Theater

Das Theater an der Parkaue in Lichtenberg muss reisen

Das Theater an der Parkaue erhält eine neue Bühne. Bei der Grundsteinlegung freut sich Intendant Wuschek über das Bekenntnis zum Standort Lichtenberg. Zum Jubiläum wird auch im Prater gespielt.

Foto: Amin Akhtar

Ein gutes Zeichen, in mehrfacher Hinsicht. Das Wetter spielte mit bei der Grundsteinlegung für den Neubau der Bühne 3 des Theaters an der Parkaue. Geregnet hat es erst anschließend, das ersparte den Gästen das Schuheputzen. Und weil der festliche Akt am Rande der Baustelle stattfand, musste auch niemand einen Schutzhelm tragen, was die Frisur schont.

Und schließlich war die Grundsteinlegung ein „großartiges Bekenntnis“, wie Intendant Kay Wuschek sagte. Ein Bekenntnis für das Kinder- und Jugendtheater und gleichermaßen für den Standort Lichtenberg. „Viele Mitarbeiter hatten daran gar nicht mehr geglaubt“, so Wuschek.

Denn eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits am 1. Januar 2012 beginnen. Sie wurden verschoben, und damit stieg die Angst, dass möglicherweise das ganze Projekt begraben werden könnte, so wie beispielsweise der vor Jahren geplante Ausbau des Marinehauses zum zweiten Haus des Stadtmuseums.

Erinnerung an Heiner Müller

Es hat ja immer etwas leicht Befremdliches, wenn Herren – in diesem Fall waren keine Damen dabei – im Anzug und mit schwarzen Schuhen eine Baustelle betreten und auf Kommando zu nagelneuen Spaten greifen, um ein paar Brocken Erde auf eine Kassette zu schaufeln, für die vorher ein rechteckiges Loch ausgehoben wurde. Ein bisschen wie auf einer Beerdigung.

Wuschek las den „Brief an die Zukunft“ vor, erinnerte an Heiner Müller, der im Theater eine „Art Totenbeschwörung“ sah – das Schriftstück wanderte neben einer Zeitung vom Tage, dem Spielplanheft und einem Glücksbringer in die Erde. So sind die Rituale.

Renner kommt zum Richtfest

Nicht gekommen war an diesem Montagmittag Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD), der ausrichten ließ, dass er ganz bestimmt zum Richtfest kommen werde. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) ließ seinem Stellvertreter Andreas Prüfer den Vortritt, der machte das gern, schließlich engagiert sich Prüfer im Förderverein des Theaters. Geisel kam dann etwas später auch noch vorbei, entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass sich die Verhandlungen im Rathaus hingezogen hätten. Solche Grundsteinlegungen sind ja für Politiker immer etwas Positives, Geld wird investiert und Kultur schmückt allemal.

Der Neubau der Bühne 3 ist dabei nur der Auftakt der Sanierungsarbeiten, für die 12,7 Millionen Euro zur Verfügung stehen. In dem Neubau hinter dem Hauptgebäude, das vor gut 100 Jahren als höhere Knabenschule errichtet wurde, entsteht eine Bühne für etwa 100 Zuschauer, außerdem Lagerräume und Büros. Der Raum zwischen Alt- und Neubau wird verglast, dort wird es ein Atrium geben, damit die Zuschauer trockenen Fußes die neue Spielstätte durch den alten Haupteingang betreten können.

Baustelle zum Geburtstag

Zu Beginn der Jubiläumsspielzeit 2015/16 im September soll die Bühne eröffnet werden, zwei Monate später wird das Theater an der Parkaue 65 Jahre alt. Am 16. November 1950 wurde der Spielbetrieb im damaligen Theater der Freundschaft eröffnet, eigentlich sollte es ein bisschen früher losgehen, aber Probleme bei der Materialbeschaffung sorgten dafür, dass die Auftaktinszenierung im Maxim Gorki Theater herauskam, erst die 90. Aufführung fand schließlich im neuen Haus statt.

Für die Mitarbeiter wird die Geburtstagsspielzeit eine Herausforderung werden. Denn ab Sommer 2015 soll die Sanierung im Hauptgebäude beginnen. Dann sind der Saal der Bühne 1 dran, einige der knapp 430 Plätze werden zugunsten eines etwas größeren Abstandes der Reihen wegfallen; eine sehr lobenswerte Entscheidung, denn wer als Erwachsener dort mal eine Vorstellung durchgesessen hat, wird sich auf die größere Beinfreiheit freuen. Außerdem wird ein behindertengerechter Aufzug ins Vorderhaus einbaut, auch Bühne 2 wird saniert und ebenfalls geschlossen.

Berlinische Galerie als Partner

Das Theater an der Parkaue wird dann auf Reisen gehen und unter anderem den Prater im Prenzlauer Berg bespielen. Der dient momentan noch der Volksbühne als Spielstätte, wobei das dort untergebrachte „12-Spartenhaus“ eine längere künstlerische Pause eingelegt hat. Neun Monate will das Kinder- und Jugendtheater den Prater nutzen, der dann über etwas mehr als 300 Plätze verfügen soll, im Sommer 2016 ist der Rückzug nach Lichtenberg geplant. Neben dem Prater will das Theater an der Parkaue auch andere Orte in der Stadt bespielen. So gibt es eine Kooperation mit der Deutsche Oper, die dafür die Tischlerei, ihre kleine Spielstätte, zur Verfügung stellt, aber auch künstlerisch eingebunden wird.

Noch etwas ungewöhnlicher mutet das zweite Projekt an: Mit der Berlinischen Galerie, die momentan wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist, wird es eine Zusammenarbeit im Rahmen der dort für 2015 geplanten Max-Beckmann-Ausstellung geben. Die Gespräche darüber laufen momentan, deshalb wollte Intendant Kay Wuschek keine Details nennen.

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