion. Sie verstehen es, ihr Publikum auszutricksen mit komödiantischem Charme und stupender Fingerfertigkeit. Und am Ende ist sich ein jeder sicher, dass die Brüder Andreas und Christian Reinelt, die seit einigen Jahren als Ehrlich Brothers die großen Hallen der Republik erobern, tatsächlich mehr als zwei Meter lange Eisenbahnschienen mit bloßen Händen verbiegen und zu einem Herzen formen können. Gleich zweimal waren sie jetzt mit ihrer Show „Magie – Träume erleben“ in der O2 World zu erleben und rund 6000 Zuschauer feierten die zauberhaften Entertainer am Samstagabend enthusiastisch.

Natürlich kann man Eisenbahnschienen nicht von Hand verbiegen. Ebenso wenig, wie sich Jungfrauen unblutig zersägen lassen oder Menschen durch massive Wände gehen können. Doch die große Kunst der Illusionisten, ob David Copperfield oder Lance Burton, Kevin James oder Hans Klok ist es, ihr Publikum in dem Glauben zu wiegen, dass eben all dies möglich ist. Die Ehrlich Brothers sind die ersten, die es geschafft haben, in Deutschland eine junge, frische und zeitgemäße Zaubershow auf die Bühne zu bringen. Dabei kommen sie anders als Siegfried & Roy ganz ohne Tiere aus. Und auch spärlich bekleidete Assistentinnen sucht man vergebens. Die Brüder sind die Show. Und das Publikum, aus dem immer wieder neue Helfer und Begutachter auf die Bühne geholt werden.

Freilich sind einige ihrer Nummern bereits bestens aus diversen Fernsehauftritten bekannt. Doch sie bekommen live eine neue Qualität. Wie die Eröffnung, bei der die beiden einem überdimensionierten, aber dennoch superflachen Tabletcomputer entsteigen. Andreas Ehrlich, mit 36 Jahren der ältere der beiden, zwängt sich als erster aus dem Gerät, dann verlässt der 32-jährige Chris Ehrlich den Flachbildschirm und röhrt mit einem ausgewachsenen Motorrad ins Rampenlicht. Als komödiantisches Duo machen die beiden gute Figur, auch wenn manche ihrer Gags und Kalauer recht flach daherkommen. Doch fällt das beim Tempo der Show kaum ins Gewicht.

Mario Barth als Assistent

Sie zeigen kleine Kartentricks ebenso wie aufwendig konstruierte Illusionen. Darunter eine Entfesselungsnummer unter bedrohlich rotierenden Sägeblättern. Sie scheint zu misslingen hinter den weißen Laken, die sich plötzlich blutrot färben. Doch ums Umsehen steht Chris Ehrlich plötzlich höchst lebendig am anderen Ende der Halle im Publikum. Sie steigen durch massive Stahlplatten. Sie lassen unter den staunenden Augen eines kleinen Mädchens ein Orangenbäumchen wachsen. Sie zeigen auch Klassiker des magischen Repertoires, wie den scheinbar auf Händen tanzenden und schwebenden Papierball, den Chris Ehrlich zur Papierblume formt, die in einem kleinen Feuerball zur echten Rose wird.

US-Magier Kevin James hat diese poetische Nummer erdacht, die auch zum Repertoire von David Copperfield gehört. Und nun auch in der Version der Ehrlich Brothers ihren kleinen, großen Zauber behält. Wie man mitten im Publikum einen echten und randvollen Zwei-Liter-Humpen Bier unter einem kleinen Tuch hervorzaubern kann, ist ebenso verblüffend wie die erratene Zahlenkombination aus Tausenden von durchnummerierten Eintrittskarten in einem Einkaufswagen, wobei der Comedian Mario Barth in einer „Liveeinspielung“ assistiert.

Schneegestöber in der O2 World

Die Brüder aus dem ostwestfälischen Bünde waren von Kind an von der Zauberei fasziniert. Seit 2000 arbeiten sie als Duo und haben ihr Programm mehr und mehr perfektioniert. Als sie vor gut drei Jahren endlich mit einer großen Show auf Tournee gehen wollten, fand sich kein Veranstalter, der sich auf das Wagnis einlassen wollte. Also organisierten sie alles selbst und waren am Ende selbst überrascht vom großen Publikumszuspruch. Inzwischen sind sie ein eigespieltes Unternehmen, wurden bereits mehrfach für ihre Show ausgezeichnet und ziehen mit einem Tross von gut 30 Helfern und drei Vierzigtonnern durchs Land.

Ans Ende ihrer so leichtfüßig daherkommenden Aufführung setzen sie noch so einen Klassiker des Genres. Sie lassen es schneien. Sie entfachen ein Schneegestöber in der O2 World. Mit bloßen Händen. Und zaubern ein letztes Lächeln auf die Gesichter des lang applaudierenden Publikums. Gegen Ende ihrer Tournee kehren sie noch einmal zurück nach Berlin. Vom 8. bis zum 10. November treten die Ehrlich Brothers im Admiralspalast auf.