Theater des Westens

Der Frauenflüsterer verrät sein Geheimnis

Schauspieler Cusch Jung ist im Theater des Westens wieder als Harry im Musical „Mamma Mia!“ zu erleben. Er liebt die Frauen nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat. Ein Gespräch.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture/Buddy Bartelsen

„Mamma Mia!“ reloaded. Bereits 2002 war Cusch Jung bei der deutschen Erstaufführung im Operettenhaus Hamburg dabei. Nun ist das erfolgreiche Musical nach Berlin zurückgekehrt. Mit ihm auch Cusch (Klaus) Jung (56), der wieder den Harry, einen der mutmaßlichen Väter, spielt. Wir sitzen im imposanten Spiegelsaal des legendären Theater des Westens und plaudern über seine Rolle und seinen Beruf.

Berliner Morgenpost: Herr Jung, was hat sich verändert seit der Erstaufführung?

Cusch Jung: Ich bin zwölf Jahre älter und habe zwölf Jahre Lebenserfahrung mehr. Scherz beiseite. Grundsätzlich hat sich nichts verändert. Nur die Technik ist nicht mehr so kompliziert. Vieles wird wieder mit der Hand gemacht. Nach dem Motto: Aus wenig mach’ viel. So kann man besser mit der Fantasie des Zuschauers spielen.

Seinerzeit arbeiteten Sie mit den Machern Benny Anderson und Björn Ulvaeus von Abba zusammen. Was haben Sie aus dieser Begegnung mitgenommen?

Dass auch Menschen, die Millionen haben, bescheiden sein können. Benny und Björn waren bei der Produktion 2002 sehr hilfreich. Und die Lieder, die die Jungs geschrieben haben, sind toll. Auch mein Part mit dem Lied „Unser Sommer“ ist nicht einfach zu singen. Ja, die Texte im Musical „Mamma Mia!“ wurden alle übersetzt und die Dialoge erhielten einen Berlin-Bezug. Das trägt zum besseren Verständnis bei.

Sie schlüpften in viele Rollen, unter anderem auch in die von Che Guevara, das war 1986 in Oberhausen. Sind Sie ein Macho?

Ich kann einen spielen, bin es aber nicht, denn dazu mag ich die Frauen zu sehr. Außerdem bin ich seit 30 Jahren verheiratet.

Sie waren auch Moderator der Dino-Show. Lieben Sie Tiere?

Zuhause nicht! Ich bin in jungen Jahren von einem Schäferhund gebissen worden. Das prägt. Zudem hemmen mich Haustiere in meiner Möglichkeit, spontan zu sein. Um auf die Dinos zurückzukommen, die mochte ich sehr. Diese gigantische Arena-Show war eine super Erfahrung. Als der Tyrannosaurus Rex auf mich zukam und sein Gebiss zeigte, das war schon ein besonderes Gefühl. Ich wollte nur flüchten. Aber halt, ich habe Maxi vergessen. Das ist ein blauer Wellensittich, der mir vor zehn Jahren bei Proben im Theater des Westens zugeflogen ist. Ich habe ihn mit nach Hause genommen, weil sich der Besitzer nie gemeldet hat. Der lebt immer noch. Den Vogel meine ich.

Sie spielen seit 1970 Theater, davon über 20 Jahre im Theater des Westens. Sie traten hier mit Stars wie Ute Lemper, Leslie Caron, Hildegard Knef und Helen Schneider auf. Welche Rolle war Ihre liebste?

Immer die, die ich gerade spiele. Wenn ich mich festlegen muss, dann sage ich: Professor Higgins in „My Fair Lady“. In dieser Rolle kann man herrlich mit der Stimme spielen. Ich parodiere für mein Leben gern, besonders Friedrich Schönfelder, Heinz Erhardt und Reinhard Mey.

Sie spielen Klavier, Gitarre, führen Regie und sind Gastdozent an der Joop van den Ende Academy in Hamburg. Bleibt da noch Zeit für die Familie?

Ja, es bleibt noch genug Zeit. Das ist das Los des freischaffenden Schauspielers. So komme ich auch noch dazu, eigene Programme zu schreiben. Die laufenden Kosten müssen ja bezahlt werden. Ich lebe mit meiner Frau Janet Calvert und meiner Tochter Melissa in Charlottenburg. Meine Tochter ist jetzt 20 Jahre und besucht eine private Schauspielschule, wie kann es anders sein, denn ihre Mama ist auch vom Fach. Meine Frau – eine gebürtige Engländerin – lernte ich 1981 in meinem Heimatort Kaiserslautern kennen. Dort trat sie als Balletttänzerin auf. Mit meiner Tochter spielte ich bereits in „Les Misérables“ zusammen, da war sie erst zehn und stand als kleine Cosette auf der Bühne im Theater des Westens. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie stolz ich war. Meine Familie ist meine Freude und das Theater mein Freund.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Dass er mich fit hält, dass ich meine Emotionen auf der Bühne austoben und verschiedene Charaktere darstellen kann. Hier darf ich das tun, was im täglichen Leben nicht immer möglich ist. Mein Beruf hat quasi eine therapeutische Wirkung. Auch, wenn ich das nicht unbedingt benötige, denn mit dem Sternzeichen Waage im Aszendenten bin ich relativ entspannt.

Was geben Sie jungen Künstlern mit auf den Weg?

Ich zitiere Helmut Baumann: Nimm Dich nicht so wichtig. Bewahre Dir die Bescheidenheit, bleibe offen und sei respektvoll.

Was würden Sie alles für Ihre Karriere tun?

Ich war noch nie auf der Besetzungscouch (lacht). Manchmal muss man als Künstler die Rolle annehmen, die angeboten wird. Dann mache ich aus der Rolle das Beste, die Komik und Tragik der Figur. Ein Beispiel: Ich spielte Rochefort in „Die drei Musketiere“. Diese Rolle hat mich anfangs nicht sehr beeindruckt, aber zum Schluss habe ich diesen tollen Charakter geliebt. Es muss eben nicht immer die Hauptrolle sein! Noch wichtiger ist, dass man gesund bleibt und jeden Abend auf der Bühne stehen kann!

Sind die Zeiten für Künstler härter geworden?

Ja, die Konkurrenz ist größer und die Ausbildung besser geworden. Das gab es früher so nicht. Ich bin ein Seiteneinsteiger. Zum Glück spreche ich drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch, kann musizieren, tanzen und singen. Das ist hilfreich.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Ich wünsche mir, dass das Wort Ruhestand abgeschafft wird. Das hat etwas von einer Standuhr, die aufhört zu ticken. Sie steht in der Ecke und wird nicht mehr gebraucht. Das gibt es nicht in meiner Vorstellung. Ich wünsche mir, dass ich neugierig bleibe. Selbstverständlich kann ich auch faul am Strand liegen, aber nach dem Urlaub bin ich dann froh, wieder arbeiten zu können. Das hält jung.