Filmepos

Der dritte Teil des „Hobbits“ ist eine einzige große Keilerei

Schluss mit der Tolkienade: Peter Jackson beendet nach 13 langen Jahren seine Mittelerde-Filmsaga. Was mit „Herr der Ringe“ groß begann, endet jetzt traurig klein mit „Die Schlacht der fünf Heere“.

Foto: ©2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND METRO-GOLDWYN-MAYER PICTURES INC/Fotografie: Mark Pokorny / WARNER BROS./Mark Pokorny

Eigentlich, so viel muss man schon verraten dürfen, eigentlich ist dieser Film ja nach einer Viertelstunde vorbei. Und man reibt sich verwundert die Augen. Wie jetzt? Zwei Filme lang hat man darauf gewartet, dass der böse Drache Smaug bekämpft wird. Am Ende des ersten „Hobbit“-Films hat Smaug wenigstens mal ein Auge aufgemacht, am Ende des zweiten haben sie dann den alten Puhdys-Hit wahr gemacht und endlich den Drachen steigen lassen.

Herrje, was haben wir nur angerichtet: Mit diesem Satz wurden wir vor einem Jahr aus dem Kino entlassen. Und glaubten an ein langes Höllendrachenfinale. Aber von wegen. Nachdem zwei Filme lang ganze Völker vor diesem Smaug gebibbert haben, wird der nun ganz schnell von einer einzigen Hand erlegt. Und auch noch recht profan mit einem Stück Stahl.

Endloses Hauen und Stechen

Da stehen sie dann, der Hobbit und seine 13 Zwerge und Gandalf. Stehen da und wundern sich selbst, was jetzt noch kommen soll. Nach langem Luftholen wird dann einfach drauflos geschlachtet. Ein einzig’, endlos’ Metzeln. Es gibt ja zum Glück noch die Orks, diese hässlichen Grummelmonster, die gegen die Zwerge, die Menschen und die Elben ziehen. „Die Schlacht der fünf Heere“ heißt der dritte Teil, obwohl wir hier nur auf vier Parteien kommen. Denen wird irgendwann einfach noch ein weiteres Heer dazugeschummelt. Macht aber nichts, wir wollen jetzt nicht kleinlich sein. Ist ja eh alles nur ein Hauen und Stechen.

75 Minuten soll das dauern. Wir haben die Zeit nicht gestoppt, aber das kann schon hinkommen. Die wohl ausgiebigste Schlachteplatte der Filmgeschichte. „333: Große Keilerei“, das ist das Einzige, was die meisten aus dem Geschichtsunterricht über die Schlacht von Issos behalten haben. Genauso müsste die Eselsbrücke bei diesem Film heißen: „Hobbit 3: Große Schlachterei“. Worum es genau bei Issos ging, da müssen die meisten passen. Und viel mehr, das prophezeien wir schon heute, wird auch vom letzten „Hobbit“ nicht in Erinnerung bleiben.

Ein Ballon kurz vor dem Platzen

Das ist tragisch. Immerhin hat Peter Jackson mit seiner „Herr der Ringe“-Trilogie (2001–2003) ja Filmgeschichte geschrieben. Aber am Ende ging’s ihm wie George Lucas mit dessen „Star Wars“: Er konnte von seiner Saga nicht lassen, konnte nicht Abschied nehmen. Und ließ der ersten Trilogie eine zweite folgen. Die dann zwar schon wieder viel spektakulärere Effekte aufbot, aber nur noch von einer dünnen Handlung zusammengehalten wurde, die im ersten Dreier höchstens einen Film gefüllt hätte.

Im „Hobbit“ handelt es sich sogar um eine hauchdünne Handlung. Wo andere Filmemacher dickleibige Wälzer der Literatur auf zwei Stunden Kino herunterbrechen, wählte Jackson kühn den umgekehrten Weg. Und blähte ein schmales Bändlein wie J.R.R. Tolkiens „Hobbit“ dermaßen auf, dass daraus wieder neun Stunden Film werden konnten wie beim „Herrn der Ringe“. Das wird erneut Filmgeschichte schreiben. Nur leider nicht im gewünschten Sinn. Handelt es sich hierbei doch um die dreisteste Wegelagerei der gesamten Kinematografie.

Wie bläst man einen kleinen „Hobbit“ zum Ring-, zum Jackson-Format auf? Es ist wie beim Luftballon. Man pumpt und pumpt und pumpt. Auch wenn man immer Angst haben muss, dass die Blase platzen könnte. Das ist mit dem Ballon namens „Hobbit 3“ doch nicht geschehen. Aber das bisschen Hülle ist doch so dünn geworden, dass man klar hindurchsehen kann. Der Film-„Hobbit“ ist nicht viel mehr als eine Variation, ja ein Remake des „Rings“. Mit 13 Zwergen statt sieben Gefährten, mit einem Bilbo statt einem Frodo als Hobbit und einem Arkenstein statt des Rings.

Fleisch gewordene Déjà-vus

Peter Jackson hat dabei irgendwie alles, was noch auf seinem Rechner gespeichert war, recycelt. Die Riesenspinnen und die Orks und die Auenlandschaften. Man mag auch kaum glauben, dass Ian McKellen, Cate Blanchett oder Orlando Bloom wirklich noch mal vor der Kamera standen. Wahrscheinlich waren auch sie längst auf Festplatte digitalisiert und mussten nur noch hochgerechnet werden. Sie sind ja auch nicht mehr als fleischgewordene Déjà-vus, die dem Publikum ständig ins Auge zu zwinkern scheinen: Weißt du noch, damals, beim „Herrn der Ringe“…?

Aber während Jackson damals einen als unverfilmbar verschrienen Mammutwälzer mit solch epischem Atem adaptierte, dass selbst die kritischsten Fans zufrieden waren, hat der „Hobbit“ keine Dramaturgie, keine Spannung und keine Tiefe. Von Anfang an war „Der Hobbit“ nur ein Aufkochen, ein Appendix, dazu ausersehen, so viel Gold zu scheffeln wie Drache Smaug in seinem Dagobert-Duck-Schloss. Ein Schelm, wer eine Parallele zwischen Jackson und seinem Smaug erkennen mag.

Was kann Peter Jackson jetzt noch bringen?

Wir werden jetzt mit unseren Nichten zu Hause noch mal die ersten beiden Teile gucken müssen, bevor wir für den dritten ins Kino gehen. Danach wollen sie sich bestimmt auch noch mal alle drei „Ringe“-DVDs vornehmen, die sich zeitlich ja anschließen. Das sind dann, wenn wir uns ums Bonusmaterial drücken können, 1032 Minuten. Also 17,2 Stunden. Dann haben wir es aber geschafft. Mit dem „Hobbit“ ist die Mittelerde endgültig abgearbeitet. Jetzt ist Schluss mit der Tolkienade.

Was nur, drängt sich als bange Frage auf, bleibt Peter Jackson nach 13 Hobbit-Jahren noch zu tun? In Depression verfallen? Oder wieder etwas von der Größe eines „King Kong“ folgen lassen? Kleine Dramen wie früher kann er wohl nicht mehr. Eigentlich gibt es nur noch eine Möglichkeit, seinen Bombast zu toppen: ein Film über Waterloo. Daran ist bislang noch jeder Filmemacher gescheitert. Es wäre zumindest ein Jackson gemäßes, titanisches Unterfangen.