Konzert

Tony Bennet im Admiralpalast - Berlin huldigt einer Legende

Jazzsänger Tony Bennett ist für sein einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr nach Berlin gekommen - in einen bestens gefüllten Admiralpalast. Dabei begeisterte der 88-Jährige nicht nur seine Altfans.

Foto: Kelsey Bennett / Kelsey Bennet / Semmel

Er ist ein Gentleman alter Schule. Er ist einer der letzten großen Vertreter einer vergangenen Swing-Ära. Unermüdlich steht der Jazzsänger Tony Bennett auf den Bühnen dieser Welt, um das zu tun, was er seit mittlerweile mehr als 60 Jahren tut: er interpretiert die großen Klassiker des „Great American Song Book“, macht sich die Meisterwerke von Komponisten wie Cole Porter oder Jerome Kern, den Gershwin-Brüdern oder Irving Berlin, Harry Warren oder Johnny Mercer zu eigen und wird eins mit diesen wunderbaren Texten und Melodien, wie jetzt am Donnerstagabend bei seinem einzigen Deutschlandkonzert in diesem Jahr im mit rund 1500 Besuchern bestens gefüllten Admiralpalast.

Natürlich sind sie da, die Alt-Fans, die Tony Bennett seit Jahrzehnten die Treue halten. Doch auch jede Menge junge Gesichter sind im Publikum auszumachen, neugierig auf die alten Lieder und neugierig auf den Mann, der gerade ein phänomenales Duett-Album mit Lady Gaga aufgenommen hat. Doch zunächst ist es am Tony Bennett Quartett, den Abend zu eröffnen.

Vier Stücke spielen sie, und jedes rückt einen der Musiker in den Mittelpunkt. Zunächst den stilistisch vielseitigen Pianisten Michael Renzi, dann den exquisiten Gitarristen Gray Sargent, den Kontrabassisten Marshall Wood und schließlich Schlagzeuger Harold Jones, selbst eine Legende und hoch in den Siebzigern. Bennett wird ihn später als „Count Basies Lieblingsschlagzeuger“ preisen.

„Ich singe nur alte Lieder“

Bennett selbst lässt sich von keinem geringeren als seinem Freund Frank Sinatra ankündigen. Vom Band tönt die Stimme von Ol‘ Blue Eyes durch den Saal: „He’s my man. He’s the greatest singer in the world“. Auftritt Tony Bennett. Und alles steht auf. Ovationen branden dem 88-jährigen Entertainer entgegen. Im dunklen Anzug mit rotem Einstecktuch steht er da, von Anfang an überwältigt von den Reaktionen, mit diesem wie in Fels gemeißelten Lächeln im Gesicht und feinen Gesten des Dankes.

Er beginnt sein Konzert, wie bereits bei seinem Gastspiel an gleicher Stelle vor zwei Jahren, mit „Watch What Happens“. Es bleibt eines der neueren Stücke des Abends, in den 60er-Jahren von Michel Legrand und Andy Williams geschrieben. Es ist überhaupt vieles ähnlich wie vor zwei Jahren. Es braucht ein paar Songs, bevor er sich warm gesungen hat. Aber dann ist sie zu spüren, diese Energie in der Stimme, die Eleganz, mit der er phrasiert, die Liebe, die er zu den alten Liedern entwickelt hat.

„Ich singe nur alte Lieder“, sagt er. „Warum? Weil ich die neuen Lieder nicht mag.“ Und widmet sich Klassikern wie „They All Laughed“, „Maybe This Time“ aus dem Musical „Cabaret“ oder dem treibenden „I Got Rhythm“. Er swingt durch „Steppin‘ Out With My Baby“, Irving Berlins Hit, der auf immer mit Fred Astaire verbunden ist. Und natürlich singt er auch „Boulevard Of Broken Dreams“. Es war 1950 seine allererste Plattenaufnahme.

Manche Stücke, so hat es den Anschein, sind kürzer als der Applaus, der ihnen folgt. Immer wieder reckt er die Arme in Siegerpose, legt die Hand aufs Herz als Zeichen des Dankes. Er bringt die alten Lieder auf den Kern, demonstriert, wie bedeutend sie auch heute noch sind. Und wenn er eine Refrainzeile wie „I can’t give you anything but love“ singt, ist das gleichzeitig eine Verbeugung vor seinem Publikum, das immer wieder aufsteht und in begeisterten Jubel ausbricht.

Großes Finale mit „Fly Me To The Moon“

Tony Bennett ist einer der letzten seiner Art. Er hat mehr als 50 Millionen Platten verkauft, 17 Grammy-Musikpreise nennt er sein eigen. Zur Zeit der Großen Depression in armen Verhältnissen im New Yorker Stadtteil Queens aufgewachsen, hatte er von Kind an den großen Traum von der Sängerkarriere. 1949 wurde er von Bob Hope im Greenwich Village entdeckt. Ein Jahr später nahm er seine erste Platte auf. Und Anfang der 60er-Jahre spielte er jenes Stück ein, das auf immer mit seinem Namen verbunden ist: „I Lost My Heart In San Francisco“. Er singt es im Admiralspalast in einer leicht brüchigen, sentimentalen Version.

„I’m Old Fashioned“ bekennt er in einem anderen Song. Und doch hat er ein Ohr für junge Sänger, mit deren Pophits er vielleicht nicht so viel anfangen kann, mit deren Talent dafür umso mehr. So hat er zwei Duett-Platten aufgenommen, auf denen er die alten Hits mit Michael Boublé, k. d. lang oder Amy Winehouse sang. Und mit Lady Gaga. Von der war er so begeistert, dass am Freitag ein neues, gemeinsames Album der beiden erscheint. Im Konzert widmet er der Lady „The Good Life“. Und sagt mit diesem ewig jungen Lächeln: „Bitte kauft alle das Album. Sie braucht das Geld.“

Tony Bennett ist nicht ganz so gesprächig wie beim vorigen Berlin-Konzert. Er hält sich mit dem Erzählen von Anekdoten zurück, er spricht einfach durch seine Lieder. George Gershwins „Who Cares“ ist eines der letzten Stücke dieses kompakten Abends. Doch der Jubel hält ihn auf der Bühne. Berührend sind seine Versionen von dem durch Louis Armstrong berühmt gewordenen „When Your Smiling“ und von Charlie Chaplins „Smile“.

Nach gut 90 Minuten legt Tony Bennett das Mikrofon bei Seite und singt mit kraftvoller Stimme unverstärkt „Fly Me To The Moon“. Es ist der Höhepunkt einer jeden Bennett-Show. Das große Finale. Heftig langanhaltender Jubel erschüttert den Admiralspalast. Der Sänger badet im Applaus. Kehrt mehrfach zurück ins Rampenlicht. Gerührt. Glücklich. Einer Legende wird gehuldigt.