Premiere

Ein kurzweiliges „Warten auf Godot“ im Deutschen Theater

Die Inszenierung von Ivan Panteleev hat Premiere gefeiert. Dabei verzichtet der Regisseur fast ganz auf Requisiten - und setzt auf seine Schauspieler. Eine verspätete, aber fulminante Saisoneröffnung.

Foto: Arno Declair / Ruhrfestspiele

Mit Gebimmel fährt der Eiserne Vorhang hoch, ein Scheinwerfer leuchtet suchend die Bühne aus. Sie ist mit einem Tuch bedeckt. Das verschwindet langsam in einer Art Trichter. Zwei Männer tauchen auf. „Nichts zu machen“, der legendäre, eigentlich spielverweigernde erste Satz aus Becketts „Warten auf Godot“ eröffnet im Deutschen Theater am Sonntagabend ein Fest der Schauspieler.

Regisseur Ivan Panteleev verzichtet, abgesehen von dem Tuch, auf Requisiten. Er vertraut seinen vier Akteuren Samuel Finzi, Wolfram Koch, Andreas Döhler und Christian Grashof - und die lohnen es ihm. Koch und Finzi geben ein virtuoses Komikerduo, bekommen beim langen Schlussapplaus Bravorufe.

Es ist eine klug reduzierte Inszenierung, die im Deutschen Theater gefeiert wird. Eigentlich sollte es die Saisoneröffnung sein, aber dann verletzte sich Koch beim Surfen im Sommerurlaub und die Aufführung musste um drei Wochen verschoben werden. In einer Szene wird auf die Verletzung dezent angespielt, wenn Wladimir seinen Freund und Wartepartner Estragon zu Auflockerungsübungen einlädt, sagt der, dass ihm jetzt nicht so danach sei.

Verspäteten, aber fulminante Saisoneröffnung

Das passt in ein Stück, dass auch immer wieder das Theater an sich thematisiert. Wenn Knecht Lucky (Andreas Döhler) zum Denken aufgefordert wird, dann ist das auch eine Parodie auf die großen Bühnenmonologe a la Hamlet. Christian Grashof, das Urgestein des Deutschen Theaters, spielt den Herren Pozzo als eine Mischung aus selbstverliebten und herrschsüchtigen Unternehmertyp.

Regisseur Panteleev lässt viele Zitate aus dem Beckett-Kosmos einfließen. Sein Bühnen- und Kostümbildner Mark Lammert hat eine quadratische, schiefe Ebene auf die Bühne des Deutschen Theaters gesetzt, im Zentrum steht der Trichter, aus dem die Schauspieler auftauchen - und manchmal auch zu verschwinden drohen. Ein Tanz am Abgrund.

Godot kommt auch in dieser Inszenierung nicht, aber das Warten war selten so kurzweilig wie bei dieser verspäteten, gleichwohl fulminanten Saisoneröffnung.