Berlin

Weihnachtsoratorium im Berliner Dom mit sexy Nonnen

Christoph Hagel inszeniert Bachs Weihnachtsoratorium im Berliner Dom - mit einer Schafherde und Nonnen im Minirock. Für traditionelle Gemüter ist das eher nichts.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Hirte leitet sein Vieh, um ihm den Weg zu zeigen. Er schaut zurück und versichert sich, dass keines seiner Schafe verloren gegangen ist. Anders als in der biblischen Geschichte führt der Hirte die Tiere nicht auf die grüne Weide, sondern auf die Bühne des Berliner Doms. Aufgeführt wird Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“, inszeniert hat es Christoph Hagel. Die Musik hat er nicht angerührt, aber die Aufführung ist nicht nur besinnlich.

Am Donnerstag feiert das „Weihnachtsoratorium“ Premiere, bei der Generalprobe war auf jeden Fall die Schafsherde in Form. Auf die Frage, ob es schwer ist, mit den Tieren auf der Bühne zu arbeiten, antwortet Christoph Hagel: „Sie waren sehr talentiert und haben schneller gelernt als die anderen Mitwirkenden.“ Harmlos ist die Inszenierung nicht: Es räkeln sich leicht bekleidete Tänzerinnen in schon fast obszönen Posen am Boden. Für manch einen mag der Dom nicht der richtige Ort für dieses sexuell freizügige Schauspiel sein. Das Spiel mit den Tabus ist für Hagel Routine. Laszive Tänze zu klassischer Musik sind schon lange ein wichtiger Bestandteil seiner Abwandlungen.

„Zauberflöte“ im U-Bahnhof Bundestag

Hagels Inszenierungen sind vor allem eins: nie langweilig. Einen Namen machte sich der Regisseur und Dirigent in Berlin mit der Kombination von klassischer Musik und zeitgenössischen Tänzen, sowie mit der Aufführung seiner modernen Adaptionen an ungewöhnlichen Orten: „Don Giovanni“ im E-Werk oder die „Zauberflöte“ im U-Bahnhof Bundestag.

„Ich wollte schon seit zwei Jahren das ‚Weihnachtsoratorium‘ aufführen“, sagt Christoph Hagel. Unter der Begleitung der Berliner Symphoniker verwandeln die Staatliche Ballettschule Berlin und das Deutsche Fernsehballett den Dom in ein vorweihnachtliches Tanztheater. Eine Handlung im engeren Sinn gibt es jedenfalls nicht. In unterschiedlichen Episoden und Tänzen zeigen die Darsteller, auf welch ungleiche Weise Weihnachten gefeiert werden kann, und was für den Einzelnen im Vordergrund steht, wie etwa die kirchliche Tradition, die Familie oder die Geschenke und der Konsum. „Weihnachten soll jedem auf seine Weise Freude machen“, sagt Hagel.

Hagels drittes Crossover-Projekt

Bei dem Original des „Weihnachtsoratorium BWV 248“ von Johann Sebastian Bach handelt es sich um ein sechsteiliges Oratorium für Chor, Orchester und Soli, dass erstmals 1734 in den Leipziger Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai aufgeführt wurde. Die original handgeschriebenen Noten befinden sich nicht weit vom Berliner Dom, in der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden.

Nach „Flying Bach“ und der „Johannespassion“ ist es derweil Hagels drittes Crossover-Projekt. Unterstützt wurde er dabei von den Choreographen Yeri Sanchez, Aleks Uvarov, Norman Beck und Ingo Günther. Schon „Flying Bach“ bot eine faszinierende Performance und kombinierte Breakdance mit der klassischen Musik von Johann Sebastian Bach. 2010 wurde der Welterfolg mit dem Echo Klassik Sonderpreis ausgezeichnet.

Auch in seiner Fassung des weihnachtlichen Musikschauspiels gelingt es Christoph Hagel, epochenübergreifende Tanzstile miteinander zu verbinden und den jungen sowie älteren Zuschauern etwas zu bieten: Ein Mix aus Barock- und Revuetanz, bei dem auch Breakdance und Bollywood ihren Platz finden.

Das Stück hat Donnerstag, 4. Dezember, um 20.15 Uhr im Berliner Dom Premiere und wird voraussichtlich bis 3.Januar regelmäßig aufgeführt.

Ort: Berliner Dom, Am Lustgarten, 0180-6395300, Ticketpreise: 26–59 Euro