Kunst

Eine Idylle in Zehlendorf widmet sich der Bildhauerei

Früher arbeitete hier Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker. Nun entsteht auf diesem Gelände das Kunsthaus Dahlem - und verspricht im kommenden Jahr eine Zuschauerattraktion zu werden.

Foto: Massimo Rodari

Fenster putzen möchte man hier auch nicht. Neun Meter sind die Räume hoch, die Fenster reichen bis zur Decke, eine Tür ragt fünfeinhalb Meter auf. Noch ist das Gelände eine Baustelle, Zwischenetagen werden abgetragen, in einem Raum ist knietief und flächendenkend der Bauschutt zusammengetragen, ein paar rostige Gitter stehen pittoresk am Rande. Kann man eigentlich so lassen.

Das künftige Kunsthaus Dahlem sieht noch wüst aus, aber man ahnt, wie es einmal werden wird. Für Juni 2015 ist die Eröffnung geplant. Das Land Berlin unterstützt das Haus mit 229.000 Euro. Auf 300 Quadratmetern soll dann zwei Jahre lang Bildhauerei der deutschen Nachkriegszeit gezeigt werden, aus der Zeit von 1945 bis 1955. In der ersten Etage werden Werke „prominenter Berliner Maler“ gezeigt, wie Dorothea Schöne sagt. Sie ist die Geschäftsführerin und voller Zuversicht, dass ihr Haus ein Erfolg wird. Zwischen 2006 und 2010 arbeitet sie in Los Angeles, am LA County Museum of Art. Auf die Frage, warum sie den Posten hier übernommen habe, antwortet sie ganz lokalpatriotisch, dass sie ja schließlich aus Berlin komme.

Das Gebäude ist monumental, ohne protzig zu sein

Die Lage ist wie gemacht für einen Familienausflug, bei dem man noch irgendwas mit Kultur machen will. Das Kunsthaus Dahlem liegt in einer Sackgasse, in der kleinen Straße stehen geduckte Familienhäuser, das Brücke-Museum liegt um die Ecke, am Ende der Straße geht es in den Grunewald, und als wäre es alles nicht niedlich genug, heißt die Straße auch noch Käuzchensteig.

Das Gebäude ist monumental, ohne protzig zu sein. Entworfen wurde es vom Architekten Hans Freese, der es für Arno Breker baute. Der Bildhauer war ein Liebling von Adolf Hitler, 1936 hatte er ihm gesagt: „Von nun an arbeiten sie nur für mich.“ Zwangsarbeiter haben hier nicht gearbeitet, wie Dorothea Schöne sagt, einem Bericht der Kunsthistorikerin Nikola Doll zufolge ist es „weitgehend unklar, wie Arno Breker das Atelier tatsächlich genutzt hat“. Es sei „unwahrscheinlich, dass ein regelmäßiger Werkstattbetrieb“ stattgefunden habe. Trotz Größe und Gradlinigkeit ist es nicht zu vergleichen mit dem Tempelhofer Flughafen oder dem Maifeld, auch die Ornamentik des Nationalsozialismus fehlt. Nichts an diesem Kunsthaus ist einschüchternd.

Bis 2011 standen zehn Ateliers Künstlern offen, dann wurden sie, ihrer Auffassung nach, vertrieben. Der Berufsverband bildender Künstler beschwerte sich pflichtgemäß, weil wieder Räume für die freien Künstler verloren gingen. Wobei immer noch nicht ganz einleuchtet, warum die Kosten für die Kunst auf die Allgemeinheit verteilt werden sollen und der erfolgreiche Künstler später den Profit allein einstreichen soll. Aber gut, mit den Lautsprechern der Freien Szene wollte sich Dorothea Schöne nicht anlegen; nur den Hinweis, dass mit der Sanierung und Eröffnung das Gelände „der Öffentlichkeit erschlossen“ – und somit aus dem Nischendasein entlassen – wird, wollte sie sich nicht ersparen.

Und die Öffentlichkeit ist nachweislich interessiert, bei zwei offenen Tagen sei das Kunsthaus geradezu überlaufen worden, berichtet Dorothea Schöne. Es gebe bereits heute schon Anfragen von Schulen. Zwischen 15.000 und 20.000 Besucher, so ihre Schätzung, werden jedes Jahr in ihr Haus kommen. Referenzmaßstab dabei ist das Kolbe-Museum, das Skulpturenmuseum aus dem Westend, das ähnliche räumliche Kapazitäten habe. Ein Pluspunkt sei die Nähe zum Brücke-Museum, mit dem das Kunsthaus kooperieren wird.

Wie zentral eine Einrichtung ist wohl eine Frage der Einstellung

So eine Schwärmerei für die Lage im nördlichen Zehlendorf hat man in der Kultur lange nicht mehr vernommen. Viel mehr ist der Sound der Klagen aus den ethnologischen Museen in Erinnerung. Dort verweisen die Macher auf ihre Randlage, wenn das Gespräch auf die traurigen Besucherzahlen kommt. Dabei liegen diese Museen direkt an einem U-Bahnhof, während das Kunsthaus Dahlem mit einer Buslinie verbunden ist, die in einer Taktfolge von 20 Minuten fährt. Wie zentral eine Einrichtung ist, so scheint es, ist vor allen Dingen eine Frage der Einstellung.

Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 8, www.kunsthaus-dahlem.de

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